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Keine Änderung: »Männer« bleibt

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Von: Rüdiger Schäfer

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Das Banner in der Jahnhalle weist auf 175 Jahre Tradition hin: Das »M« soll auch weiterhin für »Männerturnverein« stehen. Foto: Schäfer © Schäfer

In der Jahreshauptversammlung haben die Mitglieder des MTV 1846 Gießen dagegen gestimmt, das für »Männerturner« stehende »M« in ein anderes Wort umzuändern.

Gießen . Hat der Männerturnverein (MTV) 1846 Gießen ein Namensproblem? Neben der maskulinen (männlichen) Form wird vermehrt auch die feminine (weibliche) zusätzlich genannt, damit sich auch Mädchen und Frauen angesprochen fühlen. Zunehmend verwendet wird auch das Partizip, um nur ein Wort statt derer zwei zu gebrauchen. So statt »Turner und Turnerinnen« die »Turnenden«. Doch eigentlich ist dies grammatikalisch gesehen eine Tätigkeit, die nur gerade gegenwärtig ausgeführt wird. Stets rund um die Uhr turnt wohl niemand.

75 Prozent Zustimmung nötig

Der Drang zum Gendern hat nun den größten mittelhessischen Sportverein erreicht. In der Jahreshauptversammlung sollten die Weichen dafür gestellt werden, dessen Namen umzubenennen, damit auch beispielsweise ein neunjähriges Mädchen sich in dem Verein angesprochen fühlt. So sollte der MTV 1846 Gießen zwar weiterhin mit dieser Abkürzung firmieren dürfen. Doch das Wort »Männer«, das für das »M" im Vereinslogo steht, sollte durch ein anderes Wort wie »Mittelhessischer« ersetzt werden. So würde der Verein dann »Mittelhessischer Turnverein« heißen. Eine diesbezügliche Umbenennung erfordert eine Satzungsänderung, die bei einer Abstimmung mindestens 75 Prozent Zustimmung erfordert.

Den Antrag, den Prozess zur Namensänderung in Gang zu setzen, begründete der stellvertretende Leiter der Fechtabteilung, Daniel Zschätsch. In historisch gewachsenen Namen stecke häufig der Bezug zum männlichen Geschlecht, so wie auch beim MTV. Ausschlaggebend für den Vorstoß auf Namensänderung sei ein junges Mädchen gewesen, das vom ausgeschriebenen Vereinsnamen »Männerturnverein« irritiert gewesen sei. »Wir wollen keine potenziellen Mitglieder, vor allem Mitgliederinnen abschrecken, unserem Verein beizutreten.« Zschätsch fragte in die Runde: »Wollen wir ein Wertebild aus dem 19. Jahrhundert beibehalten?«

Das Ansinnen auf eine Umbenennung rief den langjährigen ehemaligen Vorsitzenden Walter Müller auf den Plan. Mit scharfen Worten geißelte der Ehrenvorsitzende dieses Bestreben und verwies auf Paragraf 1 der Vereinssatzung: Der Verein »tritt allen auftretenden Diskriminierungen und Benachteiligungen von Menschen, insbesondere wegen ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder Behinderung entgegen.« Müller: »Vielleicht sollte die Abteilungsleitung mehr aufklären.« Gleichheitsfanatiker bedienten derzeit den allgemeinen Trend. Dass der Antragsteller mit seiner Bestrebung direkt den Weg über die Presse gesucht habe, statt sein Vorhaben mit dem Vorstand zu bereden, »das ist ein no go.«

Der Vereinsname sei nur auf amtlichen Formularen ausgeschrieben, weil dies vorgeschrieben sei. »Turnverein« im Namen könnte auch alle Mitglieder in mehr als 20 anderen Abteilungen des Vereins abschrecken, da sie ihre Sparte nicht in dem Namen wiederfänden. Im Internet gäbe es viele MTV-Vereinsnamen, auch welche mit Fechtabteilungen. Der Verein bestehe seit mehr als 175 Jahren mit diesem Namen. »Nur aus dem Zeitgeist heraus eine Namensänderung vorzunehmen, halte ich nicht für angemessen«, so der Redner. Zukunft brauche auch Erinnerung.

Nach weiteren Wortbeiträgen wurde abgestimmt. Da der Antrag keine Satzungsänderung beinhaltete, sondern lediglich einen Prozess in Gang setzen sollte, war nur eine einfache Mehrheit für die Annahme erforderlich. Eine nicht stimmige erste Abstimmung wurde wiederholt. Für den Antrag stimmten 26 der 64 anwesenden Mitglieder, dagegen 30. Acht enthielten sich der Stimme. Damit ist eine Namensänderung vom Tisch.

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