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»Integration läuft in der Regel sehr gut«

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Norbert Kissel Archivfoto: Wißner © Thomas Wißner

Schulamtsleiter Norbert Kissel informiert über die Einbindung ukrainischer Kinder in den Unterrichtan Schulen in Gießen. Einiges ist noch in Vorbereitung - vor allem die Verstärkung mit Lehrkräften.

Gießen (bl). Mehr als 90 000 ukrainische Kinder und Jugendlichen sind bereits an Schulen in Deutschland aufgenommen worden - fast täglich kommen neue hinzu. Es herrscht also eine enorme Dynamik. Auch die schulische Integration wird daher zu einer Mammutaufgabe, angefangen damit, die deutsche Sprache zu erlernen. Die vorhandenen personellen Kapazitäten dürften dafür kaum ausreichen. Über den aktuellen Stand und laufende Vorbereitungen informiert der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Norbert Kissel, im Interview.

Wie viele Kinder und Jugendliche aus der Ukraine gehen aktuell an Schulen in Stadt und Landkreis Gießen?

Im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Schulamtes für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis besuchen 684 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine unsere Schulen, davon 134 aus der Stadt Gießen (Stand: 6. Mai).

Wie gut gelingt bisher deren schulische Integration?

Nach den Rückmeldungen aus den Schulen und von den Kolleginnen und Kollegen des Aufnahme- und Beratungszentrums sowie den Beauftragten für Deutsch als Zweitsprache funktioniert die schulische Integration in der Regel sehr gut. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt in der engagierten Arbeit und vor allem in der Haltung derer, die diese Integration vor Ort umsetzen und die diese Aufgabe seitens der Bildungsverwaltung begleiten. Viele Ehrenamtliche unterstützen die ukrainischen Geflüchteten, einige davon auch die Arbeit der Schulen.

Wie ist die Entwicklung in den Intensivklassen?

An der Brüder-Grimm-Schule sind es momentan 25 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine, an der Alexander-von-Humboldt-Schule 21, an der Friedrich-Ebert-Schule und an der Theodor-Litt-Schule jeweils 12 und an der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten 18. Diese Standorte an den drei weiterführenden und den zwei beruflichen Schulen gab es auch bereits vor Beginn des Krieges. Die Anzahl der Schüler in den Intensivklassen hat sich im Laufe der vergangenen Wochen aber deutlich erhöht.

Besuchen ukrainische Kinder und Jugendliche auch schon den Regelunterricht in Gießen? Und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

In zehn der 13 Grundschulen der Stadt Gießen wurden ebenfalls Kinder aufgenommen, die sowohl den Unterricht der normalen Klassen besuchen als auch Deutschförderung in sogenannten Intensivkursstunden erhalten. Nur wenige ältere Schülerinnen und Schüler, die im Heimatland Deutsch als zweite Fremdsprache erlernt haben, konnten aufgrund ihrer fremdsprachlichen Kompetenz in Regelklassen der Mittelstufe aufgenommen werden. Je nach Sprachniveau erfolgt eine Teilintegration oder der Regelunterricht wird komplett besucht. Dazu bedarf es einer gewissen Beobachtungszeit durch die Schule. Feste Vorgaben machen wir nicht, die Schulleitung entscheidet.

Gibt es bereits den von Kultusminister Alexander Lorz angekündigten ukrainischen Sprach- und Kulturunterricht.

Besagter Sprach- und Kulturunterricht befindet sich in Vorbereitung. Die Grundschulen können sofort starten, weiterführende Schulen können am 1. Juni damit beginnen, weil man möchte, dass die Schülerinnen und Schüler bis zum ukrainischen Schuljahresende am 31. Mai noch ihre Online-Angebote wahrnehmen können. Wir planen ein Angebot an der Korczak-Schule und der Ludwig-Uhland-Schule sowie an den weiterführenden Schulen mit Intensivklassen.

Zudem sollte verstärkt nach ukrainischen Lehrkräften gesucht werden. Mit Erfolg?

Es gab eine sehr gute, große Resonanz. Aufgrund der Initiative des Kultusministeriums, ehrenamtlicher Unterstützer und der Schulen haben sich bisher rund 15 Lehrkräfte aus der Ukraine beworben, die aktuell in unserem Schulamtsbezirk wohnen. Wir konnten bereits drei qualifizierte und geeignete Personen einstellen, eine an einer Schule der Stadt Gießen, eine im Landkreis Gießen und eine im Vogelsbergkreis. Sie sind in Deutsch-Intensivklassen eingesetzt. Und wir rechnen mit weiteren Einstellungen.

Geplant war ebenfalls, Pensionäre und Lehrkräfte in Elternzeit um Mithilfe zu bitten oder die Dienstzeit von Pädagogen, die kurz vor dem Ruhestand stehen, zu verlängern.

Hier befinden wir uns in enger Zusammenarbeit mit den Schulen noch in Entscheidungsprozessen. Aber zahlreiche Lehrkräfte haben ihre Bereitschaft erklärt.

Und wie sieht es mit den räumlichen Kapazitäten in Gießen aus?

Zurzeit werden bezüglich der Einrichtung von Intensivklassen in Gießen noch keine größeren Raumprobleme gemeldet. Sicherlich müssen zuweilen auch Fachräume für die Beschulung in den Intensivklassen genutzt werden.

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