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Instrument der Mächtigen

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Die Berliner Barockbläser in der Basilika (von links): Ludger Starke, Johann Pietzsch, Christian Ahrens (Trompete), Sarah Perl (Gamba), Lenka Fehl-Gajdosova (Truhenorgel), Jan Grüter (Theorbe) und Wolfgang Eger (Perkussion). Foto: Hahn-Grimm © Hahn-Grimm

Die Berliner Barocktrompeten eröffneten die aktuelle Konzertreihe in der Schiffenberg-Basilika

Gießen. Eine musikalische Reise durch Italien, Frankreich, Spanien und England präsentierten am Sonntag die Berliner Barockbläser in der Basilika auf dem Schiffenberg. Mit diesem Auftritt eröffnete der Verein Gießener Meisterkonzerte seine Konzertreihe in der restaurierten Klosterkirche, die für diese Klänge genau das richtige Ambiente bot. Ludger Starke vom Ensemble bedankte sich, »in diesem akustisch und architektonisch wunderbaren Raum« spielen zu dürfen«. Zuvor bereits hatte Dr. Dieter Lindheimer als Vorsitzender des Vereins die zahlreichen Gäste begrüßt. Er freute sich, dass so viele gekommen waren, trotz der »Wintererinnerung«, die sich derzeit aufdränge.

Aufrüttelnde Klänge gab es zu Beginn, wie man sie von einem Trompetenkonzert erwarten darf. Die Sonata in C von Arcangello Corelli (1653-1713) mit ihren hellen Klängen kann geradezu als Paradestück des Barock gelten. Sie bot den Gästen Gelegenheit, mit ihren professionellen Fähigkeiten zu glänzen. Dominanter Part waren, wie schon der Name des Ensembles vermuten lässt, dabei die drei Trompeten.

Der langjährige Leiter des Ensembles, Johann Pietsch, sowie Christian Ahrens und Ludger Starke ließen die Melodie des »Preludio largo« ausdrucksstark erklingen, zuverlässig begleitet von Lenka Fehl-Gajdosova an der Truhenorgel. Einen wunderbar zarten Gegenpart zu den Trompeten ließ Sarah Perl auf ihrer Gamba erklingen. Mit seiner langhalsigen Theorbe stellte Jan Grüter ein exotisches Instrument vor, das er bei einigen Stücken gegen eine kleine Barockgitarre tauschte. Hinzu kam Wolfgang Eger, der auf seiner Pauken und weiteren Perkussionsinstrumenten den Rhythmus setzte.

Als besonders einfühlsam erwies sich ein kleines Stück von Giovanni Kapsberger (1580-1651), ausschließlich für Theorbe und Perkussion bearbeitet. Die beiden Instrumente waren so in freiem Spiel verbunden, dass es, vor allem durch die hinzukommenden Bongos, geradezu modern anmutete.

Eine kurze Moderation zwischen kleineren Musikstücken kann ein Konzert auflockern, besonders wenn es so viel Wissenswertes gibt wie aus der Zeit des Barock. Diese Idee griff Ludger Starke auf: Er berichtete von einer »kriminalistischen Suche« nach den nur unzureichend vorhandenen Noten, nach möglichen Spielarten. »Wir lernen auch Personen kennen, die vor Hunderten von Jahren gelebt haben«.

Erste Station der musikalischen Reise war Italien, vorgestellt durch den Komponisten Alessandro Scarlatti (1660-1725). Die Anzahl der Trompeter und Pauken eines Herrschers, wurde erläutert, sagt viel über seine Macht aus. Auch auf Reisen waren die Musiker mit von der Partie. So waren Trompeter auch musikalische Gesandte ihres Hofes.

Die nächste Station der Reise war Frankreich, repräsentiert zunächt durch das Paukensolo »Marche de timbales« von André Dancian Philidor. Bei der viersätzigen »Simphonie des Fanfares« von Jean Joseph Moret (1682 - 1738) fiel die Gambe als belebendes Instrument auf. Ein prunkvolles Stück, mit dem König Ludwig XIV. seine Macht in Versailles demonstrieren wollte.

Und noch eine interessante Information hatte Starke parat: Die Trompete wurde in erster Linie nicht für Konzerte eingesetzt. Sie war Kriegsinstrument. Ihr heller Klang ist kilometerweit zu hören. Damit ließen sich bestens Nachrichten übermitteln, der Trompeter wurde auf diese Weise zum Geheimnisträger. Es folgte ein Abstecher nach Spanien mit einigen Stücken von Gaspar Sanz und anonymen Komponisten aus dem 17. Jahrhundert. Eine lebhafte und melodiöse Bearbeitung, die leicht ins Ohr ging.

Zum Schluss dann ein Besuch bei Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) in London: Eine Suite aus der berühmten Wassermusik rundete das kurzweilige Programm ab.

Die Konzertreihe in der Basilika auf dem Schiffenberg wird am Sonntag, 26. Juni, um 11.30 Uhr mit dem Deutschen Saxophonensemble fortgesetzt.

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