Institut der JLU Gießen für "Negativpreis 'Herz aus Stein'" nominiert

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GIESSEN - (fod). Es ist ein Preis, den sicherlich kein Wissenschaftler bekommen möchte, ist doch damit der Vorwurf verbunden, kein Mitleid zu haben: das "Herz aus Stein". Diesen Namen hat der bundesweit und auch in Gießen aktive Verein "Ärzte gegen Tierversuche" seinem "Negativpreis für den schlimmsten Tierversuch" gegeben. Unter den diesjährigen fünf Nominierten befindet sich das Institut für Tierernährung und Ernährungsphysiologie vom Fachbereich Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement der Justus-Liebig-Universität (JLU).

In seiner Pressemitteilung wirft der Verein dem Institut vor, im Rahmen einer sportmedizinischen Untersuchung Mäuse "zu bloßen Messinstrumenten zu degradieren" und "zu quälen".

Um herauszufinden, ob das Vitamin Nicotinsäure die Leistungsfähigkeit erhöht, müssten die Nager fünfmal pro Woche täglich 35 Minuten ein Ausdauertrainingsprogramm auf einem Laufband absolvieren. Dessen Geschwindigkeit werde dabei langsam erhöht, "bis zur Erschöpfung der Tiere", so die Kritiker. Die JLU widerspricht auf Nachfrage des Anzeigers dieser Darstellung. Demnach werde die Belastung für die Mäuse "als gering eingeschätzt, da die Tiere auf dem Laufband nach der Gewöhnung freiwillig gelaufen sind und kein dauerhafter Zwang ausgeübt wurde". Im Übrigen hätten diese Versuche bereits 2013 stattgefunden und der Grundlagenforschung zum Fettstoffwechsel gedient, teilt die Uni-Pressestelle mit. Zudem weist man darauf hin, dass "wie alle anderen Tierversuche der JLU auch diese vom Regierungspräsidium genehmigt wurden".

Aus Sicht der Versuchsgegner könnte "der Zusammenhang zwischen Vitamineinnahme und Ausdauerleistung problemlos an freiwilligen Menschen erforscht werden". Hierdurch würde man außerdem "zu aussagekräftigeren Ergebnissen gelangen". Dem wiederum bringt die Hochschule entgegen, dass ein Tierversuch nur dann genehmigt werde, wenn er "alternativlos" sei. Das RP würde ihn also nicht zulassen, "sollte sich die wissenschaftliche Fragestellung auch ohne den Einsatz von Tieren beantworten lassen", macht man deutlich. Vor der Beantragung eines Tierversuchs gebe es an der JLU zunächst einmal ein Beratungsgespräch mit den Tierschutzbeauftragten, in dem unter anderem geprüft werde, ob das sogenannte 3R-Prinzip ausgeschöpft wurde. Die drei "R" stehen hierbei für "Replace" (Tierversuche möglichst durch andere Versuche ersetzen), "Reduce" (so wenige Versuche wie möglich, so viele wie nötig) und "Refine" (Maßnahmen, um die Belastung der Tiere so weit wie möglich zu verringern). Dem Verein geht das aber nicht weit genug. Dort macht man darauf aufmerksam, dass als tierversuchsfreie Alternativen bereits "moderne, humanrelevante Möglichkeiten" existieren, die in einer selbst entworfenen Datenbank online einsehbar sind.

Die anderen Nominierten für das diesjährige "Herz aus Stein" sind laut der Mitteilung des Vereins die Universität Oldenburg mit einem "tödlichen Versuch" an wildgefangenen Singvögeln, die Uni Tübingen, wo die Auswirkung von Schlafentzug auf eine tödliche Blutvergiftung an Mäusen untersucht werde, das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln, "wo Mäuse fast ihr ganzes Leben hungern müssen", und die Medizinische Hochschule Hannover mit "einem Versuch an alkoholsüchtig gemachten Ratten". Der "Negativpreis" wird per Online-Abstimmung vergeben.

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