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Im internationalen Vergleich weit zurück

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Übergabe des EFI-Gutachtens (v. l.): Prof. Till Requate, Prof. Irene Bertschek (per Bildschirm live zugeschaltet), Prof. Katharina Hölzle (stellvertretende Vorsitzende), Prof. Uwe Cantner (Vorsitzender), Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger, Prof. Holger Bonin, Prof. Carolin Häussler. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Eine Expertenkommission mit Beteiligung der Gießener Professorin Irene Bertschek (JLU) sieht enorme Defizite bei der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens.

Gießen/Berlin (red). Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat jetzt ihr jährliches Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, vorgelegt. Mitglied dieser Kommission ist auch Prof. Irene Bertschek, Inhaberin der Professur für Ökonomie der Digitalisierung an der Justus-Liebig-Universität (JLU) und Leiterin des Forschungsbereichs »Digitale Ökonomie« am ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Die Experten heben im Gutachten neben weiteren Themen den erheblichen Rückstand Deutschlands bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens hervor und betonen, dass die Nutzung von Gesundheitsdaten neue Möglichkeiten für eine personalisierte Medizin eröffnet, heißt es in einer Pressemitteilung der JLU.

Große Potenziale

»Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Digitalisierung weit hinter anderen europäischen Ländern zurück. Gerade die aktuelle Coronakrise hat schonungslos aufgezeigt, dass das deutsche Gesundheitssystem massive Defizite bei der Digitalisierung aufweist«, beklagt Bertschek. Sie verweist auf die großen Innovations- und Wertschöpfungspotenziale, die mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens verbunden sind: »Unsere Analyse zeigt, dass digitale Technologien die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern können. Zudem eröffnet die zunehmende Verfügbarkeit von Gesundheitsdaten in Verbindung mit modernen digitalen Analyseverfahren neue und weitreichende Möglichkeiten für eine stärker personalisierte Diagnostik und Therapie.«

Diese hohen Potenziale werden in Deutschland bisher allerdings verschenkt. Deshalb empfiehlt die Expertenkommission der Bundesregierung, eine »Digitalisierungsstrategie rasch zu entwickeln und umzusetzen und dabei alle relevanten Akteursgruppen des Gesundheitswesens einzubeziehen«, wie Bertschek betont.

Vor dem Hintergrund der bestehenden Hemmnisse bei der Weitergabe und Nutzung von Gesundheitsdaten befürwortet die Kommission ausdrücklich das im Koalitionsvertrag angekündigte Gesundheitsdatennutzungsgesetz zur besseren wissenschaftlichen Nutzung solcher Daten. Dabei sei die der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) konforme Nutzung von Gesundheitsdaten für Wissenschaftler so zu gestalten, dass der administrative Aufwand für diese möglichst gering ist.

Weitere Themen des aktuellen EFI-Gutachtens sind die Potenziale digitaler Plattformen - ebenfalls ein Expertengebiet von Irene Bertschek -, die Forschungs- und Innovationspolitik in der neuen Legislaturperiode, Schlüsseltechnologien und technologische Souveränität und der motorisierte Individualverkehr auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.

Politikberatung

Die EFI leistet wissenschaftliche Politikberatung im Auftrag der Bundesregierung. Sie legt jährlich ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Im Zusammenhang mit den Gutachten finden Analysen der Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich statt. Auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen werden zudem die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandortes bewertet und Vorschläge für die Politik erarbeitet.

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