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Kein Verwahrgeld mehr nach EZB-Zinswende

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Dr. Lars Wittek © Red

Gießen (red). Angesichts der dauerhaft hohen Inflationsrate könnten die Leitzinsen in der Eurozone erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder steigen. Die Volksbank Mittelhessen wird ab einer Anpassung der Einlagefazilität auf 0 Prozent im Privat- und Firmenkundengeschäft keine Verwahrentgelte mehr berechnen. Dieses Versprechen gab der Vorstand gestern in einer Erklärung ab.

Das Prinzip der Geldanlage auf Sparprodukten aller Art war in Zeiten positiver Leitzinsen schnell erklärt: Je länger die Laufzeit desto höher die Rendite. Spar- und Durchhaltewillen wurde mit einem attraktiveren Zinssatz belohnt. Doch die Zeiten deutlich positiver Zinssätze oder gar des Zinseszinseffektes liegen lange zurück. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo im Jahr 2011 kannte die EZB bei ihren Zinsentscheidungen seit dem Jahr 2008 nur noch eine Richtung: steil nach unten.

2012 betrug der Zinssatz der sogenannten Einlagefazilität erstmals in der EZB-Geschichte 0 Prozent, ab 2014 war sie sogar negativ. Seit diesem Zeitpunkt wird überschüssiges Zentralbankguthaben der Banken mit einem Zinssatz von zwischenzeitlich bis zu -0,5 Prozent verzinst. Das bedeutet auch für eine große Volksbank wie die Volksbank Mittelhessen, dass Kundeneinlagen, die nicht als Kredit in der Region reinvestiert werden können, zu einer hohen finanziellen Belastung werden.

Jahrelang konnte die Volksbank Mittelhessen ihre Kundinnen und Kunden vor den Negativzinsen der EZB schützen. Seit 2014 sind die Kundeneinlagen der Volksbank Mittelhessen um mehr als 2,5 Mrd. Euro gestiegen. Von dieser Summe kann die Bank nur einen Teil in Form von Krediten in der Region wieder anlegen.

Daher hatte die Volksbank Mittelhessen zuletzt entschieden, bei besonders hohen Kontoguthaben den Negativzins der EZB von -0,5 Prozent weiterzugeben. Nicht ohne vorher das Gespräch mit den Kunden zu suchen. »Wir arbeiten mit aller Kraft dafür, dass unsere Kundinnen und Kunden ihr Vermögen erhalten. Gemeinsam finden wir Alternativen zur Vermeidung dieser Belastung. Übrigens profitieren Mitglieder beziehungsweise Kundinnen und Kunden, die mit uns eine aktive Geschäftsverbindung pflegen, von deutlich höheren Freibeträgen«, kommentiert Volksbankvorstand Dr. Lars Witteck die derzeitige Lage.

»Seit Jahren rührte sich die europäische Zinspolitik keinen Millimeter. Trotz Rekordinflation von mittlerweile mehr als fünf Prozent. Die Folge: Unser Geld verliert jeden Tag an Kaufkraft. Vor allem dann, wenn es auf unverzinsten Konten liegt. Daher begrüßen wir es ausdrücklich, wenn die EZB nun endlich eine Zinswende einläutet. Unseren Kundinnen und Kunden versprechen wir: Sobald die Einlagefazilität von derzeit -0,5 auf 0 Prozent steigt, werden die Verwahrentgelte im Privat- und Firmenkundengeschäft gestrichen«, so der Vorstand der Volksbank Mittelhessen.

Foto: Volksbank

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