Im Stadttheater regnet es Gold

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GIESSEN - (bj). Lang hat es gedauert, eine coronabedingte Verschiebung folgte notgedrungen der nächsten - doch nun lässt das Gießener Stadttheater endlich Gold vom Himmel regnen - mit allerdings dramatischen Folgen. Zum Saisonauftakt zeigt das Schauspiel am Samstagabend (19.30 Uhr) ein Stück des Berliners Philipp Gärtner. Diese in zwei Teilen angelegte Uraufführung bietet zugleich eine Groteske wie auch eine Dystopie.

Darin treibt das titelgebende "Gold" die Handlung voran, ebenso wie viele lose Erzählfäden, die ein bitterböses Gesellschaftspanorama enstehen lassen, wie Regisseur Titus Georgi im Pressegespräch erläutert.

Bei einer Uraufführung achte man üblicherweise immer ein wenig genauer darauf, die Textvorlage nicht allzu sehr zu verändern, erzählt der bereits mehrfach in Gießen engagierte Gastregisseur (zuletzt Peter Handkes "Immer noch Sturm"). Doch das sei in diesem Fall nicht möglich gewesen. Die Vorlage bestand aus einem dicken Textbrocken, der ein übergroßes Figurenensemble versammele. Durch dieses erzählerische Dickicht hätte sich das Regieteam eine eigene Schneise schlagen dürfen, berichtet der Berliner Georgi nach einem Treffen mit dem Autor. Denn der inszeniere selbst und habe seine Vorlage bewusst als Angebot an das Theater angelegt - das in Gießen nun aufgegriffen wurde.

Erzählt wird von der jungen Tilda, die zu Beginn von einem gestressten Pizzalieferanten vom Fahrrad geholt wird. So beginnt eine Abwärtsspirale, die durchaus Humor biete und als Groteske verstanden werden könne, aber auch nie sehr weit von einer möglichen Realität entfernt sei, erklärt Georgi. Irgendwann findet sich die mittellose, von Krankheit und Verlust gezeichnete junge Frau in einem Wald wieder, in dem sie sich vor Nachstellungen in Sicherheit zu bringen versucht. Da fällt urplötzlich Gold vom Himmel, das nicht nur Tildas Gegner beseitigt - sondern auch gleich die Welt, wie wir sie kennen.

Nun beginnt der zweite Teil der Geschichte, der von Tilda weg und hin zu einem Figurenensemble führt, in dem sich verschiedene Lebenswege und Schicksale kreuzen. So erweitere Autor Philipp Gärtner das Sterntalermotiv und erzähle ein Märchen vom Niedergang des Spätkapitalismus, wie es in der Ankündigung heißt. Für Regisseur Georgi entsteht damit ein dunkles Gesellschaftspanoptikum, das bewusst weg von der Titelheldin führe. Stilistisch ergäben sich dabei "zwei komplett unterschiedliche Systeme". Die in der richtigen Balance zu halten, dürfte wohl eine große Herausforderung an das Regieteam sein. Zur Verfügung stehen Georgi und seinem Bühnenbildner Jochen G. Hochfeld dafür gleich neun Schauspieler des Gießener Ensembles. "Gold" verspricht damit also auf jeden Fall ein richtig großes, lange vermisstes Theatergefühl auf die Bühne des altehrwürdigen Hauses zurückzubringen.

Uraufführung am Samstag, 11. September. Die nächsten Termine: 24. September, 3. Oktober, 22. Oktober.

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