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Schlosser Stohr hatte in der Roonstraße Ausstellungsräume. Der aktuelle Eigentümer plant eine Umnutzung.

Rundgang

In Sorge um Gießener Kulturdenkmäler

Roonstraße 7 und Erdkauter Weg 40. Der Verfall der beiden Kulturdenkmäler bereitet der Bürgerinitiative »Historische Mitte Gießen« Sorgen.

Gießen (olz). Roonstraße 7 und Erdkauter Weg 40. Das sind die beiden Adressen, die der Bürgerinitiative »Historische Mitte Gießen (HMG)« bei einem ihrer Rundgänge besonders aufgefallen sind. Beim Haus in der Roonstraße handelt es sich um das ehemalige Ausstellungsgebäude des Schlossers Stohr. »Dieses Gebäude ist seit einiger Zeit dem Verfall preisgegeben. Wildwuchs greift hier die Fassaden an und der Zugang zum Gebäude ist durch einen Bauzaun abgesperrt«, meint HMG-Vorsitzender Jan-Patrick Wismar. Die Untere Denkmalschutzbehörde habe beide Objekte im Blick und bereits gehandelt, berichtet dagegen Magistratssprecherin Claudia Boje.

Leise rauscht die Wieseck hinter dem Rathaus durch ihr Bett. Der Ort hat etwas Verträumtes, wozu das nur einen Katzensprung entfernte ehemalige Ausstellungsgebäude in der Roonstraße 7 durchaus passt. »Das direkt an der Wieseck gelegene, rechteckige, historisierende (gotisierend) kleine Gebäude hat zwei Geschosse. Das untere, das vermutlich als Ausstellungsraum für Metallsärge (!) diente, hatte ursprünglich große, über die gesamte Geschosshöhe reichende Fenster, die an die beiden oberen, flachbogigen Fenster optisch anschlossen«, heißt es in der hessischen Denkmaltopografie. »Wie kann ein weiterer Verfall des Gebäudes verhindert werden?«, fragt Wismar. Die Stadt sei bereits aktiv , so Boje.

»Die Untere Denkmalbehörde hat im April 2021 das Gebäude zusammen mit Eigentümer und Architekt besichtigt. Die Eigentümer haben das Gelände gerodet und planen eine Umnutzung des Gebäudes, in dem zuletzt ein Architekturbüro seinen Sitz hatte«, so die Magistratssprecherin. Im Innern des Baudenkmals seien augenscheinlich keine Schäden feststellbar. »Die sichtbaren Schäden im rechten Teil der Hauptfassade entstanden durch einen behobenen Setzungsschaden nach Kanalarbeiten im Jahr 2015.«, klärt die Sprecherin auf.

»Weiterhin stellt sich für unsere Bürgerinitiative die Frage, welche Maßnahmen im kommenden Jahr für das Gail-Entreegebäude geplant sind. Der im Sommer 2021 angebrachte Witterungsschutz verlangsamt den Verfall zwar, verhindert diesen aber nicht«, fährt der BI-Vorsitzende fort. Die Eigentümer hätten - wie von den Denkmalbehörden gefordert - Sicherungsmaßnahmen zur Abwehr von Vandalismus ausführen lassen, entgegnet Boje. »Sie haben - wie von den Denkmalbehörden mehrfach angemahnt - inzwischen nachweislich weitere Maßnahmen zum Anschluss der Dachentwässerung an das Grundleitungssystem und Reparaturen am Dach sowie die Abdichtung des Flachdachs des ebenfalls denkmalgeschützten Anbaus beauftragt«, ergänzt sie .

Gründungsphase

Beim Gail-Gebäude im Erdkauter Weg 40 handelt es sich laut Denkmaltopographie um »Comptoirgebäude und Wohnhaus aus der Gründungsphase der Gailschen Dampfziegelei und Tonwarenfabrik. Die 1891 von Kommerzienrat Wilhelm Gail gegründete Fabrik entwickelte sich sehr schnell zu einem der bedeutendsten Unternehmen seiner Art.« Die Produktion von qualitativ hochwertiger Architekturkeramik habe zu weltweitem Ruf geführt. Wer mehr wissen will, findet die Topographie unter denkxweb.denkmalpflege-hessen.de.

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