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Keine Angst vorm weißen Kittel

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»Schlappohr«, »Koali« und »Miezi«: Bei einem Wehwehchen können sich die drei vertrauensvoll an die Teddyklinik wenden. Foto: Leyendecker © Leyendecker

Nach zwei Jahren Corona-Pause werden in der Teddyklinik der JLU Gießen bald wieder Kuscheltiere zusammengeflickt

Gießen. Wenn Koala »Koali«, Katze »Miezi« oder Hase »Schlappohr« plötzlich ein Wehwehchen haben, dann ist die Angst in den Kinderzimmern oft groß. Was tun mit dem kranken oder verletzten Stofftier? Der Mülleimer ist keine Option, das ist klar. Die Justus-Liebig-Universität (JLU) schafft da Abhilfe - und zwar mit der Teddyklinik. Die Teddyklinik ist das Krankenhaus für alle Arten von verletzten Kuscheltieren. Ob der klassische Teddybär, eine Giraffe, ein Pinguin oder eben das Trio von Koala, Katze und Hase. Alle Kuscheltiere werden von den Teddydocs - Studierende des Fachs Humanmedizin - untersucht. Ziel des Kuscheltierkrankenhauses ist es, Kindern im Kindergartenalter und im Grundschulalter die Ängste vor dem Krankenhaus und den Ärzten zu nehmen.

Einige Kinder haben womöglich den einen oder anderen unangenehmen Kontakt mit den Menschen im weißen Kittel gemacht oder haben einfach Angst angesichts einer unbekannten Umgebung. Die »Ärzte« der Teddyklinik wollen ihnen zeigen, dass ein Praxisbesuch auch spannend und spaßig sein kann.

Ohne Teamwork geht es nicht

Philipp Bochnig und Antonia Herrmann sind Teil der Teddyklinik, die in diesem Jahr vom 27. bis zum 30. Juni stattfindet. »Wir sind alle Medizinstudierende und das Projekt gibt es schon sehr lange. Wir mussten uns nach Corona neu sortieren. Viele, die davor dabei waren, sind mit dem Studium fertig. Wir mussten erstmal ein gutes Orgateam auf die Beine stellen«, erzählt Antonia Herrmann im Gespräch mit dem Anzeiger.

Um die verschiedenen Abläufe sicherzustellen, sei Teamwork nötig. »Wir haben verschiedene Komitees, die sich um unterschiedliche Dinge kümmern. Einer unserer ersten Schritte war es, einen Termin und einen Ort festzulegen.« Im weiteren Schritt war es nötig, die ersten Kontakte nach zwei Jahre Pandemie wieder zu knüpfen. »In diesem Jahr nehmen wir noch die Schule der Erstaufnahmeeinrichtung mit dazu. Die Resonanz der Kindergärten ist sehr gut. Wir hatten so viele Anmeldungen wie noch nie. Über die zwei Jahre hat sich das jetzt ein bisschen aufgestaut. Die haben sich alle super gefreut, dass es wieder losgehen kann. Bei den Kindern kommt es immer toll an, bei den Kindergärten auch«, sagt die 25-Jährige.

Die Organisation der Teddyklinik erfordert eine große Anzahl an Unterstützern, sowohl vor als auch hinter den Kulissen. »Wir sind 15 Leute im Orgateam«, erzählt Bochnig. Zelte müssen organisiert werden und auch ein Krankenwagen wird vor Ort sein - schließlich sollen die Kinder einen Rundum-Einblick in den Klinikalltag bekommen.

150 Leute werden die Teddyklinik unterstützen. Die Kinder werden normalerweise bereits einige Tage vor der eigentlichen Teddyklinik von den Teddydocs im Kindergarten besucht und bringen an dem Tag ihr Lieblingskuscheltier mit, das so zum ungewöhnlichen Patienten wird.

Dank der engen Bindung zu ihrem flauschigen Wegbegleiter sind die Kinder interessiert, wie die Teddyklinik abläuft und wie die Ärzte die kleinen Kuscheltiere wieder gesund bekommen.

»Notaufnahme«

Jedes Kind denkt sich im Vorfeld für sein Kuscheltier eine fiktive Erkrankung aus. Ob ein Koala mit einer Schnittwunde im Ohr oder eine Katze mit Bauchschmerzen - alle Patienten werden versorgt. Während der eigentlichen Teddyklinik kommen die Kinder mit ihrem Kuscheltier in die »Notaufnahme«. Dort werden die flauschigen Freunde untersucht, geröntgt, abgehört und bei Bedarf sogar operiert.

Die Kinder können dabei entweder zuschauen oder sogar selbst Hand anlegen, um den Teddy wieder gesund zu machen. Dabei werden sie von den Studierenden während allen Untersuchungen begleitet.

»Es geht natürlich auch um Gesundheitserziehung. Seit ein paar Jahren haben wir eine Kooperation mit einer Erste- Hilfe-AG, wo Kinder lernen, wie man Pflaster aufklebt oder wie die Telefonnummer vom Rettungsdienst lautet. Wir wollen auch die Begeisterung für Medizin und den menschlichen Körper wecken«, sagt Herrmann.

Bevor sie in der Kuscheltierklinik im Einsatz sind, werden die Medizinstudierenden von Ärzten der Kinderklinik in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Humanmedizin vorbereitet. Die Verantwortlichen treibt derzeit dennoch die Sorge um, ob denn alles am Ende so glatt läuft wie erwartet. »Durch Corona gab es die Klinik zwei Jahre lang nicht und wir müssen schauen, wie alles läuft«, sagt Bochnig. Ob alles reibungslos verläuft und die Kinder ihre Kuscheltiere wieder verarztet in die Arme schließen können, das wissen die Organisatoren erst am Ende des Monats. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren.

Damit auch genug Material zur Verfügung steht, haben die Studierenden um Spenden von Verbandsmaterial gebeten. »Die haben wir bekommen, wir sind versorgt und können loslegen«, sagt Bochnig, der im achten Semester Medizin studiert. Er ist sich sicher, dass die Veranstaltung wieder ein voller Erfolg wird und die Kinderaugen leuchten werden - und der Nachwuchs beim nächsten Besuch beim Arzt oder im Krankenhaus keine Angst haben wird.

Die Teddyklinik findet vom 28. bis zum 30. Juni statt. Beginn ist jeweils um 8 Uhr, wobei die Vormittage für die Kindergärten reserviert sind. Am 28. und 29. steht die Teddyklinik zwischen 12 und 16 Uhr auch kranken Kuscheltieren ohne Kita-Bezug offen. Wie auch in den Jahren zuvor baut die Teddyklinik ihre Zelte auf der Wiese vor dem Zeughaus in der Senckenbergstraße auf. (fley)

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