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»Ich will hier einfach mitgestalten«

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Voraussichtlich im Februar 2022 will Alexander Wright bei der Bürgermeisterwahl antreten. © Friese

Alexander Wright (Grüne) strebt nach seiner Niederlage bei der OB-Wahl nun ein anderes Amt an. Warum, sagt er im Interview.

Gießen. Alexander Wright will Bürgermeister in Gießen werden. Die Wahl für das Amt, um das sich der 34-jährige Lehrer offiziell bewirbt, soll in der Sitzung der Stadtverordneten im Februar stattfinden, Amtsantritt wäre dann der 1. März. Im Interview mit dieser Zeitung spricht der Fraktionsvorsitzende der Grünen über seine Pläne, die Arbeit der Koalition aus Grünen, SPD und »Gießener Linke« und den Verkehrsversuch auf dem Anlagenring. Auf die Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher freue er sich, erklärt der Politiker.

Wann haben Sie sich entschieden, dass Sie hauptamtlich Politik machen möchten?

Mit meiner Bewerbung für den Oberbürgermeister. Natürlich war das vorher immer ein Gedanke. Dabei haben sich die Fragen ergeben: Kann ich das und will ich das? Und diese Fragen habe ich tatsächlich vor der Bewerbung zur Oberbürgermeisterwahl beantwortet. Ich habe das auch mit der Familie besprochen. Denn mir ist bewusst, dass ein solches Amt zu mehr Belastung führt.

Warum wollen Sie speziell kommunalpolitisch arbeiten?

Das ist meine Leidenschaft. Die Kommunalpolitik ist eine feste Größe in meinem Leben geworden. Ich will hier einfach mitgestalten. Es ist Arbeit vor Ort, ich bin nah bei meiner Familie. Und Gießen ist mein Zuhause.

Frank-Tilo Becher und Sie gehören zu einer Koalition. Aber bei der Oberbürgermeisterwahl waren Sie Wettbewerber. Wie wird die Zusammenarbeit sein, sollten Sie zum Bürgermeister gewählt werden?

Ich denke, gut. Wir haben jetzt auch schon mehrfach miteinander gesprochen, was sehr gut, vertraut und kollegial lief. Frank-Tilo Becher hat sich zum Koalitionsvertrag bekannt und an die Abmachungen gehalten. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.

Sie sind Teil der ersten grün/rot/roten Koalition in Gießen. Wie läuft es?

Bei uns läuft es wirklich gut. Ich habe mich in meiner Haushaltsrede ganz bewusst für die Zusammenarbeit bedankt. Wir sind uns in der Sondierung durch inhaltliche Debatten nähergekommen. Dabei hat man schon gemerkt, dass es konstruktiv wird. Es kamen unterschiedliche Forderungen auf den Tisch, aber nicht nach dem Motto: Ich habe Recht. Sondern: Wie finden wir eine Lösung? So arbeiten wir weiter. Und auch die persönlichen Beziehungen sind über das Jahr gewachsen. Dadurch ist Vertrauen entstanden.

Welche Inhalte haben Sie angepackt?

Trotz Wahlkampf haben wir doch einiges hinbekommen. Die Expressbuslinie oder Sozialquoten von 20 Prozent in den Bebauungsplänen. In der Diskussion hat sich ergeben, dass wir ein Problem mit Schwellenhaushalten bekommen, wenn wir die Sozialquote erhöhen. Dann kamen wir auf die Idee, eine zweite Quote von zehn Prozent für diese Haushalte einzuführen.

In der letzten Stadtverordnetenversammlung hat Martina Lennartz von der DKP einige Male nicht mit der Koalition gestimmt. Ist das ein Problem?

Nein. Uns war von vornherein wichtig zu sagen: Wir zählen sie nicht mit. Letztlich müssten wir der »Gießener Linken« jetzt ja Koalitionsbruch vorwerfen. Denn sie haben nicht alle mitgestimmt. Durch unsere Art, damit umzugehen, haben wir diesen Druck herausgenommen. Das war eine bewusste Entscheidung. Martina Lennartz ist immer eingeladen, mitzumachen. So ist es jetzt klar, dass sie an einigen Stellen anderer Meinung ist.

