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»Jetzt geht es ans Sortieren«

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Von: Björn Gauges

Gießen (bj). Vor zehn Jahren gab sich die Stadt Gießen ein kulturelles Leitbild, das zu Themen wie historische Identität, Teilhabe oder Wissenschaft in schriftliche Form gegossen wurde. Doch dann geriet diese Arbeit lange in Vergessenheit. Nun soll sie zur Vorlage für konkrete Maßnahmen werden, um das Kulturleben in der Stadt zu fördern und zu stärken.

Dazu lud das Kulturamt am Freitagabend zu einem Kulturforum ins ZiBB ein, an dem sich rund 40 Vertreter von mehr als 20 Vereinigungen, Initiativen und Institutionen beteiligten.

Dazu zählten etwa das Stadttheater, der Verein Meisterkonzerte, der Oberhessische Geschichtsverein sowie Vertreter der beiden Hochschulen JLU und THM, wie Kulturamtsleiter Dr. Stefan Neubacher aufzählte. »Die Resonanz war großartig«, freute er sich bei einem Pressegespräch am Montag, bei dem er gemeinsam mit Oberbürgermeister und Kulturdezernent Frank-Tilo Becher die Ergebnisse des Abends zusammenfasste.

Zudem hätten die Beteiligten großes Interesse gezeigt, die vor zehn Jahren »mit viel Empirie« unterfütterten Leitlinien nun auch mit Leben zu füllen. So wurde bei dem mehrstündigen Kulturforum gesammelt, was an Vorschlägen und Anregungen von den Teilnehmern eingebracht wurde. Unter dem Stichwort »Kultur und Teilhabe« kreiste die Debatte etwa um stärkere Vernetzung oder Beratung und Fördermittel. Unter dem Stichwort »Freie Kultur« ging es um die Vereinfachung von Verwaltungsverfahren, um Ausstellungsvergütungen und Freiflächen für Feiern. Unter dem Stichwort »Kultur und die Künste« wurde etwa die Atelierförderung thematisiert.

»Wir müssen uns allerdings vergegenwärtigen, dass wir derzeit mehrere Prozesse gleichzeitig am Wickel haben«, erklärte der Kulturamtsleiter. Einige Themen seien bereits an anderer Stelle aufgenommen worden und daher mittlerweile in einem weiter fortgeschrittenen Stadium angekommen. Um Atelierflächen etwa gehe es derzeit auch bei der Entwicklung des Kulturgewerbehofs in der Alten Feuerwache, mit Freiflächen zum Feiern setze sich das Kulturamt bereits unter dem Stichwort Nachtleben auseinander. »Manche Dinge sind an anderer Stelle schon im Fluss.«

Daher gehe es für die Rathaus-Verwaltung nun darum, die unterschiedlichen, am Freitag gesammelten Vorschläge zu sortieren und sich noch einmal genauer vorzunehmen. Laut Neubacher wurden alle Ergebnisse gesichert und systematisiert, »jetzt schauen wir uns jeden Bereich an«. Für die Umsetzung werde es nun allerdings noch einen »Zwischenschritt« brauchen, um zunächst aufzubereiten, welche Dinge aus Sicht des Kulturamts bereits abgedeckt werden und wo Themen bereits in Bearbeitung sind. Zugleich habe sich aber gezeigt, dass »wir noch nicht gut genug in unserer Kommunikation sind, wenn die Akteure vorhandene Angebote nicht wahrnehmen«, ergänzte OB Becher. Denn zunächst hätten sich beim Kulturforum viele Teilnehmer erstaunt gezeigt, was es von städtischer Seite schon an Angeboten gibt. Mit dieser nicht immer vollständigen Wahrnehmung »müssen wir uns intensiv beschäftigen«, folgerte der Oberbürgermeister.

Neubacher berichtete auch von einem Gespräch mit dem Gießener Germanistik-Professor und LZG-Vorsitzenden Sascha Feuchert, der in Göttingen wohnt und den dortigen engen Austausch zwischen Hochschule und den Akteuren der Kulturszene lobt. »Solche Beispiele können wir uns anschauen. Was machen die gut und wie machen sie es?«

Wie der Oberbürgermeister zeigte sich Neubacher zugleich von den »positiven Rückmeldungen und der konstruktive Atmosphäre« beim Kulturforum erfreut. »Das ist sehr motivierend.« Zugleich sei den Organisatoren laut Becher »mitgegeben worden, welche Rahmenbedingungen die Kulturakteure brauchen, wenn sie von ihrer Kunst leben wollen und müssen«. Über den nächsten Zwischenschritt sollen nun die einzelnen Beiträge strukturiert werden, um daraus Maßnahmen ableiten zu können. Bis zum Herbst, besser schon bis zum Juni, solle dann ein Paket zusammengestellt werden, dass den Stadtverordneten zur Abstimmung vorgelegt werden soll.

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