IT-Sicherheit, Corona und beachtliche Ambitionen

Gießen (hh). Mit der heimtückischen Cyber-Attacke wird die zweite Amtszeit von JLU-Präsident Joybrato Mukherjee auf ewig verknüpft bleiben. Und natürlich mit den Folgen von Corona für Hochschule und Studierende. Denn nach den Wochen des analogen Studiums ohne E-Mails, ohne Online-Leihverkehr in der Unibibliothek und ohne Infos von den Homepages der Fachbereiche hat die Pandemie die Universität quasi aus dem Stand gezwungen, ein rein digitales Lehrangebot aus dem Boden zu stampfen.

Covid-19 und seine Auswirkungen auf Lehre und Forschung beschäftigen den 48-Jährigen angesichts des Infektionsgeschehens auch zu Beginn der dritten sechs Jahre auf dem Chefsessel im Unihauptgebäude. Ganz oben auf der Agenda steht dabei das Hochschulrechenzentrum.

Als Konsequenz aus dem digitalen und dem analogen Virus soll der IT-Bereich der Universität neu aufgestellt werden. Für das Hochschulrechenzentrum sei »perspektivisch eine professionelle-wissenschaftliche Gesamtleitung« geplant, hat Joybrato Mukherjee in seinem Statement in der Wahlversammlung ausgeführt. Mehr noch: Die IT-Architektur solle ein eigenes Entwicklungsfeld werden, die JLU möchte sich neue »digitale Forschungsfelder« durch den Aufbau einer angewandten Informatik und die weitere Stärkung der Bio- und Medizininformatik erschließen.

Pläne hat die JLU zudem für Mitarbeiter und Studierende: Das mobile Arbeiten soll für die einen und das Wissen über Nachhaltigkeit für die anderen weiterentwickelt werden. Obendrein müsse die Internationalisierung ebenso vorangetrieben werden wie die Entstehung interdisziplinärer Studiengänge. »Unsere institutionelle Resilienz hängt im Kern davon ab, ob wir in funktionsfähigen Gebäuden arbeiten können«, verdeutlichte er bei der Vorstellung des Konzepts für die Verlängerung seines Vertrages. Deshalb solle von der nächsten Landesregierung ein »klares Bekenntnis zur baulichen Runderneuerung der zweitgrößten Hochschule in Hessen« eingefordert werden. Auch die Außenwirkung solle stärker in den Blick genommen werden. Im Rahmen der »Transferstrategie« müssten alle Aktivitäten der Kommunikation und Beratung, von Marketing und Werbung gebündelt werden. Dazu zähle auch, dass der »Gründungskultur« ein neuer Schub verliehen werde.

In der Forschung sei die JLU dank des »Liebig Concepts« mit sieben Profil- und 30 Akzentbereichen ohnehin sehr gut aufgestellt. Der Ausbau des kulturellen Graduiertenzentrums zum kulturwissenschaftlichen Forschungszentrum sei angedacht und gleichfalls ein »Graduiertenzentrum Naturwissenschaften«. Der Forschungsbau für die Materialwissenschaften sei bewilligt, das Lore-Steubing-Institut für Biodiversität und Naturschutz« eingerichtet. Alles beachtliche Ambitionen für die dritte Amtszeit.

Der JLU-Präsident hatte auch das Uniklinikum in die Pflicht genommen, und verdeutlicht, dass es eine »dienende Funktion für Forschung und Lehre« habe. Dass mit den Eigentümern »ernste Gespräche geführt und verbindliche Strukturen sowie Entscheidungsprozesse vereinbart« werden sollten. Joybrato Mukherjee hat zuletzt aber immer wieder auch die besonderen Leistungen und erheblichen Belastungen des Uniklinikums in der Pandemie hervorgehoben. Versprochen hat er nachdrücklich, künftig wieder stärker auf die Mitwirkung aller setzen zu wollen. »Partizipation ist, davon bin ich überzeugt, kein Sand im Getriebe, sondern die Triebfeder für unseren Erfolg.«

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