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JLU will noch mehr für Umwelt tun

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Erkenntnisse aus der Forschung sollen schneller für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar sein. Foto: Docter © Docter

Das Gremium der Gießener Universität befasste sich bei seiner Sitzung neben anderem mit Nachhaltigkeitsstrategie, Unisex-Toiletten und Wissenschaftstransfer.

Gießen . Der personelle Wechsel an der Spitze der hessischen Landesregierung trifft offenbar auch an der Justus-Liebig-Universität (JLU) auf Zustimmung. So bedauerte Unipräsident Joybrato Mukherjee zu Beginn der Senatssitzung am Mittwoch zwar, dass mit dem Gießener Volker Bouffier »ein Alumnus der JLU« seinen Platz räumt. Sein Nachfolger Boris Rhein bringe jedoch »eine hohe Affinität für Hochschulen« mit. »Es ist gut, dass ein ehemaliger Wissenschaftsminister nun Ministerpräsident ist«, rief Mukherjee die fünfjährige Amtszeit Rheins in Erinnerung, die diesen des Öfteren auch an die Gießener Universität geführt hatte.

Kostenlos anbieten

Fortschritte gab es auf dem Weg zur Einführung von Unisex-Toiletten in JLU-Gebäuden und dem Angebot kostenloser Menstruationsprodukte auf Toiletten. Für beides haben sich Vertreter des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) - vom Referat für Antifaschismus und Antidiskriminierung sowie vom Autonomen Bi*-Schwulen-Trans*-Queer-Referat - starkgemacht und diesen Wunsch auch auf der vorangegangenen Senatssitzung vorgetragen (der Anzeiger berichtete). Wie Mukherjee am Mittwoch wissen ließ, habe hierzu mittlerweile im Rahmen des »Jour fixe« zwischen Präsidium und Asta ein Gespräch stattgefunden. Während der Vorlesungszeit im Sommersemester wolle man beides »einen Schritt weiterbringen«, so der Unipräsident.

Im Falle der Umwidmung mancher Klos auf Unisex-Toiletten sei die Sache allerdings »nicht ganz so einfach«, weil hier teilweise baurechtliche Vorgaben zu beachten sind. Was die Finanzierung der Menstruationsprodukte betrifft, zeigte sich Mukherjee zuversichtlich, »zeitnah eine Lösung zu finden«.

Mit Interesse blickt man an der JLU auch nach Berlin, wo im Bundesforschungsministerium die neue Agentur für Transfer und Innovation (DATI) aus der Taufe gehoben wurde. Das hiermit verbundene Ziel, wissenschaftliche Entdeckungen schneller in die Wirtschaft und Gesellschaft zu überführen und somit praktisch nutzbar zu machen, trifft auch in Gießen auf offene Ohren. Dass diese zentrale Stelle aber, wie bislang geplant, nur mittleren und kleineren Hochschulen bis zu einer Obergrenze von 25 000 Studierenden zur Verfügung stehen soll, hätte zur Folge, dass die JLU mit ihren derzeit rund 27 500 Studierenden davon nicht profitieren würde. Nach Ansicht von Joybrato Mukherjee sollte DATI jedoch »für alle Hochschulen, egal welcher Größe«, da sein. Eine Obergrenze sei dagegen »nicht im Sinne des Erfinders«. Und so hofft nicht nur er auf ein Umdenken bei den Verantwortlichen in der Berliner Ampelkoalition.

Psychische Beratung

Ihr »Alltagsgeschäft«, so Prof. Katharina Lorenz, inzwischen aufgenommen hat die neu eingerichtete Psychologische Beratungsstelle (PBS) der JLU, an die sich Studierende mit den unterschiedlichsten Problemen wenden können. Laut der Vizepräsidentin für Studium und Lehre befänden sich die dortigen Mitarbeiter in engem Austausch mit der Zentralen Studienberatung (ZSB) und der Begegnungsstätte »Lokal International«. Darüber hinaus hätten externe Stellen, darunter Selbsthilfegruppen, von sich aus Kontakt zur PBS aufgenommen, zeigte sich Lorenz mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden.

Neben einem strategischen Leitbild zu den Themen Transfer und Kommunikation ist an der JLU auch ein solches zur Nachhaltigkeit in Arbeit. Was sich für Außenstehende nicht allzu spannend anhören mag, ist ein Vorhaben, das unter anderem darauf abzielt, 15 oder mehr neue Professuren einzurichten, die sich mit Nachhaltigkeitsaspekten befassen. Zudem sind fünf neue interdisziplinäre Forschungsverbünde angedacht.

Prof. Peter Winker gab in seiner Funktion als zentraler Nachhaltigkeitsbeauftragter der JLU einen Überblick des aktuellen Planungsstands. In der anschließenden Diskussion machten mehrere Senatsmitglieder Ergänzungsvorschläge wie etwa ein Konzept für eine energiesparende Ausleuchtung der Campus-Areale im Dunkeln, für den Ausbau der Homeoffice-Möglichkeiten - was viele Autofahrten vermeiden und Emissionen senken würde - oder die komplette Umstellung des JLU-eigenen Fuhrparks auf umweltschonendere Antriebsmotoren. Tatsächlich hat die JLU hierfür bereits einige Hybridfahrzeuge bestellt, berichtete Dr. Alexandra Jungert, Leiterin des Nachhaltigkeitsbüros.

Anerkennende Worte von Joybrato Mukherjee gab es schließlich noch für den Hochschulrat. Jenem Gremium, das die JLU in ihrer Entwicklung begleitet und auf vielfältige Weise unterstützt. Der Unipräsident lobte unter anderem die Aktivitäten der Ratsmitglieder für die vor dem Ukraine-Krieg nach Gießen geflüchteten Studierenden und Wissenschaftler, die häufig mit ihren Familien gekommen sind.

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