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Jungen schwer missbraucht und Taten gefilmt

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Gießen (bcz). Angeklagt war der schwere sexuelle Missbrauch von mehreren Kindern - doch damit nicht genug, hatte der 47-Jährige die Taten, die sich in zwei Zeiträumen abspielten, mitunter sogar noch gefilmt. Nun fiel bereits das Urteil: Der Mann muss für sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Die 1. Strafkammer des Landgerichts Gießen sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte zunächst zwischen 2002 und 2004 an zwei Jungen verging; den einen von beiden mehrfach, bei dem zweiten konnte lediglich ein Fall gesichert belegt werden. Die Buben waren damals zwischen acht und zehn Jahre alt. Weitere massive sexuelle Übergriffe gab es im Sommer 2021. Opfer war erneut ein zehnjähriger Junge. Zu dessen Schutz war die Öffentlichkeit während der Verhandlung daher teilweise ausgeschlossen.

Vertrauensvolle Umgebung geschaffen

Der 47-Jährige, der von staatlichen Sozialleistungen lebt, hat eine unglückliche Kindheit hinter sich. Als Kind und Jugendlicher war er selbst Opfer eines sexuellen Triebtäters geworden. »Sie hätten wissen müssen, was ein solcher Missbrauch mit den Opfern macht«, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter in der Urteilsbegründung.

Die Kinder seien gerne zu ihm gekommen, denn er habe für sie eine interessante Atmosphäre und eine vertrauensvolle Umgebung geschaffen - mit Dingen, die sie zu Hause nicht machen durften wie zum Beispiel rauchen oder Computer spielen.

Seine Taten habe er immer wieder bagatellisiert, sie mit Alkoholkonsum oder damit gerechtfertigt, dass sie ohne Gewalt geschehen seien. Das mache es jedoch nicht weniger schlimm, betonte der Vorsitzende. »Erst wenn Sie sich Ihre Neigungen eingestehen, kann eine Therapie funktionieren.«

Der geständige Angeklagte hatte zudem erklärt, zwischen den beiden Tatzeiträumen seine sexuellen Präferenzen auf legale Weise befriedigt zu haben. Gutachter Dr. Jens Ulferts bescheinigte ihm deshalb zwar eine Pädophilie, diese sei indes nicht in einem triebhaften Ausmaß. Ein Suchtverhalten - der 47-Jährige hatte darauf bestanden, bei den Taten stets unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden zu haben - konnte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ebenso wenig feststellen wie eine verminderte Schuldfähigkeit. Diese Einschätzung übernahm das Gericht.

Mutter zweier Mädchen wird misstrauisch

Die Polizei war ihm mithilfe zweier Mädchen auf die Schliche gekommen, die der Angeklagte im vergangenen Jahr zu sich in die Wohnung gelockt hatte. Das bemerkte eine Mutter, der dies merkwürdig erschien und die daraufhin die Polizei verständigte, obwohl er sich diesen beiden Kindern nicht sexuell genähert hatte. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung wurde belastendes Material bei ihm entdeckt, was weitere Ermittlungen nach sich zog.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft ihm 41 sexuell motivierte Taten vorgeworfen. Verurteilt wurde er letztlich für 16 Übergriffe sowie das Anfertigen von kinderpornografischen Videos. Vieles aus dem ersten Tatzeitraum konnte ihm nicht mehr im Detail nachgewiesen werden. Die Verteidigung hatte vier Jahre und sechs Monate Haft beantragt, die Staatsanwaltschaft plädierte auf acht Jahre. Rechtsanwalt Ramazan Schmidt hat bereits angekündigt, gegen dieses Urteil in Revision zu gehen.

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