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Karstadt dementiert »Horrornachricht«

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Von: Ingo Berghöfer

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Die Zukunft von Karstadt in Gießen bleibt ungewiss. Foto: Berghöfer © Berghöfer

Laut Gesamtbetriebsrat werden bei Galeria Karstadt Kaufhof bis zu 90 Häuser geschlossen, so die »Lebensmittelzeitung«. Eine Entscheidung werde »nicht vor Januar« erwartet, heißt es aus Gießen.

Gießen . Bislang stand die Schließung von 40 Filialen im mittlerweile dritten Insolvenzverfahren des letzten deutschen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof im Raum. Nun hat die »Lebensmittelzeitung« unter Berufung auf ein internes Schreiben des Gesamtbetriebsrates berichtet, dass sogar bis zu 90 Filialen vor dem Aus stünden. Auch drohe ein weit höherer Personalabbau. Bis zu 30 Prozent der Beschäftigten könnten in den übrigen Filialen gekündigt werden, um so die Personalkosten um drei Prozent unter den aktuellen Durchschnitt zu senken. Vor allem im Service-Center solle gespart werden. Hier könne sogar die Hälfte des Personals wegfallen, so die »Lebensmittelzeitung«.

Keine Bestätigung für diese Zahlen gibt es von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Die Verhandlungen würden noch andauern, endgültige Entscheidungen seien noch nicht getroffen, so Geiwitz.

Bei Galeria selbst hält man sich weiterhin bedeckt: »Welche Häuser geschlossen werden, steht heute noch nicht fest. Wir gehen derzeit in Gespräche mit den Vermietern. (...) Ob ein Standort erhalten bleiben kann, wird auch stark von diesen Gesprächen abhängig sein. Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januar des kommenden Jahres Klarheit darüber geben wird«, heißt es in einer Pressemitteilung. Konkrete Nachfragen wurden nicht beantwortet.

Auch der Gießener Karstadt-Geschäftsführer Lothar Schmidt erklärte auf Anfrage des Anzeigers, dass er nach wie vor davon ausgehe, dass Entscheidungen über die Zukunft einzelner Standorte nicht vor Mitte Januar fallen: »Andere Informationen sind nicht valide.«

Der potenzielle Interessent für eine mögliche Übernahme von bis zu 47 Kaufhäusern des angeschlagenen Konzerns, Markus Schön, zeigte sich von der Nachricht ebenfalls überrascht. Diese Information weiche deutlich von den bislang - auch öffentlich - bekannten Aussagen zum Umfang der Schließungen und des seitens des Insolvenzverwalters verkündeten Zeitplans ab.

»Das ist eine Horrornachricht insbesondere für die engagierten und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Galeria Karstadt Kaufhof«, sagte Schön. Sie erfordere eine Neubewertung der Lage und gegebenenfalls eine Überarbeitung des Angebots, 47 Standorte übernehmen zu wollen. Immerhin bestehe nun das Risiko, dass die Beschäftigten in Scharen das Unternehmen verlassen. »Ohne der morgigen Gremiensitzung vorgreifen zu wollen, steht fest, dass wir an unseren Warenhaus-Planungen mindestens in mittelgroßen Städten festhalten«, so Schön. Eventuell böten sich sogar in weiteren Städten Chancen für das buero.de-Konzept.

Gegenüber dem Anzeiger sagte Schön, dass sich ihm die Frage stelle, wie valide der Zeitplan des Insolvenzverfahrens sei. Denn dabei gelte es, Fristen einzuhalten, auch was die Information des Betriebsrates betreffe. Ansonsten gebe es keinen Grund, solch eine Nachricht, sofern sie überhaupt stimme, kurz vor Weihnachten zu verbreiten.

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