Was kommt 2022 politisch auf uns zu?

Wir werden jetzt noch mehr ins Arbeiten kommen. Greensill wird uns die nächsten Jahre begleiten. Der Verkehrsversuch auf dem Anlagenring wird ein Schwerpunkt sein. Die Herausforderungen im Einzelhandel sind ein Punkt, ebenso wie die Frage, wie die Museumslandschaft Ende 2022 aussehen wird. Stadtplanerisch geht es weiterhin darum, die Sozialquote zu halten. Wie viele Sozialwohnungen schaffen wir und wie gehen wir energetische Sanierung an? Wir wollen aufzeigen, wie wir in der Sache bei der Wohnbau in den nächsten Jahren arbeiten. Bei den Stadtwerken wird ein Plan wichtig, wie wir bis 2035 klimaneutral arbeiten.

Der anstehende Verkehrsversuch hat beim einen oder anderen Sorgen ausgelöst. Was sagen Sie diesen Leuten?

Wie im letzten Jahr werden wir ihnen mit Sachargumenten begegnen. Ich finde wichtig, dass man ernst gemeinte Sorgen ernst nimmt. Wie der Fluss der Autos ist, sehen wir im Gutachten. Was ich aber jetzt schon weiß, ist, dass das Parkleitsystem in die Jahre gekommen ist. Wo sollen die Parkplätze »Gießen Süd« sein? Die Leute müssen wissen, wo sie hinfahren können.

Könnten der Verkehrsversuch und die Verbesserung des Parkleitsystems in einem Zusammenhang stehen?

Ob es zu einem kompletten Zusammenwirken kommt, kann ich jetzt nicht versprechen. Aber das wäre ein Punkt, den man auf jeden Fall angehen müsste. Und ich möchte das. Denn so, wie es jetzt ist, ist es nicht gut. Da könnte man dann auch in Richtung Digitalisierung denken und sagen: Wenn ich in die Stadt fahre, weiß ich schon, wo mein Parkplatz ist. Erreichbarkeit ist dann auf einmal nicht mehr das Thema, auch wenn wir den ÖPNV noch stärken.

Welche Bedeutung hat der Verkehrsversuch für Fahrradfahrer?

Auch für sie ist die Erreichbarkeit der Innenstadt ein Thema. Der Verkehrsentwicklungsplan zeigt auf, dass der Anlagenring eine Barrierewirkung hat. Ich wollte neulich von Karstadt mit dem Fahrrad in Richtung Bleichstraße fahren. Aber am Karstadt mit dem Fahrrad nach links abzubiegen, ist schon schwierig. Dann schiebt man es bis zur nächsten Ampel, um über den Anlagenring zu kommen.

Die Grünen hatten vor Kurzem Jahreshauptversammlung. Wie ist der aktuelle Vorstand besetzt?

Auch da haben wir jetzt eine Umstellung. Linda Bachmaier ist neue Vorsitzende. Sie war in Stuttgart schon aktiv und dort auch Sprecherin der grünen Jugend. Sie studiert hier Jura und ist studentische Hilfskraft. Ich bin neuer Vorsitzender. Klaus-Dieter Grothe hatte ja schon gesagt, dass er sich so langsam aus der Politik zurückzieht. Das darf man auch nach 20 Jahren erfolgreicher Politik. Gerda Weigel-Greilich ist Schatzmeisterin. Beisitzerinnen sind Alice Volpe und Jana Widdig. Bei den Herren sind es Felix Hempel, auch jemand Neues, und Fabian Mirold-Stroh. Das ist wieder eine gute Mischung aus etablierten und neuen Kräften.

Wie bewerten Sie das Jahr 2020 in der Stadt aus Sicht der Grünen?

Das Jahr war für uns Grüne erfolgreich. Ich glaube, das liegt daran, dass unser Stil, wie wir hier vor Ort Politik machen, ganz gut ankommt. Inhaltlich und personell stehen wir für einen Wandel zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden, klimaschonenden Moderne. Andererseits stehen wir für einen moderaten und unaufgeregten Politikstil, der Menschen einbezieht.

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