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Jede Minute genau getaktet

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Das Organisationsteam für den Fernsehgottesdienst steht in ständigem Kontakt: Kaplan Simon Krost, Pfarrvikar Stefan Wanske und Regionalkantor Michael Gilles. Foto: Czernek © Czernek

Die ARD überträgt den Fronleichnamsgottesdienst live aus der Gießener Bonifatiuskirche. Kaplan Simon Krost, Pfarrvikar Stefan Wanske und Michael Gilles berichten von den Vorbereitungen.

Gießen . In diesem Jahr wird der Fronleichnams-Gottesdienst aus der Gießener St. Bonifatiuskirche live von der ARD übertragen. Die Vorbereitungen laufen aktuell auf Hochtouren: Morgen bereits rollt das Fernseh-Equipment an, dann wird aufgebaut und ab Montag alles geprobt und eingerichtet. Kabel werden verlegt und Licht installiert, damit die Übertragung am Donnerstag, 16. Juni, ab 11 Uhr möglichst reibungslos läuft.

Die Planungen für diesen Gottesdienst laufen seit rund einem Jahr, berichteten Kaplan Simon Krost, Pfarrvikar Stefan Wanske und Michael Gilles bei einem Pressegespräch. Bei diesen Drei laufen alle Fäden zusammen: Krost trägt die Verantwortung für den organisatorischen Ablauf, Regionalkantor Gilles hat die musikalische Leitung übernommen und Wanske wird die Messe zelebrieren.

In diesem Jahr obliegt die Ausrichtung dieser Sendung dem Hessischen Rundfunk. Zu dessen Sendegebiet gehören die drei Bistümer, Limburg, Mainz und Fulda. Da wurde genau hingeschaut wann und von wo etwas übertragen wurde. »So fiel die Wahl auf Gießen und da schien die St. Bonifatiuskirche als Austragungsort einfach sehr geeignet«, erklärt der Pfarrvikar. »Die Anfrage wurde etwa vor einem Jahr an uns herangetragen und so etwas kann man gar nicht ablehnen«.

Da Planungen extrem langfristig sind, wurde Wanske bewusst als Zelebrant gesetzt, um keine Unsicherheit durch den Weggang von Pfarrer Joachim Wahl zu erhalten. »Pfarrer Wehner, der erst seit wenigen Wochen hier ist, ist über alles informiert und mit dem Ergebnis höchst zufrieden«, so Wanske.

Seitdem herrscht rege Betriebsamkeit, die sich stetig steigert, und ein reger Austausch mit Beate Hirt, der Senderbeauftragten der Katholischen Kirche beim Hessischen Rundfunk. Jede Sendeminute ist voll durch- getaktet. Es gibt ein genaues Skript mit sämtlichen Redebeiträgen, die minutiös geplant werden müssen. Nichts wird dem Zufall überlassen, Spontanität ist bei einer solchen Übertragung fehl am Platz. In diesem engen Zeitraster bleibt für die Predigt lediglich ein Zeitfenster von rund fünf Minuten und selbst der Predigttext wurde bereits von der Redaktion gegenlesen und entsprechend fernsehgerecht aufgearbeitet, berichtet Wanske.

»Das ist schon eine sehr neue Erfahrung. Normalerweise habe ich bei der musikalischen Begleitung wesentlich mehr Spielraum und kann je nach Erfordernis darauf reagieren, erläutert Regionalkantor Gilles. Das geht hierbei jedoch nicht. Musikalisch wird von Bach bis Jazz einiges geboten, denn schließlich will man auch die musikalische Vielfalt nach außen zeigen. Hierbei wird seitens des Organisationsteams sehr viel Wert auf die Ökumene gelegt. »In der Bonifatiuskirche haben wir die kleine Besonderheit, dass wir zwei Orgeln haben und diese werden auch bespielt - von zwei evangelischen Kollegen«, sagt Gilles.

Insgesamt sei der Aufwand um ein vielfaches höher als zu einem gewöhnlichen Feiertagsgottesdienst, so werden zusätzlich noch Helfer benötigt, die zum Beispiel darauf achten, dass niemand vor eine Kamera läuft. Damit jeder seinen Einsatz kennt, wird ab Montag fleißig geprobt. »Hierfür mussten wir die Schüler sogar vom Unterricht befreien lassen«, erläutert Wanske. »Ohne unsere Ehrenamtlichen geht es jedenfalls nicht«, betont der Kaplan. Rund 20 Messdiener aus allen drei Gemeindeteilen, ein 16-köpfiger Chor, eine fünfköpfige Band sowie die Zelebranten und viele Helfer werden zur Durchführung benötigt. »Wir wollen das katholische Gießen darstellen, daher sind neben den vier katholischen Gemeindeteilen auch die vier muttersprachlichen Gemeinden (polnisch, spanisch, kroatisch und italienisch), die wir hier vor Ort haben, mit eingebunden«, erläutert Krost. »Es ist ein Gesamtprojekt aller katholischen Gemeinden Gießens. Darauf legen wir sehr viel Wert«.

Nach zwei Jahren Corona ist das auch so etwas wie ein Neuanfang, schließlich ist dieser Gottesdienst dadurch zweimal ausgefallen«, so Wanske. In den vergangenen Jahren fand er auf dem Platz vor dem Uni-Hauptgebäude statt, doch dies war allen Beteiligten zu risikoreich und mit zu vielen Unwegsamkeiten verbunden, schon allein wegen der unsicheren Wetterlage.

Entsprechend gespannt ist das Team auf die Resonanz und auf die Besuchermenge, die kommen wird, denn die Kirche hat Platz für 700 Gläubige. Und wer Scheu hat, mit so vielen Menschen in der Kirche zu sitzen, für den gibt es die Möglichkeit, den Gottesdienst draußen vor dem Hauptportal in Bild und Ton mitzuverfolgen. »Wir hoffen jedenfalls, dass der Zuspruch groß sein wird«, ergänzt der Pfarrvikar.

Wer in der Kirche live daran teilnehmen möchte, der muss bis spätestens 10.40 Uhr seinen Platz eingenommen haben und möglichst eine Maske dabei haben, da sich die Regeln diesbezüglich schnell ändern. Im Anschluss an den Gottesdienst (nach der Übertragung) wird es die traditionelle Prozession geben, die auf dem Pfarrhof endet, wo der Ausklang gemeinsam gefeiert wird.

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