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Junge Union kritisiert Sportpolitik

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Die Junge Union wünscht sich bessere Bedingungen für den Profibasketball in der Stadt. Archivfoto: Schepp © Angelika Schepp

Die Junge Union kritisiert die Sportpolitik in Gießen. Sie fürchet das Ende des Sportstandortes in der Stadt.

Gießen. »Sehr träge und schleppend«. So charakterisiert die Junge Union die städtische Sportpolitik in Sachen Spitzensport. Die Jugendorganisation der CDU hat die Abstiege von 46ers und FC Gießen »sportpolitisch hinterfragt. Schnell wurde klar, dass sich die Befürchtungen des Stadtverbandes der Jungen Union Gießen, die schon vor geraumer Zeit schwelgten, bewahrheitet hatten: Der Spitzensport in Gießen bekommt nicht die Aufmerksamkeit und die Rahmenbedingungen, die ihm gebühren würden«, teilt die JU schriftlich mit. Die Gruppe bezieht sich damit vor allem auf die Sanierung der Osthalle. Auch Prof. Heinz Zielinski, Vorsitzender des heimischen Sportkreises, sieht »viele Fragezeichen« hinter der Osthalle. Klarer positioniert sich Frank-Tilo Becher. »Wir sind in der Prüfung und schauen uns an, was es bedeuten würde, an der Osthalle zu arbeiten. Neben Statik und einem entsprechenden Gutachten lassen wir auch eine alternative Ballsporthalle prüfen. Im Laufe dieses Jahres wollen wir, in Abstimmung mit den 46ers und der Ostschule, zu einer Entscheidung kommen«, sagt der Oberbürgermeister im Gespräch mit dem Anzeiger.

»Handlungsdruck raus«

Geändert habe sich durch den Abstieg der 46ers an der Hallenfrage grundsätzlich nichts, erklärt der OB. »So auf die Tagesereignisse in Form von Tabellen zu reagieren, fände ich sportpolitisch kurzsichtig. Trotzdem nimmt es, gerade in der Basketball-Frage, ein wenig Handlungsdruck raus. Nichtsdestotrotz bleibt die Frage eines Bundesliga- oder Zweitliga-tauglichen Spielorts für unsere Basketballer eine Aufgabe dieser Stadt. Deshalb sind wir in Kontakt und wollen eine Perspektive miteinander entwickeln«, macht der Rathauschef deutlich. Er verweist auf die generelle Herausforderung der Finanzierung. Aber: »Ich glaube, dass eine Stadt mit sportlicher Kraft Spitzensport braucht. Das hat auch eine Bedeutung für Kinder und Jugendliche. Natürlich haben wir hier auch eine Basketballszene, die sich daraus speist, dass es in Gießen Perspektiven gibt.« Deshalb sei es gut, Spitzensport in der Stadt zu haben, der aber gleichzeitig nicht auf Kosten des Breitensports gehen könne. Das sei eine schwierige Aufgabe. Beim FC Gießen gelte es zunächst zu schauen, verdeutlicht der Sozialdemokrat. »Ich wünsche dem Verein alles Gute. Das heißt aber auch, dass der Verein sich selbst und seinen sportlichen Weg finden muss.«

Die bereits vor längerer Zeit aufgekommenen Befürchtungen der Jungen Union haben ihre Wurzel in der Haushaltsberatung 2022. Die Organisation denkt, dass längst eine Entscheidung über die »Situation der extrem modernisierungsbedürftigen Sporthalle Gießen-Ost« hätte gefällt werden müssen. Denn sie werde weder den Anforderungen der Schüler noch denen der 46ers gerecht. Stattdessen habe die Koalition aus Grünen, SPD und Gießener Linke »bloß 100 000 Euro für ein neuerliches Gutachten zur Prüfung eingestellt. Damit fehlen Ansätze für ausreichende Mittel für die dringende Modernisierung im Haushalt 2022 in Gänze«, führt Vorsitzender Maximilian Roth aus. Die CDU-Stadtverordnetenfraktion habe seinerzeit beantragt, eine Verpflichtungsermächtigung in Höhe von fünf Millionen Euro für die Modernisierung der Sporthalle Gießen Ost in den Haushalt 2022 einzustellen, scheiterte damit aber an der Koalitionsmehrheit.

»Es ist an der Zeit, dass sich die Politik eingesteht, dass es erstklassigen, konkurrenzfähigen Sport nur dort geben kann, wo entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden. Während andere Basketball-Teams aus Städten mit vergleichbarer Größe wie Bamberg oder Ludwigsburg hervorragende Trainingsbedingungen vorfinden, bewirbt man in Gießen die herausragende Bedeutung als ›Sportstadt‹, ist aber gleichzeitig nicht bereit, die nötigen Mittel bereitzustellen beziehungsweise zu investieren. So wird der Sportstandort Gießen schon in Kürze sein Ende finden«, hebt Stadtverordnete Kathrin Schmidt hervor. Vom »sportpolitischen Ratschlag«, den der OB in dieser Zeitung angekündigt hat, erhoffe sie sich eine baldige Verbesserung der Sportstätten in Gießen, resümiert die stellvertretende CDU-Vorsitzende.

»Sehr träge und schleppend«

JU-Pressesprecherin Sarah Krehl berichtet zudem, dass »wir die im Mai angekündigten Ergebnisse zu einer Tragwerkuntersuchung und einer vertieften Machbarkeitsstudie zur Sporthalle-Ost herbeisehnen und genau darauf achten, wie genau und mit welchen raschen Mitteln der Oberbürgermeister darauf reagieren wird. Die derzeit sehr träge und schleppend wirkende Sportpolitik würde die JU jedenfalls weiterhin stark kritisieren«.

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