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Immer mehr Deutsche in Gießen

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Immer mehr Flüchtlinge in Gießen wollen deutsche Staatsbürger werden. © Julian Stratenschulte/dpa

Die Zahl der Einbürgerungen in der Stadt Gießen ist um 150 Prozent gestiegen. Darunter befinden sich vor allem Syrer, Afghanen und Türken.

Gießen . Seit 2016 hat sich die Zahl der Einbürgerungen in Gießen nahezu vervierfacht. Diese deutliche Steigerung ist vor allem auf das Streben anerkannter syrischer Flüchtlinge nach dem deutschen Pass zurückzuführen. Angesichts der nach wie vor prekären politischen Lage in der alten Heimat nahmen allein im vergangenen Jahr 170 in Syrien geborene Gießener die deutsche Staatsbürgerschaft an. Das teilten Stadträtin Astrid Eibelshäuser, der Leiter der Ausländerbehörde Gerald Heinrich Menche und dessen Mitarbeiterin Ute Friedrich am Montag auf einer Pressekonferenz mit.

Bis zu 60 Menschen erhalten derzeit jeden Monat in einer coronabedingt eher kleinen Zeremonie ihre Staatsbürgerurkunde. Wurden 2016 noch 126 Ausländer in Gießen eingebürgert, stieg diese Zahl im vergangenen Jahr auf 465. Das Gros der Neubürger stammt dabei mit 170 aus Syrien, gefolgt von Afghanen (53), Türken (32), Iranern (17) und Staatenlosen (15).

Bemerkenswert sei, dass dieser Anstieg bei unveränderter Gesetzeslage, erfolgt sei, betonte Menche. Die von der Ampel geplanten Maßnahmen, die zu einer generellen Erhöhung der Einbürgerungszahlen führen sollen, seien ja noch nicht umgesetzt.

»Gelungene Integration«

Menche rechnet mit einem weiteren Anstieg an Einbürgerungen in den kommenden Jahren. Nach acht Jahren Aufenthalt haben Ausländer nach geltenden Recht generell die Möglichkeit, deutsche Staatsbürger zu werden und das Gros der Bürgerkriegsflüchtlinge ist zwischen 2014 und 2016 nach Deutschland gekommen. Bereist nach sechs Jahren kann derzeit eingebürgert werden, wer sich selbst finanzieren kann, also keine Sozialleistungen nach SGB II (Hartz IV)) bezieht und Sprachkenntnisse auf Niveau des Zertifikats B2 nachweisen kann. Das entspricht der Schulnote »Befriedigend« im Fach Deutsch. Wenn er dann noch 17 der 33 Fragen des Einbürgerungstests richtig beantwortet hat und 255 Euro bezahlen kann, hat dieses Land einen Staatsbürger mehr

»Das zeigt, dass wir viele Menschen haben, die hier angekommen sind und sich integriert haben«, lobte Stadträtin Eibelshäuser, »Wir können hier von einer gelungenen Integration sprechen.« Die Menschen, die aus Kriegsgebieten geflohen seien, hätten sich entschieden, auf Dauer in Deutschland zu leben und damit ein positives Votum für dieses Land abgegeben.

Nach Einschätzung des Leiters der Ausländerbehörde hat auch die anhaltende »unleidliche« Diskussion um den Aufenthaltsstatus der Syrienflüchtlinge dazu beigetragen, dass viele von ihnen nach der deutschen Staatsbürgerschaft strebten, um sich so gegen eine mögliche Rückführung in ihr sich nach wie vor im Bürgerkrieg befindendes Heimatland zu verhindern,

Spiegel der Weltpolitik

Generell, so Menche, spiegele die Statistik der Einwanderungsanträge das politische Weltgeschehen wieder, mal im kleineren Rahmen, wenn Briten nach dem Brexit Deutsche werden wollen, mal in größerer Zahl, als sich viele - teilweise schon viele Jahre in Deutschland lebende - Türken nach dem gescheiterten Militärputsch gegen Erdogan und anschließenden Säuberungswellen, mit einem deutschen Pass absichern wollten.

Während ein EU-Bürger schon nach drei Monaten Deutscher werden kann, dauert die Einbürgerung von Menschen aus Nicht-EU-Ländern in der Regel rund ein Jahr, sagt Ute Friedrich. Dass läge aber weniger an der Gießener Behörde, sondern an den Herkunftsländern, in denen die Mühlen der Bürokratie oft langsamer mahlen würden.

Manche Länder wie etwa Syrien würden mit ihren künftigen ehemaligen Landsleuten zu dem noch richtig Geld verdienen, ergänzt Menche. So verlange beispielsweise die syrische Botschaft für einen Pass, um die iegene Identität nachweisen zu können, 500 Euro.

Generell müssen künftige Deutsche vor der Einbürgerung mit Originaldokumenten ihre Identität nachweisen, was gerade bei Flüchtlingen aus Kriegsgebieten nicht immer einfach ist. In bestimmten Fällen reicht aber auch die »Glaubhaftmachung über bestimmte Zusammenhänge«. Ebenfalls erleichtert und beschleunigt werden kann die Einbürgerung beim Familiennachzug.

Noch schneller deutsch werden sollen Ausländer nach dem Willen der Ampelkoalition. Angesichts von jährlich nur 125 000 Einbürgerungen bei 124 Millionen Ausländern im Land, wolle man die Voraussetzungen reduzieren. Es gebe auf allen Ebenen ein großes Interesse daran, die Menschen, die sich f´ür eine Einbürgerung interessieren zu unterstützen, sagte Menche und Eibelshäuser ergänzte: »Ich habe einen hohen Respekt vor Menschen, die diese Entscheidung treffen.«

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