1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Ich sehe gute Perspektiven«

Erstellt:

Von: Benjamin Lemper

giloka_1011_karstadt2_10_4c
Wie geht es mit Galeria Karstadt Kaufhof in Gießen weiter?. Markus Schön, Vorstandsvorsitzender von buero.de ist jedenfalls überzeugt, die Filiale im Seltersweg positiv weiterentwickeln zu können. Foto: Berghöfer © Berghöfer

Der Unternehmer Markus Schön hat Interesse, die Gießener Karstadt-Filiale zu übernehmen. Denn er ist überzeugt, mit dem Haus im Seltersweg genug Frequenz und Umsatz erzielen zu können.

Gießen. Wird der Unternehmer Markus Schön zum Retter für mehr als ein Drittel der Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof? Fakt ist, dass der Vorstandsvorsitzende des Onlinehändlers buero.de um 47 Standorte der Warenhauskette in mittelgroßen Städten buhlt, die offenbar »prima« zu seinem Konzept passen. »Auch Gießen zählt dazu, ich sehe dort gute Perspektiven«, bestätigt Schön auf Anfrage des Anzeigers. Sein grundsätzliches Interesse an einem solchen Geschäft habe er bereits vor dem jüngst angekündigten rigiden Sparprogramm »hinterlegt«.

Mit dem Insolvenzverwalter sollen nun »kurzfristig« Gespräche geführt werden. Für die Beschäftigten könnte das ein Hoffnungsschimmer sein, denn Schön möchte bei einer Einigung allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern »ein Angebot unterbreiten, damit sie bleiben«. Sie seien schließlich »der größte Schatz eines Unternehmens«. Zugleich sei er überzeugt, »die Situation in Gießen so entwickeln zu können«, dass sich genug Frequenz und Umsatz erzielen lasse, um die Filiale »dauerhaft zu erhalten«. Die potenzielle Kaufkraft der Kundinnen und Kunden in einem großen Einzugsgebiet stimme ihn jedenfalls zuversichtlich.

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Galeria Karstadt Kaufhof erneut Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat. Zum zweiten Mal binnen zwei Jahren droht der Kollaps. Jedes dritte der bundesweit noch 131 Kaufhäuser soll voraussichtlich geschlossen werden. Welche das sein werden, soll eine »sehr sorgfältige Einzelfallbetrachtung« ergeben, hieß es aus der Konzernzentrale in Essen. Politik und Einzelhandel bekundeten ihre Solidarität. Er sei »von der Zukunftsfähigkeit des Gießener Hauses in seinem guten Umfeld fest überzeugt«, betonte etwa Oberbürgermeister Frank-Tilo-Becher. Warenhäuser hätten für die Innenstädte als umfassende Versorger eine große Bedeutung. Auch Heinz-Jörg Ebert, Vorsitzender des BID Seltersweg, zeigte sich »hoffnungsvoll« und verwies darauf, dass die Entwicklung im Seltersweg ganz wesentlich davon beeinflusst werde, wie es mit Galeria Karstadt Kaufhof weitergeht. Bekäme Markus Schön den Zuschlag, wolle er lediglich »in Nuancen Anpassungen und Veränderungen vornehmen«. Das »Vollsortiment mit einer breiten Angebotspalette« stehe indes nicht zur Disposition. Insbesondere habe er keine Bestrebungen, dass dort nur noch Schul- und Bürobedarf gedeckt werden könne. Allerdings solle die Warenpräsentation noch enger mit dem Onlinehandel vernetzt und eine stärkere Regionalisierung angestrebt werden. »Die Menschen sollen sagen: ›Das ist mein Warenhaus‹. Wir wollen es zu einem Ort machen, an dem man ein Einkaufserlebnis erfährt.«

Gelingt das nicht, hält zumindest die »Immobilien-Zeitung« eine Fortführung des Gießener Hauses für »unwahrscheinlich«. Sie hat eine Portfolioanalyse aller 131 Galeria-Filialen angefertigt und dafür drei Parameter zugrunde gelegt: Ein Kriterium für die Beurteilung sind demnach die Eigentumsverhältnisse. Die Immobilie im Seltersweg 64 gehört nämlich nicht der Signa Holding von René Benko, was sich bei einer Abwägung negativ auswirken könnte.

»Abschöpfung«

Einbezogen worden sei auch, ob die betreffende Filiale schon bei der Insolvenz 2020 auf der Streichliste gestanden habe oder ob der Weiterbetrieb für eine gewisse Zeit garantiert worden sei, schreibt Autor Christoph von Schwanenflug. Und schließlich stützt sich die Fachzeitung für Immobilienmanagement auf ein »wegweisendes Buch« des Warenhausexperten Gerd Hessert von 2012: »Die Zukunft der Warenhausstandorte in Deutschland«. Diese klassifizierte er damals anhand von hochgerechneten Umsatzzahlen und Marktdaten. Für Gießen ist dort »Abschöpfung« zu lesen. Das wiederum bedeutete, die Geschäfte würden weitergeführt, es werde aber nicht mehr »groß investiert«, so von Schwanenflug. Auf Nachfrage dieser Zeitung betont er jedoch auch: »Es handelt sich um eine eigene Analyse. Der Artikel ist der Versuch, auf der Grundlage von eigenen Recherchen zu einer eigenen, aber auch für andere nachvollziehbaren Position zu kommen. Ob alles so eintritt, wie von uns prognostiziert, ist völlig offen. Das hängt von so vielen Faktoren ab.«

giloka_1011_Schoen_101122_4c
Markus Schön Foto: Schön & Co/ Caroline Riccobene © Schön & Co/ Caroline Riccobene

Auch interessant