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Im Einsatz für die Kröten

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Auf den Spuren eines »Mörders«: die Aktiven der Nabu-Ortsgruppe im Bergwerkswald. © Eckes

Gießen (red). »So viele Naturschützer hatten wir lange nicht mehr«, freut sich Monika Schütz, die zweite Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Gießen-Stadt. Dem ungemütlichen Wetter zum Trotz trafen sich vor wenigen Tagen 14 große und kleine Nabu-Aktive unter der Leitung des ehrenamtlichen NSG-Beauftragten Oliver Tschirschnitz zum ersten Naturschutzarbeitseinsatz des Jahres.

Dabei konnte zugleich die Vogelzählung für die Stunde der Wintervögel durchgeführt werden. Zusammen mit der vogelkundigen NSG-Beauftragten Schütz entdeckten die Beteiligten als erste Art die Kohlmeise in den Bäumen, die bereits ihren Gesang hören ließ. Auch der Kleiber ließ sich vernehmen. Ein paar Schritte weiter gab es ein kriminalistisches Rätsel zu lösen: Federn einer Ringeltaubenrupfung fanden sich auf dem Weg. Welcher »Mörder« kam wohl in Frage? Ein genauer Blick auf die Federkiele ergab, dass sie nicht abgebissen wurden, sondern intakt waren. Dieses Indiz bewies: nicht der Fuchs, sondern der schnelle Sperber hatte die Taube erbeutet. In den Kiefern vernahmen die Nabu-Mitglieder die leisen, hohen Rufe der kleinen Tannenmeisen. Ein kleiner Teil der Gruppe entdeckte zusätzlich Buntspecht, Gartenbaumläufer und Rotkehlchen.

Im Fokus des Arbeitseinsatzes stand der Lebensraum für die stark gefährdete Geburtshelferkröte. An den beiden Einsatzorten an Felsformationen angekommen, dem Lebensraum der Kröte, wurden die Naturschützer kurz eingewiesen. Seit über 20 Jahren erfolgt alle zwei bis drei Jahre ein Rückschnitt der Gehölzausschläge, um die Felsen dauerhaft freizuhalten. Denn die seltene Amphibienart stellt bestimmte Ansprüche an ihr Gelände, in dem sie lebt und für Nachwuchs sorgt: Sie braucht zum einen Ort, der offen, besonnt und vegetationsarm ist. Einen idealen Lebensraum bieten die Felsen, wie sie im Bergwerkswald vorkommen. Sie erwärmen sich schnell in der Sonne und speichern die Wärme. Zum anderen haben fischfreie Gewässer mit flachen Ufern in der Nähe eine zentrale Bedeutung als Laichgewässer für die kleine Kröte.

Also griffen die Nabu-Aktiven zu Astscheren und Sägen, um den Aufwuchs auf den Felsen zu kürzen. In zweistündigem Einsatz konnte sich das Ergebnis sehen lassen. Bei einem weiteren Arbeitseinsatz im Februar sollen die Pflegemaßnahmen abgeschlossen werden.

Die Felsen-Standorte werden häufig von Besuchern erklettert, obwohl sie abseits der offiziellen Wege liegen, beklagen die Nabu-Aktiven. Dies zeigten ausgetretene Pfade, die das Biotop bereits stark beschädigt haben. Die Nabu-Gruppe bittet daher darum, diese Lebensräume nicht als Kletterfelsen zu benützen.

Wer an einem der nächsten Arbeitseinsätze teilnehmen will, kann sich bei Oliver Tschirschnitz (E-Mail: TschirschnitzO@aol.com) anmelden.

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