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Im Kongo »mit gutem Beispiel vorangehen«

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Gießen (red). »Mindestarbeitsbedingungen in den globalen Lieferketten - menschenwürdige Arbeit aus deutscher und kongolesischer Sicht« lautete der Titel eines Symposiums an der JLU. Am Fachbereich Rechtswissenschaft diskutierten Mitglieder der JLU mit Forschenden von den Universitäten Kikwit und Nouveaux Horizons/Lubumbashi (Demokratische Republik Kongo) im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts, wie die Situation von Arbeitnehmern in den globalen Lieferketten deutscher Unternehmen verbessert werden könnte.

Yves Manzanza, Dekan der Juristischen Fakultät und Projektverantwortlicher der Universität Kikwit, betonte, dass prekäre Arbeitsbedingungen in der DR Kongo nicht auf Mängel in der Rechtsetzung, sondern auf mangelnde Rechtsdurchsetzung zurückzuführen sind. Er zeigte die Dominanz chinesischer Unternehmen im kongolesischen Rohstoffabbau auf und skizzierte gängige Praktiken, wie durch Unternehmen aus Drittstaaten Vorschriften zum Schutz der örtlichen Bevölkerung und Arbeitnehmer umgangen werden.

Daran anknüpfend dämpfte Lena Rudkowski, Dekanin des Fachbereichs Rechtswissenschaft und Projektverantwortliche an der JLU, die Erwartungen an die deutsche und europäische Lieferkettengesetzgebung: Die Gesetze regelten vor allem formale Fragen des Unternehmensrechts, verpflichteten die Unternehmen aber nicht auf Herbeiführung bestimmter materieller Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in den Lieferketten.

Chryso Awila, Projektverantwortlicher aus Lubumbashi, wünschte sich stärkeres Engagement europäischer Unternehmen in der Demokratischen Republik Kongo; Europa dürfe das Feld nicht China überlassen. Auch könnten europäische Unternehmen bei der Achtung von Arbeitnehmer- und Menschenrechten mit gutem Beispiel vorangehen.

Die Demokratische Republik Kongo ist einer der weltweit führenden Rohstoffproduzenten und steht damit am Anfang vieler globaler Lieferketten. Sie exportiert Kobalt, Tantal und viele weitere Rohstoffe, die für die digitale Welt unerlässlich sind und die etwa in Smartphones oder der E-Mobilität zum Einsatz kommen.

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