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Jahreswechselfeiern ohne größere Zwischenfälle

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Der menschenleere Schein trügt: Die Gießener Innenstadt ist am Silvesterabend recht belebt, überall ist aus den Häusern Partymusik zu hören und am Berliner Platz und anderen Orten wird in das neue Jahr hineingefeiert. © Leyendecker

Je später der Abend, desto stärker wurde deutlich, dass dieses Silvester anders wird als 2020. Viele Menschen säumten Gießens Straßen. Für Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser blieb es ruhig.

Gießen (fley). Schon am Nachmittag hallten die ersten Feuerwerkskracher durch Gießen. Je später der Abend wurde, desto stärker wurde deutlich, dass dieses Silvester anders werden würde als im Jahr zuvor. Viele Menschen säumten Gießens Straßen, meist ausgerüstet mit Partyhüten, Sektflaschen und Feuerwerkskörpern.

Feuerwerkskörper in Belgien gekauft

»Wir haben uns in Belgien eingedeckt. Da ist der Verkauf von Feuerwerk erlaubt, auch ohne belgischen Ausweis. Die Schlange war ewig lang, aber ich denke, es hat sich gelohnt«, erzählte eine Partygruppe auf dem Seltersweg. Gefragt, ob das nicht unsinnig sei, extra für Böller nach Belgien zu fahren, winkten die Studenten lachend ab. »Wir waren ja noch Waffeln essen. Dann hat es sich gelohnt.« Die Gruppe ist jedoch kein Einzelfall, wie sich schnell herausstellte.

Nachdem beim Jahreswechsel 2020 auf 2021 die Freude aufgrund der Ausgangsbeschränkungen mehr als getrübt war, schien es, als hätten die Feierwilligen einiges nachzuholen. Statt Lockdown gibt es lautstarke Hauspartys, statt Ausgangssperre standen die Menschen auf dem Berliner Platz und anderen Orten in Gießen zusammen und feierten Silvester, Corona zum Trotz. Das Bedürfnis, den Jahreswechsel mit Freunden oder als Gruppe zu feiern überwog den Sorgen um Omikron.

»Was soll man davon halten. Ja, ich kann es Ihnen nicht sagen. Ich bin selbst zu Besuch hier und ich war erstmal überrascht, dass wir wirklich präzise zehn Leute sind. Das ist zwar erlaubt, aber eben doch viel«, erzählt Michael Zibgart. Der gebürtige Rendsburger ist extra aus Norddeutschland zu Freunden nach Gießen gefahren und staunte über die Lebhaftigkeit der Menschen an diesem Abend. »Wissen Sie, wir im Norden sind dann doch von der ruhigeren Sorte«, erzählte Zibgart schmunzelnd.

Bei den Rundgängen um 18 Uhr und um 23.30 Uhr wurde deutlich, dass die Feierlaune sich durch nichts trüben ließ, aber die Folgen früh sichtbar wurden. Vereinzelt saßen Menschen auf den Bürgersteigen, entweder alkoholisiert oder weinend, und ließen ihren Frust über das Jahr 2021 freien Lauf. Viele sprachen davon, dass das Jahr für sie eine unfassbare Einschränkung gewesen sei und dass sie das vergangene Jahr »vollkommen in die Tonne treten« könnten. Andere hingegen hatten im Jahr 2021 viel zu feiern und konnten neue Erfolge erzielen, seien aber von ihren Zukunftsängsten wieder eingeholt worden. Also alles wie immer an Silvester?

Um die Frage aus dem Filmklassiker »Dinner for one« zu zitieren: »The same procedure as every year?« Nein, sagten Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser in Gießen. »Es war grundsätzlich ruhig. Die Nacht über gab es nichts berichtenswertes«, schilderte die Leitstelle der Polizei Mittelhessen. »Die Nacht war relativ normal. Es gab die üblichen Alkoholunfälle, aber nichts im Zusammenhang mit Silvester. Wir hatten aber gut und viel zutun«, sagte Achim Faust vom Evangelischen Krankenhaus. Eine ähnliche Situation auch im St. Josefs Krankenhaus und im UKGM. »Es war nicht mehr als im letzten Jahr. Alkoholbedingt gab es viele Stürze, aber ansonsten blieb es ruhig«, schilderte die Bereichsleiterin der Notaufnahme des St. Josefs, Gertrud Hanis. »Es ist deutlich weniger als vor der Pandemie. Wir hatten keine Verletzungen durch Böller und Feuerwerk. Wenn, dann waren es Alkoholfälle oder Auseinandersetzungen im alkoholisierten Zustand«, erzählte UKGM-Oberarzt Dr. Kai Unzeitig. Mitten in der Nacht habe noch ein schwerer Verkehrsunfall die Uniklinik auf Trab gehalten, ansonsten sei es eine ruhige Nacht gewesen. »Einer blieb mit Alkoholintoxikation im Krankenhaus. Aber die getrunkene Menge ist nicht vergleichbar mit der vor der Pandemie, als die Leute richtig Party gemacht haben«, so Unzeitig.

Nur vier Einsätze nach Mitternacht

Die Feuerwehr zeigte sich mit der Silvesternacht ebenfalls zufrieden. »Das Feuerwerksverbot hat sich bezahlt gemacht. Es war sehr ruhig insgesamt, wir hatten vier Einsätze nach Mitternacht«, schildert Marcus Holle von der Gießener Feuerwehr. Höhepunkt des Abends sei ein Anruf gewesen, dass eine Wohnung brennen würde. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es nicht brannte, sondern dass Pyrotechnik der ungewöhnlichen Art verwendet wurde. »Jemand hat ein Bengalofeuerwerk auf dem Balkon gezündet, das sieht dann aus der Ferne so aus, als würde es brennen. Deswegen hat man uns sicherheitshalber angerufen, aber es ist nichts weiter passiert. Man sah aber dann den Schock der Anwohner, als wir eintrafen.«

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