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In 48 Stunden Suppenküche etabliert

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Gerd Zörb (r.) und Winfried Wagenbach (l.) überreichen den symbolischen Scheck am Fahrzeug der mobilen Suppenküche an Gitte Daube (2.v.r.). Sybille Otto hatte den Kontakt zur Suppenküche hergestellt. © Jung

Gitte Daube aus Rodder bei Narzissen im Landkreis Ahrweiler, das 17 Kilometer vom Ahrtal entfernt liegt,.legte 162 Kilometer von ihrem Wohnort zurück, um eine Spende entgegen zu nehmen.

Gießen . »Suppe ist für die Seele gut«, weiß Gitte Daube aus Rodder bei Narzissen im Landkreis Ahrweiler, das 17 Kilometer vom Ahrtal entfernt liegt. Sie legte 162 Kilometer von ihrem Wohnort zurück, um über ihr ehrenamtliches Wirken im Hochwassergebiet zu berichten und eine Spende entgegen zu nehmen.

Neben Gerd Zörb, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Gießen-Kleinlinden, sitzen im Zimmer Winfried Wagenbach und Sybille Otto. Daube erzählt von der furchtbaren Nacht, als das Hochwasser durch das Ahrtal schoss, Menschen zu Tode kamen und Häuser und Existenzen vernichtet wurden. »Ich bin demütig«, gesteht sie am Kaffeetisch mit frischen Kräppeln und Winfried Wagenbach, Gerd Zörb und Sybille Otto hören ihr gespannt zu.

Der Strom fiel in der Katastrophennacht im Juli vergangenen Jahres aus, mehr merkte sie nicht von dem, was sich im Ahrtal abspielte. Das Drama erfuhr sie von einer Freundin in Bad Neuenahr, der sie umgehend zur Hilfe eilte.

Gut für die Seele

Schnell funktionierte die Stromversorgung bei Gitte wieder und in ihr reifte die Erkenntnis: »Ich kann mehr tun!« Die Gesundheitsberaterin erinnerte sich an ihre eigenen Talente und den Vorrat an Gemüse in der Küche. Schon immer sei sie überzeugt gewesen, dass Suppen für die Seele sind, erzählt sie den Anwesenden.

Suppe soll auch die Seelen der Flutbetroffenen wärmen, nahm sich Gitte Daube vor. Und so begann sie zu kochen und Brot zu backen. Die engagierte Frau fuhr in die Straßen, wo sie sich tags zuvor die schlimme Situation angeschaut hatte. »Die Menschen hatten zwei Tage davor die letzte warme Mahlzeit gegessen und waren sehr gerührt und dankbar«, erfahren die Kleinlindener von Gitte.

Groß ist der Bedarf, mehr Hände zum Gemüse putzen und schnippeln sind nötig, und sie bleiben nicht aus. Nachbarinnen schließen sich am zweiten Tag an und so ist »Gittes mobile Suppenküche« entstanden. Die Brohltalerin hat täglich Frauen um sich herum, ab 18 Uhr geht es los mit dem Vorbereiten der Suppen. Morgens wird frisch gekocht, mittags belädt die Gesundheitsberaterin ihren roten Kombi. Laut hupend fährt sie durch die Straßen und lädt die Flutopfer zum Essen ein.

120 Portionen heißer Suppe erfreuen die Helferinnen und Helfer, sie sieht in dankbare Augen, entdeckt auch Tränen der Verzweiflung auch des Dankes, weint mit und ist sehr bereichert über die Erlebnisse und Begegnungen. Liebe Rückmeldungen erreichen die Suppenköchinnen und machen Mut, das fortzusetzen. »Eure Suppenküche gibt uns Zuversicht und Halt«, »Ihr seid das Highlight des Tages«, aber auch als »Engel auf Rädern«, hat sich Gitte Daube von den vielen schönen Bekundungen gemerkt.

Eine Tonne Gemüse und Kartoffeln

1800 Liter Suppe und Eintopf kochten im vergangenen Halbjahr die engagierten Frauen aus rund einer Tonne Gemüse und Kartoffeln. Freunde und Nachbarn, ein Bio-Service, Landwirte und eine Metzgerei spendeten Zutaten. Es geht weiter mit der Suppenküche und so freute sich die Frau aus dem Brohltal jetzt über die finanzielle Gießener Unterstützung. Sie war eigens angereist, um die Menschen kennen zu lernen, die das ermöglichten. Zustande kam der Kontakt über eine Entfernung von etwas über gut zwei Autostunden durch einen Zufall: Sybille Otto, die vor vier Jahren bei einer Fortbildung mit Gitte Daube zusammentraf, las in einem sozialen Netzwerk von einer Weihnachtsbaumaktion im Ahrtal und kam auf diese Weise wieder in Kontakt mit Gitte Daube.

Die Kleinlindenerin erzählte Gerd Zörb von der Suppenküche, weil die Vereinsgemeinschaft eine Spende für das Ahrtal machen wollte. Schnell waren sich die Verantwortlichen einig, dass vom Erlös der 750-Jahr-Feier, die 2019 stattfand, ein Teil der Suppenküche zufließen sollte.

Mit ihrem roten Kombi, der als »Mobile Suppenküche« durch gelbe Hinweise an den hinteren Scheiben gekennzeichnet ist, kam die Gesundheitsberaterin jetzt nach Kleinlinden. Sehr dankbar ist sie über die Unterstützung aus »Linnes«, wo sie nachdenkliche, aber auch dankbare Mienen hinterließ. Das Geld wird direkt für die Suppenküche, die einmal die Woche zwei frisch gekochte Suppen zubereitet - eine mit Fleisch und eine komplett pflanzliche - verwendet. Die Not im Hochwassergebiet ist nach wie vor groß: Helfende Hände und finanzielle Zuwendungen sind notwendig. Die Ehrenamtliche berichtete, dass Gelder, die an die Fluthilfe Ahr gehen, zu 100 Prozent dem Spendenzweck zugeführt werden.

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