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Im märchenhaften Schwarzwald

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Von: Ursula Hahn-Grimm

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Stephan Hirschpointner und Izabella Radic in dem neuen Kinderstück »Das kalte Herz«. Foto: Jan Bosch © Jan Bosch

Gießen (uhg). Das neue Familienstück des Stadttheaters, »Das kalte Herz«, entführt Besucher ab sechs Jahre in einen »märchenhaft-verschrobenen Schwarzwald, durch den die Geister vom Tannenbühl toben«, kündigte Dramaturgin Lena Meyerhoff in einer Pressekonferenz an. »Es gibt jede Menge Livemusik und die komplette Bühnenmaschinerie kommt zum Einsatz«, versprach die Künstlerische Leiterin des Jungen Theaters, Mathilde Lehmann, die auch Regie führt.

Premiere ist am morgigen Samstag um 15 Uhr, die Dauer der Vorstellung etwa 70 Minuten.

Das Stück geht auf ein Märchen des Romantikers Wilhelm Hauff (1802-1827) zurück, in einer Neubearbeitung von Hansjörg Schneider. Die Handlung ist gar nicht so einfach zu erzählen, weil es sich nicht um einen realistischen Stoff handelt. Vielmehr spielt sich die Geschichte großenteils im Land der Geister und des Phantastischen ab. Es geht um den armen Kohlenbrenner Peter Munk, der nicht mehr nur in einem dunklen Tal bei eintöniger Arbeit sitzen will. Er sehnt sich nach Reichtum und Ansehen, zumal er als Köhler im Dorf kaum beachtet wird.

In seiner Not bittet Peter einen guten Waldgeist, das Glasmenschlein, um Hilfe, doch er hört nicht auf dessen gute Ratschläge. Im Tannenwald trifft er schließlich auf den bösen Holländermichel, der ihm sein pochendes Herz gegen ein steinernes austauscht. Mit dem Herz aus Stein wird Peter zwar ein profitabler Geschäftsmann, aber auch ein selbstsüchtiger Mensch, der böse zu seinen Mitmenschen ist. Doch eines Tages kommt er ins Zweifeln...

Der Schwabe Wilhelm Hauff schrieb das Märchen 1827 vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Wandels und der industriellen Revolution für seine bis heute beliebten Märchenalmanache. Bekannt sind auch seine Erzählungen »Der kleine Muck« oder »Kalif Storch«.

Mathilde Lehmann inszeniert die Erzählung über Gier, Habsucht und die Frage, was wichtiger ist: Wohlstand und ein Herz aus Stein oder Armut, dafür aber ein warmes Herz. Ausstatterin Nanako Oizumi zaubert den magischen Wald und die Herzkammer des Holländermichel weitgehend ohne Neuanschaffungen auf die Bühne. So sind viele Gegenstände im Bühnenbild und den Kostümen wiederzuerkennen, die aus dem Theaterfundus ergänzt wurden. Auf einen lieblichen Märchenwald wartet das Publikum vergebens, zu sehen sind abgestorbene Bäume und alte Autoreifen. Mathilde Lehmann betont, dass den Beteiligten das nachhaltige Arbeiten wichtig sei. »Wir haben es nicht nur angekündigt, sondern setzen es auch auf der Bühne um«, sagt die 31-Jährige.

Für reichlich Ohrwürmer sorgt die Musik von Elija Kaufmann, die er und das Ensemble gemeinsam mit Schlagwerk und Gitarre musizieren. Mit viel Fantasie bringt das spielende und singende Ensemble dieses Stück auf die große Bühne. Das Publikum kann sich auf bekannte Ensemblemitglieder ebenso wie auf neue Schauspielerinnen und Schauspieler freuen.

Weitere Familienvorstellungen nach der Premiere am Samstag um 15 Uhr gibt es am 13., 20. und 27. November (16 Uhr), am 16. Dezember (18 Uhr) und am 18. Dezember (16 Uhr) sowie im Januar und März. Hinzu kommt eine ganze Reihe von Schulvorstellungen.

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