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Instrumentalisten mit besonderen Fähigkeiten

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Herausragende Instrumentalisten (von links): Mikhal Pochekin, Naoka Aoki, Sara Ferrández, Benedict Kloeckner und Simon Tetzlaff. © Schultz

Wettenberg. Mit einem Sonderkonzert zu Ehren ihres gerade verstorbenen Ehemanns Heinz Bergner hat Veranstalterin Ilse Bergner die Wettenberger Winterkonzerte um ein beeindruckendes Ereignis erweitert. Unter der Führung von Geiger Mikhail Pochekin wurden am Sonntag Werke von Bach, Mozart und Schubert präsentiert.

Die 90 Zuhörer in der ausverkauften Kirche waren voller hochgespannter Erwartung. Denn Pochekin wurde begleitet von Violonistin Naoka Aoki, der Ersten Konzertmeisterin der Münchner Philharmoniker, sowie Sara Ferrández (Viola), Benedict Kloeckner und Simon Tetzlaff (Cello) - allesamt herausragende Instrumentalisten. Sie haben bereits unzählige internationale Auszeichnungen errungen und waren in zahlreichen bedeutenden Konzertsälen zu erleben, darunter der Moskauer Tschaikowsky Hall, der Londoner Carnegie Hall oder der Berliner Philharmonie.

Eine bemerkenswerte Reverenz also für den Auftritt in Wißmar. Zunächst sorgte Pochekin, dessen glänzende Entwicklung die Wettenberger Konzertbesucher schon länger mitverfolgen konnten, für eine passende Einstimmung mit Bachs »Largo« aus der Sonate BWV 1005. Er musizierte mit sensiblem Klangbewusstsein, artikulierte hochästhetisch und trotz höchster Konzentration auffallend entspannt. Es war ein Glanzlicht gleich zu Beginn; heftiger Beifall.

Als nächstes betrat Sara Ferrández (Viola) die Bühne, um mit Pochekin zusammen Mozarts Duo für Violine und Viola in G-Dur KV 423 zu präsentieren. Mit sanftem Feuer und lieblichem Schwung agierend, ließen die beiden ihre Spielfreude - und exzellente Vorbereitung - spürbar werden. Mal flott, mit süffiger Energie und kantabel, in Teilen auch temperamentvoll, wurde die Dramaturgie perfekt umgesetzt. Im Rondeau Allegro kam ein von jugendlichem Elan getragen Stimmungsansatz zur Geltung, eine gleichsam kontrollierte Hingabe; großartig.

Im viersätzigen Hauptwerk des Konzerts, Schuberts Streichquintett in C-Dur, op. post. 163, D. 956, kamen die Fähigkeiten des nun vollständigen Quintetts in Gänze zum Tragen. Mit kraftvoll erweitertem Volumen beeindruckten die jungen Musiker mit großer Leidenschaft - so war ihnen sofort die Zuneigung des Wißmarer Publikums sicher. Entwickelt wurde eine schöne Dynamiklandschaft, auch träumerische Elemente wurden gut umgesetzt. Welche Gefühlsregung dem Wiener Romantiker Franz Schubert auch vorschwebte, sie wurde mit Leben erfüllt. Glanzlicht war der zart eröffnete zweite Satz mit narrativen Passagen - zum Hinwegträumen. Das folgende Scherzo war dann die Hauptattraktion der Komposition. Mit kraftvollen Akzenten umgesetzt, offenbarte das Werk reichlich Energie und brachte zugleich immer neue kleine Geschichten zum Vorschein.

Die anfängliche Reduktion von Tempo, Volumen und Dramatik im finalen Satz diente nur zum erneuten Aufflammen dieser Elemente: Schubert legt einfach immer wieder neues Holz ins kompositorische Feuer, lässt es wieder dramatisch lodern. Das bekamen die Ausnahmemusiker bestens hin, sie entwickelten auch die Tutti zu großer Farbenpracht.

Insgesamt sorgten sie in Wißmar für ein herausragendes Konzert, bei dem sie von Anfang an große Emotion mit ebensolcher Hingabe und adäquater Handwerksgüte zu vereinen wussten: wunderbar.

Die Konzertreihe wird am Sonntag, 20. Februar, um 17 Uhr mit einem Kammerkonzert von Mitgliedern des hr-Sinfonieorchesters fortgesetzt. Auf dem Programm stehen dann Werke von Beethoven, Ravel, Fauré und Jongen.

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