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»Im Kopf funktioniert noch alles«

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Konnte fröhlich auf den 100. Geburtstag anstoßen: Jubilarin Erna Kelp. © Jung

Gießen (kg). Mit ihren 100 Jahren ist Erna Kelp mit Abstand die älteste Bewohnerin des Alloheims Senioren-Residenz Gießen in der Grünberger Straße. Dort wohnt die alte Dame seit nunmehr zehn Jahren und ist sehr zufrieden.

An ihrem runden Geburtstag stand sie natürlich im Mittelpunkt, wurde mit einer Krone und einer Schärpe mit den besten Geburtstagswünschen besonders gewürdigt und freute sich über die zahlreichen Glückwünsche und Präsente. Mit Mädchennamen Braun kam sie in Nieder-Bessingen, heutiger Stadtteil von Lich, zur Welt. Ihr Pflichtjahr verbrachte sie in Kamen in Westfalen, wo sie im Haushalt eines Molkereidirektors arbeitete. Dorthin bestehen heute noch Kontakte und einige Geburtstagsgäste reisten zum Ehrentag an.

Erlernt hat sie den Beruf der Bürogehilfin, spezialisierte sich später auf die Buchhaltung. »Der Traum vom Studium war ausgeträumt«, erzählt die rüstige Seniorin, die unter einer starken Sehbehinderung leidet, rückblickend.

Ihr Bruder fiel im Krieg und so musste sie aus Westfalen zurückkehren und ihrer Mutter in der kleinen Landwirtschaft in Nieder-Bessingen zur Hand gehen. Später arbeitete sie im Klinikum in der Buchhaltung, war zeichnungsbefugt. Diese Position musste sie aber später verlassen, weil ihr Mann Wilhelm Kelp, den sie 1946 heiratete, beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt war. Die Beschäftigung von Ehepaaren war damals nicht gestattet. Die Altersjubilarin führte in der Folge die Bücher bei einem Obst- und Gemüsehandel im Nachbarort.

1951 wurde der einzige Sohn geboren und die Familie zog 1958 nach Gießen in die Straße Hinter der Ostanlage um. Freiberuflich arbeitete Erna Kelp bis zur Rente als Buchhalterin. Der Ehemann verstarb im Alter von 63 Jahren.

An den Veranstaltungen im Seniorenzentrum nimmt sie regelmäßig teil und vertrat die Belange der Heimbewohner einige Zeit im Heimbeirat.

Früher bereiste Erna Kelp »die halbe Welt« und schrieb über die Erlebnisse Reiseberichte. Mit einem Vergrößerungsgerät ist es ihr noch möglich, Kreuzworträtsel zu lösen und Zeitung sowie Bücher zu lesen. Das Radio ist von morgens bis abends eingeschaltet, hr 4 ist ihr Lieblingssender. »Ich bin immer wieder neugierig, was morgen passiert«, schildert sie ihr Interesse an allem, was um sie herum geschieht.

Als gläubige Christin meint die Jubilarin, sie habe es verdient, dass der liebe Gott ihr ein so langes Leben geschenkt hat. So hat sie sich ihre positive Lebenseinstellung bewahrt - trotz der Einschränkung der Sehkraft - und nimmt noch freudig am Leben teil. »Im Kopf funktioniert noch alles«, stellt die 100-Jährige zufrieden fest, die sich gut versorgt fühlt.

Viel sei sie im Haus unterwegs, erzählt sie, singt in der Gruppe und ist auch bei der Gymnastik und dem Gedächtnistraining mit dabei. Ein wenig Eitelkeit im hohen Alter kommt auf, wenn sie ihre grauen Haare anspricht. Doch auch das nimmt sie gelassen hin.

Die Glückwünsche der Stadt Gießen überbrachte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich.

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