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In Gießen kein Corona-Testkonzept für alle

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Nach einem heftigen Schlagabtausch im Gießener Sozialausschuss bleibt in Sachen Finanzierung von Coronatests in Kinderbetreuungseinrichtungen wohl doch alles beim Alten.

Gießen . Nach einem heftigen Schlagabtausch im Gießener Sozialausschuss bleibt in Sachen Finanzierung von Coronatests in Kinderbetreuungseinrichtungen wohl doch alles beim Alten. Einen gemeinsamen Antrag der Oppositionsfraktionen CDU, FDP, Freie Wähler sowie Gigg+Volt, in dem unter anderem ein einheitliches Corona-Testkonzept für alle Kitas und Kindergärten in der Stadt Gießen gefordert wird, hat die Koalition - namentlich Gerhard Merz (SPD) und Klaus-Dieter Grothe (Grüne) - im Plenum derart auseinandergenommen, das am Ende der ganze Ausschuss (bei Enthaltung der FDP) einem Änderungsantrag der Koalition zustimmte.

Darin steht, dass die Stadtverordnetenversammlung begrüßt, dass zwischen dem Magistrat und den freien Trägern von Kinderbetreuungseinrichtungen eine Vereinbarung getroffen wurde, die sicherstellt, dass den Trägern die für eine »regelmäßige und umfassende Covid-Testung« erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, und dass die freien´Träger - wie bisher - zur Erstellung »einrichtungs- und trägerbezogener Konzepte verpflichtet sind«.

»Alle über einen Kamm scheren?«

Letzteres war im Oppositionsantrag noch als »Beschaffungs- und Abrechnungsbürokratie« gegeißelt worden, was vor allem Gerhard Merz auf die Palme brachte: »Wollen Sie eigentlich alle über einen Kamm scheren«, fragte er Dr. Klaus Dieter Greilich (FDP), der den gemeinsamen Antrag verteidigt hatte. Merz betonte, er wisse aus eigener Erfahrung als Angehöriger eines freien Trägers, dass sowohl die räumlichen Voraussetzungen als auch die Arbeit mit den Betroffenen, etwa Behinderten, so unterschiedlich seien, dass ein Einheitskonzept gar keinen Sinn mache.

Seine Fraktionskollegin Katarzyna Bandurka rieb sich an der Formulierung, dass die Stadt 50 Prozent der Testkosten übernehmen und »ferner alle weiteren nötigen finanziellen sowie infrastrukturellen Mittel für deren Umsetzung« bereitstellen solle. »Die Tests werden zur Hälfte von der Stadt und zur Hälfte vom Land bezahlt, sind also für die Eltern kostenlos.« Und auch ein sichtlich geladener Merz giftete in Richtung Opposition: »Wollen Sie mehr als 100 Prozent Erstattung?«

Gegenwind blies der Opposition auch von der Magistratsbank entgegen. Stadträtin Gerda Weigel-Greilich ärgerte, dass in dem Antrag implizit eine Verbindung zwischen der Teststrategie und der Infektionsentwicklung in den Einrichtungen behauptet werde. Das sei hahnebüchen.

Ihr halber Namensvetter von der FDP beharrte darauf, dass mit der jetzigen Teststrategie und Quarantäneregelung eine Durchseuchung der Kindertagesstätten drohe, und dass die freien Träger von der Stadt nicht ausreichend informiert worden seien. »Wir stimmen dem Änderungsantrag der Koalition nicht zu«, betonte Klaus Dieter Greilich.

Sprachprobleme bei Kindern

Einstimmig angenommen wurde dagegen ein Prüfantrag der Liberalen, ob es möglich ist, mehr pädagogisches Personal mit besonderen Fremdsprachenkenntnissen einzustellen, um fremdsprachige Kinder besser zu unterrichten. Nach Auffassung der FDP würden an Gießener Grundschulen vermehrt Kinder mit Migrationshintergrund eingeschult, die oft massive Probleme mit der deutschen Sprache hätten, weil in ihrem Umfeld kein bis wenig Deutsch gesprochen werde, und sie zuvor auch meist keine Kita besucht hätten. Das habe zur Folge, dass diese Kinder massiv überfordert seien und aufgrund ihrer Sprachdefizite auch bei den schulischen Leistungen ihr Potenzial nicht ausschöpfen könnten und im Klassenverband schwer zu integrieren seien.

Klaus-Dieter Grothe, von Hause aus Kinder- und Jugendpsychiater, sah die Problematik ähnlich. Gerade viele Flüchtlingskinder kämen mit nur sehr geringen oder gar nicht vorhandenen Deutschkenntnissen in die Grundschule. Dass sei ganz schlimm für die kindliche Entwicklung. Er betonte, dass sich diese Problematik noch stärker in den Kreiskommunen zeige. Er könne nicht begreifen, dass es heute noch Bürgermeister gebe, die Neubaugebiete ohne eigene Kita planten. Und dass bei bis zu hundert Kindern pro Jahrgang, die dringend auf die sprachliche Frühförderung in solchen Einrichtungen angewiesen seien.

Stadträtin Astrid Eibelshäuser machte indes nur wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Problems. Es gebe derzeit einen erheblichen Mangel im fachpädagogischen Bereich. Deshalb wolle man vermehrt Laiendolmetscher gewinnen.

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