1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Innovationsmotor für die heimische Region«

Erstellt: Aktualisiert:

gihoch_2506_thm_50_prof__4c
Willems Foto: Kozachynska © Kozachynska

Gießen (fod). Seit 2016 ist Prof. Matthias Willems Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Der 58-jährige Medizininformatiker bekleidet dieses Amt in einer der wohl spannendsten und ereignisreichsten Phasen der Hochschulgeschichte. Erst im vergangenen April hat Willems seine zweite Amtszeit angetreten. Im Gespräch mit dem Anzeiger zieht er ein Zwischenfazit der bisherigen Entwicklung und wagt einen Blick in die Zukunft.

Prof. Willems, wenn Sie auf die vergangenen Jahrzehnte seit dem Zusammenschluss 1971 zurückschauen: Was bewerten Sie als größte Erfolge der THM und der vorherigen Fachhochschule (FH) Gießen-Friedberg?

Anfangs waren wir eine gute Lehranstalt. Dazu kamen mit der Zeit die Forschung und der Wissenstransfer. Während sich Universitäten mehr den Grundlagenwissenschaften widmen, haben wir mehr auf die praktischen Anwendungen gesetzt und sind hierin heute extrem gut. In Zusammenarbeit mit der Industrie haben wir das duale Studium vorangetrieben und durch verschiedenste Entwicklungsprojekte und Abschlussarbeiten für Innovationen gesorgt. Weitere Erfolge sind, dass wir den »Dr. Ing.« als erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften verleihen durften und zusammen mit den Universitäten Gießen und Marburg den Forschungscampus Mittelhessen ins Leben gerufen haben.

Wo sehen Sie Stärken, aber auch Schwächen der THM?

Zu unseren größten Stärken gehören die regionale Vernetzung und die schnelle praktische Umsetzung von Forschungsergebnissen. Das zeigt sich beispielsweise bei den verschiedenen Ingenieursberufen. Noch Entwicklungsfelder sind die Internationalisierung und die Digitalisierung, wobei wir hier bereits viele Projekte laufen haben.

Die THM hat wie die vorherige FH einen guten Ruf, gerade in der Bevölkerung. Was glauben Sie, woran das liegt?

Für die heimische Region sind wir ein Innovationsmotor und spielen eine ganz zentrale Rolle im Innovationssystem. Ein weiterer Faktor ist das intensive Zusammenspiel mit Unternehmen. Von alldem profitiert auch die Wettbewerbsfähigkeit der Region und es entstehen neue Arbeitsplätze. Viele unserer Studierenden kommen aus der Region und bleiben nach ihrem Abschluss hier. Für die Zukunft erwarte ich, dass die Neugründungen von Start-ups und Unternehmen durch unsere Absolventen massiv zunehmen werden, so zum Beispiel über den Forschungscampus Mittelhessen.

Es ist immer wieder zu hören, dass THM-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind und teils sogar bereits während des Studiums konkrete Stellenangebote erhalten.

Das hängt vom jeweiligen Studiengang ab. Allerdings kenne ich keinen Studiengang bei uns, in dem die Absolventen größere Probleme auf dem Arbeitsmarkt hätten. Ich erkläre mir das damit, dass wir ein klares Profil haben und einige Bereiche, die viele andere Hochschulen der Angewandten Wissenschaften nicht aufweisen können. Sei es etwa bei technischen Studiengängen wie Maschinenbau, im Gesundheitsbereich oder bei Betriebswirtschaftslehre.

Wo soll es für die THM in naher und fernerer Zukunft hingehen?

Wir werden unseren jetzigen Weg weiterführen, so zum Beispiel unsere Studienangebote auch anhand des Bedarfs der Berufsfelder auszurichten. Das Lernen wird noch kooperativer werden und die Distanz zwischen Lehrenden und Studierenden weiter abnehmen. Beide werden Teil eines Teams sein. Zudem müssen wir alle Lerninhalte online verfügbar machen. Darüber hinaus möchten wir für die Forschung und andere Projekte noch mehr Drittmittel als bisher einwerben. Letztes Jahr waren das circa zwölf Millionen Euro, was im Vergleich mit anderen Hochschulen der Angewandten Wissenschaften ganz gut ist.

Die Neubauten der vergangenen Jahre haben das Gesicht der THM sehr verändert. Da dürfte wohl noch einiges kommen.

Ich gehe davon aus, dass unsere Bautätigkeiten bis circa 2030 abschlossen sein werden. Bei allen Baumaßnahmen streben wir eine flexible Raumnutzung und eine hohe Aufenthaltsqualität in den Campus-Bereichen an.

Die Studierendenzahl an allen Standorten und Außenstellen zusammengerechnet ist seit vielen Jahren kontinuierlich am Steigen und liegt mittlerweile bei rund 18 000. Glauben Sie, dass das Wachstum weiterhin so anhält?

1971 sind wir mit etwa 2000 Studierenden gestartet. Heute haben wir fünfmal so viele Studiengänge wie damals. Wir sind nun aber an einer Grenze nach oben angelangt, was auch an den jetzt kommenden geburtenschwachen Jahrgängen liegt. Daher glaube ich, dass in den nächsten Jahren mit einem leichten Rückgang der Gesamtstudierendenzahl zu rechnen ist.

Auch interessant