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In der Sprache der Hessen

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Von: Felix Müller

Gießen. »Wer Gießen erobert, hat die Welt erobert. Jetzt bin ich für alles gewappnet«, resümierte Komiker Bülent Ceylan nach seiner knapp dreistündigen Show »Luschtobjekt«, bei der nicht nur das Publikum voll auf seine Kosten kam - auch die »Mannheimer Schnauze« zeigte sich äußerst spielfreudig. So demonstrierte der 46-Jährige vor ausverkauftem Haus etwa als Testosteron-Bolzen Hassan oder Thor und beschenkte die Zuschauer nicht nur mit seinem Humor.

Denn der Comedian, der seit fast 25 Jahren auf den Bühnen Deutschlands unterwegs ist, brachte seine Mitarbeiterin vom Merchandise-Stand in höchste Not. Mehreren Kindern sowie zwei erwachsenen Geburtstagskindern aus dem Publikum versprach er, dass sie sich in der Pause am Verkaufsstand etwas umsonst aussuchen dürften. »Später heißt es dann: In Gießen lief der Merchandise richtig gut. Wir haben hier die meisten Produkte verkauft, fahren aber ohne Geld nach Hause.« Für Uwe aus der ersten Reihe kam es sogar noch besser. Ihm wurde vom Komiker persönlich eine Präsent-Tasche überreicht, auch wenn er sich dafür den ein oder anderen Spruch anhören musste - geschenkt.

Generell zeigte sich der Unterhaltungskünstler angetan von der Lahnstadt und ihren Bewohnern. Etwa wegen der betonten Lässigkeit einiger Zuschauer, die mit ein paar Minuten Verspätung ankamen. »Der Türke war pünktlich, nur fürs Protokoll«, kommentierte Ceylan die Situation, um anschließend laut über die Gründe für die Verspätung nachzudenken. Vermutet wurde ein Toilettenbesuch. »Das ist das Geile an Hessen: Wir verstehen uns einfach. Wir sprechen zwar nicht den gleichen Dialekt, aber wenn ich »brunzen gehen« sage, versteht ihr, was ich meine.

An diesem Abend war keiner wirklich sicher vor den Humor-Spitzen und spontanen Einfällen des Komikers - selbst auf besagter Toilette nicht. Denn nachdem Ceylan aufgefallen war, dass ein Gast mal »für kleine Jungs« gehen musste, beauftragte er kurzerhand seine rechte Hand »Ali«, den Zuschauer am WC abzufangen und in den Saal zu begleiten. Während beider Abwesenheit instruierte der Mannheimer den Saal »völlig auszurasten«, wenn der Klo-Gänger zurückkehrt. »Wer bekommt schon nach einem Toilettengang Applaus. Er wird nie wieder bei einer Comedy-Veranstaltung aufs Klo gehen«, witzelte Ceylan.

Im Verlauf des äußerst unterhaltsamen Abends präsentierte der 46-Jährige auch einige seiner Kunstfiguren wie »Hassan den Testosteron-Bolzen«. »Wenn ihr mich heute riecht, seid ihr schwanger.« Mit »getürkter« Gucci-Tasche und Goldkette ausgestattet erinnerte sich der »Proll« an den wahrscheinlichen Zeugungsort seiner neugeborenen Zwillinge. »Das muss auf der Flugzeugtoilette passiert sein. Der Pilot wollte notlanden wegen Wetterturbulenzen. Die Turbulenzen gab es bestimmt nicht wegen dem Wetter«, erklärte »Hassan« stolz. Als »Thor der Döner-Gott« zeigte er sich von der »Hammer-Stimmung« begeistert. »Hier vorne verrecken sie schon teilweise. Wenn es so weiter geht könnt ihr von hinten nachrücken.« Der hammerschwingende »Supertürke« wurde übrigens von seiner Babysitterin, einer »Thorhüterin« großgezogen.

Für seinen eigenen Nachwuchs ließ sich der Familienvater Ceylan zu einer Tat hinreißen, bei der er sich »äußerst kriminell« fühlte. »Während Corona waren ja selbst die Spielplätze abgesperrt. Und da bin ich auch typisch deutsch. Baustelle heißt Baustelle - Betreten verboten. Aber nachdem mich mein Sohn mit Kulleraugen angeschaut hat, habe ich gesagt: »Pass auf Bub, wir gehen nachts auf den Spielplatz.«

Den »wahnsinnigen Schönheitsidealen« der heutigen Influencer sagte der Mannheimer hingegen den Kampf an. »Seid so wie ihr seid. Wir alle sind eine Zehn von Zehn. Und esst vor allem, was ihr wollt. Und nächstes Jahr, wenn ich wieder in Gießen bin, heißt es wieder: ausverkauft. Aber nur die Hälfte drin.«

Und wie es sich für ein Programm mit dem Namen »Luschtobjekt« gehört, kam auch die Erotik an diesem Abend nicht zu kurz. »Wenn ich euch frage: Habt ihr Luscht? Dann will ich euch alle stöhnen hören«, forderte Ceylan - und das Publikum gehorchte. »Schön, dass ihr gekommen seid.«

Zum Abschluss überraschte der Mannheimer ein letztes Mal mit einigen gekonnten Musikeinlagen. So sang der Hardrock-Fan den Pophit »Sweet Dreams« von Eurythmics oder die Metal-Hymne »Nothing Else Matters« von Metallica. Beendet wurde der Abend mit einer musikalisch-politischen Botschaft: »Freiheit« von Marius Müller-Westernhagen.

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