1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Hohes Ansehen dank guter Jugendarbeit

Erstellt:

giloka_1306_blauweisz_130_4c
Glückwunsch: Der Vorsitzende Alexander Jendorff (links), sein Stellvertreter Helmut Appel (Zweiter von rechts) und OB Frank-Tilo Becher (Zweiter von links) ehren verdiente Mitglieder von Blau-Weiß. Foto: Schäfer © Schäfer

Blau-Weiß Gießen wünscht sich zum 65-jährigen Bestehen einen Kunstrasenplatz. »Wir werden das tausendfach zurückzahlen«, heißt es bei der Feier des Vereins.

Gießen . »Blau-Weiß Gießen wird 65 - und geht nicht in Rente« lautete das Motto zur Geburtstagsfeier des Vereins. Auch Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher hatte bei den Gästen sogleich einen Stein im Brett, als er bekannte: »Neben all meinen Terminen ist das hier ein solider Platz für mich in der Nordstadt bei Blau-Weiß.« Es sei geradezu sensationell, was sich im Verein entwickelt habe. »Denn das fällt ja nicht so einfach vom Himmel.« Dass so viele Menschen »in den Verein hineinwollten«, erfülle ihn mit Stolz.

Der große Andrang zur sportlichen Betätigung hat aber auch seine Schattenseiten. Einerseits sei dies natürlich ein Segen, weil er die gute Arbeit bestätige. Andererseits mangele es an allen Ecken und Enden an zusätzlichen Betreuern und Trainern. Händeringend werden weitere ehrenamtliche Helfer für die zahlreichen Jugendmannschaften gesucht, für die Mira Dahmen-Stang als Jugendleiterin verantwortlich zeichnet. Der Vorsitzende Prof. Alexander Jendorff bedauerte, dass es aus dieser Not heraus derzeit Wartelisten und eine Aufnahmesperre geben müsse.

Anlässlich des Jubiläums hatten die langjährigen Mitglieder und Blau-Weiß-Urgesteine Roland Niebergall und Helmut Appel die Vereinschronik aktualisiert. Das Ergebnis stellten sie nun vor. Die Vorgeschichte reicht bis ins Jahr 1914 zurück. Damals gründete sich der Verein für Rasenspiele (VfR, Spielvereinigung (Spvgg 1900) durch die Fusion von Gießener SV 1909 und dem VfB 08. 1920 wurde dieses Konstrukt aufgelöst und der VfB 08 erlangte seine Selbstständigkeit zurück. 1921 benannte sich wiederum der VfR (Spvgg 1900) um in Sport-Club von 1900. Fünf Jahre später fusionierte dann der Sport-Club von 1900 mit BC Merkur 04 zur Spvgg 1900. Im Jahr 1956 folgte erneut eine Fusion - diesmal zwischen der Spvgg 1900 und dem VfB 08 zum VfB 1900. Die Sportler waren damit allerdings unzufrieden und so entstand 1957 die Spvgg Blau-Weiß Gießen.

Temporärer Umzug

Eine zeitlich begrenzte Zäsur stellte für die Ringallee-Kicker der Umzug an die Miller Hall dar. Das war notwendig geworden, weil die genutzte Sportfläche für die Landesgartenschau 2014 umgebaut werden musste. Damalige Pläne zielten zunächst darauf ab, den Verein dauerhaft dorthin zu verlagern. Erst nach langen und zähen Verhandlungen durch Helmut Appel und Roland Niebergall durfte Blau-Weiß an seine ursprüngliche Wirkungsstätte und in ein neu errichtetes Sportlerheim zurückkehren. Der Wermutstropfen: Es musste dort weiterhin auf einem oft staubigen rotbraunen Hartplatz gespielt werden.

Mit seinen derzeit 280 Mitgliedern zählt Blau-Weiß zwar zu den kleineren Sportvereinen der Stadt. Die prosperierende Jugendarbeit schlägt sich indes darin nieder, dass der Verein innerhalb Gießens deutlich an Ansehen gewonnen hat. Das Frauen-Team - als einziges in der Kernstadt - erfährt ebenfalls großen Zuspruch und feiert Erfolge.

Im Jahr 2015 wurde die konzeptionelle Neuausrichtung in das vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) initiierte Programm »Integration durch Sport« (IdS) sowie in das städtische Kindeswohl-Konzept eingebunden. Darüber hinaus bestehen enge Kooperationen mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und dem Nordstadtverein. Charakteristisch für Blau-Weiß ist, dass sich darin die Heterogenität der multikulturellen Nordstadt widerspiegelt. Dazu gehört, sich intensiv zu vernetzen und keine abgeschottete Vereinsmeierei zu betreiben. Denn Heterogenität und Komplexität lassen sich nur mit Transparenz und Offenheit gut bewältigen, so das Credo. Eine Bestätigung dafür sei nicht zuletzt, dass die allesamt ehrenamtlich tätigen Trainer und Betreuer »Jahr für Jahr mit Preisen ausgezeichnet werden«.

»Wir werden das tausendfach zurückzahlen«

Alexander Jendorff und Frank-Tilo Becher ehrten außerdem Wolfgang Appel, der als »Betriebshandwerker« nach wie vor turnusmäßig aus seinem Wohnort Chemnitz nach Gießen kommt, um das Vereinsheim handwerklich in Schuss zu halten. Würdigungen gab es ferner für langjährige Mitgliedschaft: Seit 55 Jahren hält Klaus Steih Blau-Weiß die Treue, Uwe Schmidt ist seit 40 Jahren und Roland Niebergall seit 25 Jahren dabei. Letzterer äußerte den Wunsch nach einem »besseren Untergrund« für den Verein. Ein Kunstrasenplatz sei eine Herzensangelegenheit. Sollte dies gelingen, versprach er: »Die Blau-Weißen werden das tausendfach zurückzahlen.« Roland Niebergall war bereits 2007 für seine Jugendarbeit mit dem Integrationspreis der Stadt ausgezeichnet. Dieselbe Ehre wurde dem Verein 2009 zuteil.

Weitere Ehrungen erhielten Vincenzo Giorgio für jahrzehntelange Schiedsrichtertätigkeit, Jugendtrainer und Schiedsrichter Christian Weitzel als »Herzstück des Vereins«, Vorstandsmitglied Alexandra Weitzel - verbunden mit der Aufforderung »Bitte mach weiter!« - sowie aktive Fußballer, die eine bestimmte Anzahl an Spielen absolviert haben.

Auch interessant