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Kein Homeoffice im Handwerk

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Serpil Kizgin (links) und Andrea Köhler können die Leckereien der Bäckerei Braun natürlich nicht aus dem heimischen Wohnzimmer verkaufen. © Zielinski

Gießen. Die Regelungen im neuen Infektionsschutzgesetz sollen auch das Corona-Infektionsrisiko für Arbeitnehmer senken - etwa durch die Homeoffice-Pflicht oder die 3G-Regelung am Arbeitsplatz. Arbeitgeber müssen somit bei Büroarbeiten oder vergleichbaren Tätigkeiten grundsätzlich die Möglichkeit zum Arbeiten im Homeoffice anbieten. Voraussetzung: Es sprechen keine betrieblichen Gründe dagegen.

Dies funktioniert selbstredend nicht in jedem Beruf.

Bereits in der Zeit vom 21. Januar bis 30. Juni 2021 gab es eine ähnliche, befristete Regelung. Beschäftigte müssen das Angebot annehmen, soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen. Dies können zum Beispiel mangelnde räumliche oder technische Gegebenheiten in der Wohnung des Beschäftigten sein. Es genügt eine formlose Mitteilung, dass die persönlichen Umstände Homeoffice nicht zulassen.

Bürotätigkeit bildet Ausnahme

Entscheidend für die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, ist letzten Endes die Art der Tätigkeit. So stellt Homeoffice keine Option für die überwiegende Mehrheit der Jobs in denjenigen Bereichen dar, die derzeit von den Einschränkun-gen des öffentlichen Lebens ganz oder stark betroffen sind - wie etwa Gastronomie oderEinzelhandelsgeschäfte. Aber auch in Handwerksstätten ist eine Umsetzung nur schwer möglich.

»Homeoffice ist für die meisten unserer Mitgliedsbetriebe kein Thema«, bestätigt Björn Hendrischke, Hauptgeschäfts-führer der Kreishandwerkerschaft Gießen. Die Ausnahme würden Bürotätigkeiten bilden. Oftmals handele es sich bei den Mitgliedsbetrieben um kleine Firmen, bei denen beispielsweise die Ehefrau die Büroarbeit vor Ort allein übernehmen könnte. Arbeit, die normalerweise in Werkstätten oder auf Baustellen ausgeführt würde, könnte nicht nach Hause verlagert werden.

In diesem Zusammenhang weist Hendrischke darauf hin, dass auch im Homeoffice Arbeitsschutz-Standards sichergestellt sein müssten. Für viele Unternehmen bedeute Arbeit im Homeoffice nicht nur einen erheblichen organisatorischen Aufwand, sondern auch oftmals hohe Investitionen. Eine gute Breitbandanbindung müsse ebenso sichergestellt sein wie Datensicherheit. Der Anzeiger hat bei Handwerksbetrieben nachgefragt, ob Homeoffice für sie in Frage kommt. »Niemand darf die Backwaren einfach zuhause produzieren. Deswegen machen wir vor Ort weiter wie bisher«, sagt Bernd Braun, Inhaber der gleichnamigen Bäckereien.

Tägliche Tests für alle Mitarbeiter

»An unseren sechs Standorten werden alle Mitarbeiter jeden Morgen getestet«, betont er. Insgesamt habe die Kundenfrequenz nachgelassen, vor allem an den Standorten, wo ein Cafébereich angeschlossen sei.

»Thekenverkauf ist nun mal leider nicht aus dem Wohnzimmer heraus möglich«, erklärt auch Dr. Bettina Hardtert, Geschäftsführerin Metzgerei Manz. Die meisten ihrer 40 Mitarbeiter an fünf Standorten würden täglich zur Ar-beit kommen. Ausnahme sei eine Bürokraft, welche die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Homeoffice verbringen könne. »Wir verkaufen frische Lebensmittel, da ist eine Arbeit im Homeoffice aus technischen und rechtlichen Gründen ausgeschlossen.« Auch in den Metzgereien werden die Mitarbeiter täglich kontrolliert.

»Den digitalen Haarschnitt gibt es noch nicht. Deshalb kann bei uns auch niemand vom Homeoffice arbeiten«, stellt Peter Milla, City-Friseur Team Milla, lachend fest. Im Vergleich zu 2019 sei es in der Vorweihnachtszeit deutlich ruhiger. »Einige Gesichter sieht man gar nicht mehr«, bedauert er. »Wir treiben in unruhigem Fahrwasser und kämpfen ums Überleben. Mitarbeiter mussten wir aber noch nicht entlassen.«

»Ich habe mein Homeoffice hier im Werkstatt-Büro«, betont Ralf Wicke, der einen Betrieb in Wieseck hat. Vor Ort schreibt er auch Rechnun-gen und führt Reparaturen aus.

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