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Hoffnung und Heizöfchen

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Erneut setzt sich ein Hilfskonvoi von Gießen aus in Bewegung Richtung Ukraine. Das GAiN Hilfswerk sucht ehrenamtliche Fahrer und freut sich über anhaltende Spendenbereitschaft.

Gießen. Ein »Hoffnungskonvoi« mit sechs vollgeladenen Lkw fährt bis nach Riwne in der Ukraine und bringt Lebensmittel und Hilfsgüter in die umkämpften Gebiete. Organisator ist erneut das Team der Global Aid Network (GAiN) gGmbH, ein internationales Hilfswerk mit Sitz in Gießen.

Geladen haben die Lkw Lebensmittel wie Kartoffeln, Milch und haltbares Gemüse. Doch das Team von GAiN bringt nicht nur Nahrung, sondern auch etwas, das sie unter dem Begriff »Winterresponse« zusammenfassen: Generatoren, Heizventilatoren, Zelte, Betten, Stühle und Tische. «Bitte schickt uns genau das‹, haben uns Menschen vor Ort gebeten. Und wir sind dankbar, dass wir genau diese Dinge besorgen konnten«, verrät Harald Weiß, Kommunikationsleiter bei GAiN. Die Hilfsbereitschaft habe seit Beginn des Krieges noch nicht abgeflacht. »Die Firmen haben uns dankbar und freudig die angefragten Sachen gegeben,« merkt Klaus Dewald, Leiter und Gründer von GAiN, an.

An einem der Lastwagen hängt ein Küchencontainer, der von der Frankfurter Feuerwehr zur Verfügung gestellt wurde. Dieser sei besonders wichtig, da er einen eigenen Generator besitzt und so unabhängig von der Stromversorgung funktioniert.

»Geplant waren fünf Lkw, sechs gehen auf die Reise, doch es hätten sieben oder acht sein können«, sagt Dewald, jedoch fehle es an ehrenamtlichen Fahrern. Einer der freiwilligen Helfer ist Peter Kircher, Geschäftsführer der Spedition Kircher Transport Logistik. Er fährt das dritte Mal mit seinem eigenen Lastwagen für GAiN in die Ukraine.

Anna und Nils Pettkus sind Projektleiter für die Ukraine und stehen mit Projektpartnern vor Ort in Verbindung. »Was unseren Partnern unheimlich Kraft gibt, ist, dass sie mit uns in Kontakt stehen«, unterstreicht Pettkus, und bezeichnet den Konvoi als »Hoffnungskonvoi«.

Bereits am 25. Februar hat das Hilfswerk den ersten Transport in die Ukraine organisiert. »Seitdem sind 145 Transporte auf die Reise gegangen, davon 55 direkt in die Ukraine, mit einem Warenwert von mehr als acht Millionen Euro«, berichtet Harald Weiß.

Dank richten die Organisatoren an die Privatpersonen, die GAiN unterstützen: In den ersten Wochen des Krieges hätten sie 14 000 Hygienepakete von Einzelpersonen erhalten. Neben Hygienepaketen sammelt GAiN auch Lebensmittelpakete im Wert von 25 bis 45 Euro. Einer der Lkw hat zehn Tonnen dieser Pakete geladen.

»In der Westukraine gibt es fünfeinhalb Millionen Flüchtlinge. Wir reden immer über die Flüchtlinge, die in den Nachbarländern und bei uns sind. Aber in der Ukraine selbst gibt es noch viele Flüchtlinge«, erklärt Dewald. »Wenn man weiß, dass man das Richtige macht, ist die Frage nach der Gefahr keine, die man sich stellt. Wir wollen. Keiner muss. Niemand wird gezwungen zu fahren und sich in Gefahr zu bringen«, erzählt Klaus Dewald, der selbst an der Spitze des Konvois fährt. Motivation für ihn in das Kriegsgebiet zu fahren, seien die Menschen vor Ort und deren hoffnungsvolle Reaktionen. Der GAiN-Leiter ist sich aber auch bewusst, dass immer etwas passieren kann - und hat »weltliche Vorkehrungen, wie ein Testament« getroffen. Das heißt nicht, dass das Team keine Sicherheitsvorkehrungen trifft.

»Muss der Chef fahren? Nein, der Chef muss nicht fahren. Ich nehme mir das Recht heraus, zu fahren«, lacht Klaus Dewald. »Man nimmt immer private Geschichten mit, das muss man natürlich danach verarbeiten. Aber es gibt Lebende und Überlebende, und für die wollen wir da sein. Deswegen habe ich das vor 30 Jahren angefangen.«

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