1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Humor, Krimi und Revolution

Erstellt:

Von: Björn Gauges

gikult_Klinaucprivat-Kop_4c
Artur Klinau berichtet am 27. Oktober von »Acht Tagen Revolution« in Belarus. Fotos: Susie Knoll, Burkhard Peter, privat © Susie Knoll, Burkhard Peter, privat

Eine Revolution in Minsk, eine Ausbildung in der Telefonseelsorge und ein versehrter Polizist: Das Literarische Zentrum Gießen stellt das neue Programm vor.

Gießen. Die Kultur hat es landauf, landab in diesen Tagen schwer beim Publikum. Doch während anderswo die Sitzreihen leer bleiben, kann sich das Literarische Zentrum Gießen (LZG) über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Die jüngste Lesung mit Schriftsteller Daniel Schreiber im Ulenspiegel war ausverkauft - und zog zudem ein überraschend junges Publikum an. Überhaupt zeigen sich Hannah Brahm und Dr. Anika Binsch, die beiden LZG-Geschäftsführerinnen, sehr zufrieden mit den Publikumszahlen der vergangenen Monate. Und auch mit dem aktuellen Programm könnten sie wieder einen Nerv treffen - zumal vom anspruchsvollen Krimi über brisante Gesellschaftskämpfe in Belarus, einen heiteren Blick auf die deutschen 90er Jahre bis zum originellen Kinderbuch wieder jede Menge unterschiedliche Tonlagen angeschlagen werden.

Das letzte Vierteljahresprogramm 2022 startet am Donnerstag, 6. Oktober, mit Friedrich Ani und seinem gerade erst veröffentlichten Roman »Bullauge«. Der Träger des Deutschen Krimipreises 2016 stellt im Rahmen des Krimifestivals im Levi-Saal (19.30 Uhr) die Geschichte eines Polizisten vor, der während einer Demonstration ein Auge verliert. Bald darauf lernt er die ebenfalls von einem Unfall gezeichnete Silvia kennenlernt, die in die Kreise einer rechtspopulistischen Partei geraten ist. Die beiden finden aneinander Halt, schließen sich zusammen und versuchen, ein geplantes Attentat zu verhindern. Ani hat, wie Hannah Brahm berichtet, einmal mehr einen ungewöhnliches Buch geschrieben, das zunächst mehr Figurenporträt als Spannungsplot ist - um schließlich doch noch eine überraschende Krimi-Wendung zu nehmen.

Brisanz verspricht der Besuch des Belarussen Artur Klinau, der am Donnerstag, 27. Oktober, im Netanya-Saal (19 Uhr) ein Gespräch mit dem Osteuropahistoriker Prof. Thomas Bohn (JLU) führen wird. Klinau hat zum einen eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt geschrieben, die ihre Leser durch die bewegten Jahrhunderte Minsks führt. Zum anderen zeichnet er in einem »dokumentarischen Journal« unter dem Titel »Acht Tage Revolution« die Ereignisse rund um die Proteste während der gefälschten Präsidentschaftswahl im Sommer 2020 nach. Unter den von der Polizei festgenommenen Demonstranten befindet sich auch seine Tochter Marta. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Um einen Krimi in einfacher Sprache geht es am Donnerstag, 3. November, um 19 Uhr im Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Der Darmstädter Michael Kibler hat das Buch zusammen mit einer Diakonie-Gruppe aus Reutlingen erarbeitet. Seine Mitstreiter haben sich die Figuren und die Geschichte ausgedacht, die er dann in Worte gefasst und aufgeschrieben hat. Es geht um einen Juwelenraub, vier verdächtige Mitarbeiter und einen Kommissar, der eigentlich auf dem Weg in den Urlaub war.

An einem wohl einzigartigen Projekt in der zeitgenössischen deutschen Literatur arbeitet Gerhard Henschel. Er erzählt seit vielen Jahren ebenso präzise wie gewitzt von seinem Alter ego Martin Schlosser - von der Kindheit bis zum Erwachsenwerden. Mittlerweile ist er in den 90er Jahren angekommen, als Schlosser in Frankfurt landet, wo er eine Redakteursstelle bei der »Titanic« übernimmt - während sein Vater stirbt. Doch trotz dieses Schicksalsschlags gibt der neue »Schauerroman« einen zumeist entspannten Einblick in die Atmosphäre dieses Jahrzehnts. Henschel stellt das Buch am Freitag, 18. November, um 19 Uhr im KiZ (Kongresshalle) vor.

Ein weiteres Highlight verspricht der Auftritt von Judith Kuckart am Mittwoch, 23. November, (18.30 Uhr) im KiZ (Kongresshalle). Die vielseitig begabte Künstlerin stellt ihren neuen Roman »Café der Unsichtbaren« vor, der sich mit einer Telefonseelsorge beschäftigt. Es geht um sieben Menschen mit sieben Lebensgeschichten, die eine Ausbildung absolvieren, um nachts diese schwierige Gemeindearbeit leisten zu können. Dabei erfahren die Leser viel von den Biografien dieser unterschiedlichen Menschen, die sich freiwillig engagieren.

Die traditionelle Weihnachtsinszenierung der Germanistik-Theatergruppe der JLU steht am Montag, 12. Dezember, um 18 Uhr in der Pankratiuskapelle auf dem Programm. Inszeniert wird das »Dreikönigsspiel« des Barockdichters Hanns Wagner. Erzählt von Israels König Herodes, der von drei Fremden aus dem Orient erfährt, die nach einem neuen König im Land suchen. Was also soll er tun? Der Eintritt ist frei.

Die letzte LZG-Veranstaltung des Jahres richtet sich an Kinder ab fünf Jahren. Am Freitag, 2. Dezember, um 15 Uhr gibt es im Spielzeuggeschäft Fuhr in der Sonnenstraße eine Lesung mit der Autorin Lena Hach. Sie stellt das Vorlesebuch »Leander Linnens Wunderladen« vor, in dem jeder Kunde findet, was er braucht - selbst wenn er es noch nicht einmal gesucht hat.

Karten für alle Veranstaltungen können ab sofort reserviert werden. Per E-Mail unter anmeldung@lz-giessen.de, über die LZG-Homepage (www.lz-giessen.de), im LZG-Büro (Kongresshalle) oder über die Tourist-Info. Reservierte Karten müssen bis drei Tage vor der Veranstaltung abgeholt werden. Restkarten gibt es an der Abendkasse.

gikult_Ani_0024cSusieKno_4c
Friedrich Ani © Red
gikult_Kuckart_Judith_cB_4c
Judith Kuckart © Red

Auch interessant