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Josenhans hält Ideeco »feschd«

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Den ersten Preis nimmt Simon Josenhans (li.) für seinen festsitzenden Fahrrad-Handyhalter aus den Händen von Markus Mietchen (Sparkasse Oberhessen) entgegen. Foto: THM © THM

Die Handyhalterung des Gießener Studenten Simon Josenhans holt den Sieg beim Gründungswettbewerb der THM. Im Finale stand viel Regionales und Soziales im Mittelpunkt.

Gießen (red). Dass Gäste und Jury des Gründungswettbewerbs Ideeco der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) die Idee von Simon Josenhans direkt vor Ort kaufen und mitnehmen konnten, mag ihm geholfen haben, den Sieg zu holen. Sein Produkt »Feschd« überzeugte »durch Prägnanz, Ausbaubarkeit und Nachhaltigkeit über Deutschland hinaus«, sagte Markus Mietchen, Jury-Mitglied und Vertreter des Hauptsponsors Sparkasse Oberhessen. Er überreichte Josenhans einen Scheck über 4000 Euro, die der Tüftler vor allem in das Marketing zu seinem Handyhalter für das Fahrrad stecken will.

Der Student am Gießener Fachbereich Maschinenbau und Energietechnik war von allen zehn Finalisten im dritten Ideeco sicher am weitesten fortgeschritten. Seine bereits online erhältliche Handyhalterung optimiert er ständig weiter, verbessert Materialien, Nutzbarkeit und Optik. Sein Ziel: Eine »feschde« - eine Referenz auf seine schwäbische Herkunft - Halterung für Handys an Fahrrädern, die einfach, flexibel und langlebig ist. Und die mittelfristig auf weitere Einsatzbereiche, etwa im Auto, ausgeweitet werden soll. Diese Idee präsentierte er in einem entspannten Pitch, in dem er darauf hinwies, dass das Produkt vollständig »made in Germany« sei und dass der Verkauf Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder finanziere.

Regionalität und soziale Aspekte standen bei vielen der Gründungsideen im Fokus. Zwei Preise - für soziale Nachhaltigkeit und den von der Stadt Friedberg gestifteten Publikumspreis - holte etwa Hempgarden, überreicht von Christian Deiters von Social Start-ups. Benita Deckmann und Charlotte Ludwig wollen aus Winternutzhanf Textilprodukte entwickeln. »Wir beleben eine jahrhundertealte Tradition wieder«, wiesen sie auf Hessens ehemaligen Status als Zentrum der deutschen Hanfverarbeitung hin. Sie wollen den Hanf, den Landwirte als bodenverbessernde Zwischenfrucht anbauen können, im eigenen Unternehmen zu Stoffen verarbeiten, diese färben und zu Heim- und Gartentextilien veredeln. So sollen ökonomische, vor allem aber auch soziale Probleme in der textilen Wertschöpfungskette aufgebrochen werden.

Für den besten Pitch wurde aus den Händen von Janine Weirich von XEEM die Idee »UniCake« ausgezeichnet: Kuchen als Versandgut. Luisa Gallardo und Maximilian Brechtel setzen auf eine ähnliche Nische wie Blumen- und Geschenkversand. Sie versprechen, haltbare und schmackhafte Kuchen innerhalb von zwei Tagen nach Bestellung an Kunden oder Beschenkte zu liefern, bei Bedarf individualisiert. Die Herausforderung ist, einen solchen Kuchen ohne ein Übermaß an chemischen Zusatzstoffen zu entwickeln: versandfähig, ohne zu trocken zu sein. Dass das gelingen kann, zeigte Brechtel an seinem Messestand, der viel Zulauf hatte. Den Preis für die größte ökologische Nachhaltigkeit, übergeben von Annekathrin Walter vom Sponsor MK Versuchsanlagen, sprach die Jury dem Team »Green Bottle« zu. Tim Pfeifer, Niklas Frey, Dashiell Lahaj und Henning Schmuck setzen auf outdoor-affines Publikum, das für Wandern, Radfahren oder Wassersport eine umweltfreundliche Trinkflasche sucht. Ihre Flasche soll zu 70 Prozent aus Wiesengras aus dem Odenwald und 30 Prozent aus Bio-Kunststoff bestehen und mit einer speziellen, hauchfeinen Keramikbeschichtung die Befüllung auch mit heißen oder kohlensäurehaltigen Getränken erlauben. Mit der »GreenBottle« möchte das Team einen kleinen Teil der weltweit jährlich rund 585 Milliarden genutzten Plastik-Einwegflaschen ersetzen.

An einem ebenfalls massenhaft genutzten Produkt - Autos - setzt das Team VEAC mit Ardian Kulic und Carel Gegner an. Gegner berichtete im Pitch von seinem eigenen Autounfall, bei dem er schwerverletzt im Fahrzeug eingeklemmt auf die Befreiung durch die Feuerwehr warten musste. In modernen Fahrzeugen übersteht die Fahrgastzelle auch schwere Zusammenstöße - die Tür aber verkeilt sich häufig, sodass das Retten selbst mit hydraulischem Gerät zur Herausforderung wird. VEAC hat einen automatischen Türschlosshalter entwickelt, der gemeinsam mit dem Airbag auslöst und die Tür in einem Sekundenbruchteil einen minimalen Spalt öffnet. Die Schutzwirkung der Tür bleibt erhalten, doch die Einsatzkräfte erhalten besseren Zugang.

Weitere Ideen des von Sorush Satar moderierten und vom Labor10 der THM audiovisuell begleiteten Abends waren Bonbons, die auf Heilkräutern beruhend eine Hilfe für Frauen mit Regelbeschwerden sein sollen, ein »digitales Klemmbrett« für kleinere Kfz-Werkstätten, eine integrierte Plattform für Arbeitgeber und Lehrlinge zur Attraktivitätssteigerung der Ausbildung im Handwerk und das Versprechen zweier junger Modellbahn-Fans, Kunden jedes gewünschte Eisenbahn-Modell in hoher Qualität aus dem 3D-Drucker liefern zu können.

Als weitere Sponsoren unterstützten Rittal, das Regionalmanagement Mittelhessen, der Sozialinnovator Hessen und der Wettbewerb Hessen Ideen den Ideeco 2022.

Schon vor den Pitches hatte Prof. Katja Specht, THM-Vizepräsidentin für Forschung und Lehre, den Final-Teams zugerufen, dass es an diesem Abend nur Gewinner gebe. »Wir dürfen in einer schwierigen Welt nicht immer nur das Negative sehen - hier gibt es Menschen, die sich Gedanken machen um die Zukunft«, sagte sie. Markus Mietchen, der bei der Sparkasse auf mehr als 400 Gründungsvorhaben im Jahr ein Auge hat, sagte: »Wir dürfen nicht mehr nur ans Geldverdienen denken«, sondern nachhaltigen Ideen mit Potenzial eine Chance zubilligen. Annekathrin Walter appellierte an das Durchhaltevermögen der Gründungswilligen: »Innovatoren passen häufig nicht ins System und stoßen auch auf Ablehnung«, räumte sie sein. Doch wer an seine Ideen glaube, werde auch Erfolg haben.

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Zwei Preise erhalten Charlotte Ludwig und Benita Deckmann (v.l.) von Hempgarden: den des Publikums und von Christian Deiters den für soziale Nachhaltigkeit. Foto: THM © THM

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