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Hohe Intensität vermittelt

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Skip Arnold schafft mit seinem nackten Körper Situationen, in denen seine Fragilität sichtbar werden soll. Foto: Schultz © Schultz

Der Amerikaner Skip Arnold und der Brite Nigel Rolfe lieferten ihre Darbietungen zum Abschluss der Performance-Reihe in der voll besetzten Galerie des Unteren Hardthofs.

Gießen . Der Abschluss der Performance-Reihe »Exbodiment« fand nun auf dem Unteren Hardthof statt. Der Amerikaner Skip Arnold und der Brite Nigel Rolfe lieferten ihre Darbietungen in der voll besetzten Galerie. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern fanden sich in ihren Arbeiten keine hochdramatischen Elemente. Die Intensität ließ dennoch nichts zu wünschen übrig.

Rainer Gläsel, Vorsitzender des Vereins Unterer Hardthof e. V., begrüßte die Gäste als »Ikonen der Performance-Szene« und lobte »die leidenschaftliche Internationalität« des Programms. Nadia Ismail, Kuratorin der Kunsthalle, beschränkte sich diesmal ganz auf den Dank an die Mitwirkenden und Unterstützer.

Skip Arnold (* 1957 in Binghamton, NY) lebt und arbeitet in Paris. Er ist weltweit für seine Body-Art-Performances (Liveperformance, Fotografie, Installation und Video) bekannt. Er verwendet seit 1980 den nackten Körper als Material seiner künstlerischen Praxis und schafft darin Situationen, in denen seine körperliche Fragilität sichtbar wird. Er zeigt sich immer wieder in körperlichen Zwangslagen.

Nigel Rolfe (* 1950, Isle of Wight, UK) lebt und arbeitet in Dublin. Seine Arbeit befasst sich mit Haben und Nichthaben sowie Konflikten in der Gesellschaft. Er prägte in den 70ern den Begriff »Sculptures in motion«, um seinen Umgang mit Zeit und Material zu beschreiben. In den 80ern fügte er die Elemente Sound, Video und Fotografie hinzu. Sein Album »Lament« wurde vom Magazin »Rolling Stone« zu »one of the best of all time« gewählt, was ihn auch in der Musikszene bekannt machte.

Es ging schneller los an diesem Abend als sonst. Nachdem man draußen vor der Galerie Arnold im Kurzvideo als Boxkämpfer sehen konnte, war man ruckzuck in der Galerie, in der Arnold schon unbekleidet auf einem Stuhl Platz genommen hatte, die Füße in zwei Eimern mit warmem Wasser, um schlimmeres Verkühlen zu verhüten. Das Publikum füllte die Galerie, und der Raum füllte sich mit Ruhe. Zunächst deutlich neugierig, nahm die Anspannung der Besucher später ab. Arnold tat einfach nichts, er atmete flach und bewegte keinen Muskel, nicht einmal den Blick.

Sinneseindrücke nach innen gerichtet

Man konnte sich in seinen Kopf versetzen: Was sah er wohl, an wen dachte er, und was dachten die Menschen, die er sah? Irgendwie ging von ihm eine tiefe Ruhe aus, die zum Nachdenken anregte, während sie keinerlei Grenzen setzte - man musste ja nicht an die Performance denken. Taten wohl aber alle. Nach einer halben Stunde stand Arnold einfach auf, griff seine Schuhe und ging raus. Hinterher gab’s heftigen Beifall.

Die zweite Runde bestritt der Brite Nigel Rolfe im schwarzen Dreiteiler. Er nahm auf einem Stuhl Platz, betrachtete die Lage, begann dann, eine Reihe von Materialien auszubreiten und fügte gleich eingangs die musikalische Ebene hinzu: Aus zwei Lautsprechern strömte sakral klingende Musik mit einer Frauenstimme und setzte einen harmonischen Akzent. Auf der konkreten Ebene legte er zunächst Schablonen mit den Worten »cry« und »war« auf Zeichenkarton, streute dann blaue Pigmente drüber und nahm die Schablonen ab. Die ganze Körperlichkeit des groß gewachsenen Herrn war von würdevoller, bedachtsamer Langsamkeit geprägt; einen Besucher, der seinen Utensilien zu nahe kam, scheuchte er wortlos weg. Andererseits vermittelte er mit seinen kalkulierten Bewegungen den Eindruck einer dynamischen Körperspannung. Produktionsmittel waren noch Buntstifte und Butter sowie etwas Wasser aus einer Sprühflasche. Schließlich gab es auf drei Kartons drei blaue runde Flächen, und die Musik wandelte sich zu einem mehrstimmigen, teils verfremdeten Hundeheulen mit etwas Schweinegeschrei, das eindeutig eine gewisse emotionale Disbalance dazu brachte.

Hier herrschte schnell eine ruhige Energie, es passierte etwas, die Mittel waren bekannt, und man konnte nach den 30 Minuten ebenso unter diversen Sinneseindrücken und gedachten und bei den Nachbarn vermuteten Gedanken wählen wie sich von einem allgemeinen Antikriegsimpetus angenehm angestupst fühlen. Großer Beifall.

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Mit langsamen Bewegungen fertigt Nigel Rolfe mit Schablonen und blauen Pigmenten zu sakraler Musik aussagekräftige Werke. Foto: Schultz © Schultz

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