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Ideen sprudeln auf beiden Seiten

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Gießen und Swakopmund im afrikanischen Namibia wollen ihren Austausch auf Verwaltungsebene intensivieren. Man könne viel voneinander lernen.

Gießen. Rund 11 600 Kilometer Luftlinie trennen Gießen und Swakopmund in Namibia. Dennoch verbindet beide Städte eine ganze Menge, denn sie haben mit einem Austauschprogramm auf der Verwaltungsebene begonnen. In der vergangenen Woche besuchte eine sechsköpfige Delegation aus Swakopmund Gießen, um sich mit den jeweiligen Kollegen der Fachgebiete Marketing, Wirtschaftsförderung, Gartenamt, Stadtbibliothek und Stadtplanungsamt auszutauschen. Zudem wurden sie von Claus Goldbeck, Stadtrat von Swakopmund, dessen Aufgabenbereich mit dem der Stadträtin Astrid Eibelshäuser vergleichbar ist, begleitet.

Dem Besuch gingen etliche Videokonferenzen vorweg, in dem gemeinsame Themen und Arbeitsschwerpunkte erarbeitet wurden. So wurden Tandem-Teams aus jedem Arbeitsbereich gebildet, die sich untereinander in ihren jeweiligen Fachgebieten austauschten. »Es war ein Austausch auf Augenhöhe«, sagte Janina Brendel, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, auf deren Initiative hin dieser Austausch ins Rollen kam. »Als Stadt, die sich der ›Agenda 2030‹ verpflichtet hat, ist der gegenseitige Austausch ein wichtiger Baustein dazu.«. Mit der »Agenda 2030« hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele gesteckt, die sich für eine soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung einsetzen. »Dazu gehört auch das Prinzip der Nachhaltigkeit im Bereich der Politik«, erläuterte Stadträtin Astrid Eibelshäuser. Daher gelte es auch, die internationalen Herausforderungen auf die lokale Ebene herunterzubrechen. Das sei durch diese Begegnungen sehr gelungen und darauf könne man zukünftig aufbauen. So sei allen klar, dass dies keine Einbahnstraße sei, sondern der Austausch unbedingt noch vertieft werden müsse.

»Das ist ein ganz tolles Programm«, sagte auch Guido Leyener-Rupp, Leiter der Gießener Stadtbibliothek, der sich eine Woche lang mit seiner Kollegin über viele Dinge und Möglichkeiten ausgetauscht hat. »Gleich beim ersten Gespräch stellten wir fest, dass wir sogar mit dem gleichen Bibliotheksystem arbeiten. Und sofort sprudelten die Ideen auf beiden Seiten«. Eine Erkenntnis, die von den anderen Beteiligten geteilt wurde. »Wir können so viel voneinander lernen«, ergänzte Brendel. In einem Workshop wurde ein »cross-over« zwischen den verschiedenen Abteilungen erfolgreich absolviert. »Das war ein Experiment, das ebenfalls gelungen ist. Wir wollen weg von solitären Gedanken einzelner Behörden, hin zu einer breiten und abteilungsübergreifenden Gestaltung«.

Namibia und Deutschland sind bekannter Maßen durch die gemeinsame Geschichte in besonderer Weise miteinander verbunden. Auch zwischen Gießen und dem südafrikanischen Staat gibt es bereits verschiedene Projekte. Der Gießener Verein Pallium stellte die Kontakte nach Swakopmund her, der Stadt, die 1892 von deutschen Kolonisten gegründet wurde. Sie liegt an der Küste westlich von der Hauptstadt Windhoek und hat rund 70 000 Einwohner.

»Die beiden Städte passen ganz hervorragend zusammen«, schwärmte Goldbeck bei dem Abschlussgespräch. Er war sichtlich beeindruckt von den vielen Möglichkeiten, die sich in Hinblick auf mögliche Kooperationen zwischen beiden Städten ergeben könnten. So kann er sich eine Zusammenarbeit in den universitären Bereichen genauso vorstellen wie auch im Bereich der Universitäten. »Wir müssen in unserem Land die Qualität unserer Bildung und Ausbildung verbessern. Hier finden sich dazu sehr gute Anknüpfungspunkte.«

Die Idee eines Verwaltungsaustauschs wurde gemeinsam zwischen den beiden Stadtverwaltungen unter der Federführung von Janina Brendel ausgearbeitet. Im Frühjahr wird dann eine Gießener Delegation in die Küstenstadt zum Gegenbesuch reisen.

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