1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Ist die Gasversorgung in Gießen sicher?

Erstellt: Aktualisiert:

ANZGLOKSTADT301-B_175331_4c
Symbolfoto: dpa © DPA Deutsche Presseagentur

In den Haushalten in und um Gießen gibt es 26 526 Gas-Abgabestellen, die von der Mittelhessen Netz GmbH mit Erdgas versorgt werden. Aber was passiert, wenn Putin den Gashahn zudreht?

Gießen (bl). Der Blick auf die Spritpreise an den Tankstellen lässt erahnen, was im Energiesektor drohen könnte, wenn der Krieg in der Ukraine weiter eskaliert. Nach dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf das Nachbarland und den vom Westen verhängten Sanktionen wächst zudem die Sorge, dass Lieferungen von Erdgas eingeschränkt oder komplett gestoppt werden.

Angesichts der menschlichen Tragödien, die sich momentan abspielen, und des Leids durch Flucht, Zerstörung und Tod mag das zwar keine echte Katastrophe sein - trotzdem stellt sich die Frage, was passiert, wenn Putin den Gashahn plötzlich zudreht? Und wie würde sich das konkret vor Ort auswirken? Immerhin gibt es aktuell im Gebiet der Mittelhessen Netz GmbH (MIT.N), einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Gießen (SWG), 26 526 Gas-Abgabestellen. Neben Gießen betrifft das die Orte Buseck, Fernwald, Heuchelheim, Pohlheim, Lahnau, Linden, Reiskirchen und Staufenberg. Die MIT.N verteilt dabei das Erdgas vom Vorlieferanten »Open Grid Europe« (OGE), der als Fernleitungs-Netzbetreiber für die Gasimporte nach Deutschland zuständig ist. Generell werde das Gas hauptsächlich aus Russland, Norwegen und den Niederlanden bezogen, informiert SWG-Sprecher Ulli Boos auf Anfrage des Anzeigers. Inwieweit es zu Engpässen in der Versorgung kommen, der Krieg die Beschaffungspreise oder die gaswirtschaftliche Infrastruktur beeinflussen könnte, sei indes nicht seriös vorherzusagen. Dafür sei es noch zu früh, »vieles wissen wir einfach noch nicht, das wäre daher reine Spekulation«.

Keine »Vorräte auf Lager«

Gleichzeitig macht Ulli Boos deutlich, dass die Bereitstellung von Gas »nicht von einem Lieferstrang, sondern von der allgemeinen Verfügbarkeit auf dem europäischen Markt abhängt«. Sollte die Lieferung aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen unterbrochen werden, würde zuerst auf die vorhandenen Alternativen zurückgegriffen: Speichermengen, Lieferungen aus Norwegen oder Flüssiggas, das größtenteils aus den USA stamme. »Vorräte«, die man bei den SWG sozusagen »auf Lager« habe, existierten dagegen nicht. Das Gas werde von Händlern und nicht direkt von Gasförderunternehmen eingekauft - und zwar auf den deutschen Termin- und Spotmärkten. Bei Ersteren geht es um längerfristige Kontrakte, die gehandelt werden, üblicherweise in Zeitspannen von Monaten, Quartalen oder Jahren. Der Spotmarkt dient wiederum als Plattform, um kurzfristig einen Energiebedarf zu decken.

Von »Open Grid Europe« heißt es derweil, dass die momentane Lage kontinuierlich beobachtet werde und man sich in regelmäßigem Austausch mit den zuständigen Behörden sowie den Kollegen anderer deutscher und europäischer Fernleitungs-Netzbetreiber befinde. Es werde alles dafür getan, »um eine hohe Transportverfügbarkeit im aktuellen Marktumfeld sicherzustellen« und »unsere Versorgungsaufgabe zu erfüllen«, erklärt OGE-Sprecherin Carolin Kielhorn gegenüber dieser Zeitung. »Dazu ergreifen wir Maßnahmen, die bei der jeweiligen Versorgungssituation notwendig sind, um die Netzstabilität zu gewährleisten.« Grundsätzlich sei OGE »transporttechnisch auf etwaige Entwicklungen vorbereitet, um Beeinträchtigungen zu vermeiden beziehungsweise so gering wie möglich zu halten«. Auf den Handelsmarkt habe OGE allerdings keinen Einfluss.

Auch interessant