Keine Bombe: Erleichterung in Gießen

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GIESSEN - Neue Zahl der Woche in der Stadt: 11.10 Uhr am Dienstagvormittag. Denn genau zu diesem Zeitpunkt vermeldet die Stadt: "Es muss keine Evakuierung geben." Die Bombensondierung im Bahnhofsbereich ist abgeschlossen, eine Weltkriegsbombe wurde nicht gefunden. "Die Erleichterung ist bei allen mit Händen zu greifen. Wir haben alle mitgezittert", berichtet Frank Steibli, Pressesprecher des Universitätsklinikums Gießen und Marburg.

"Es war eine harte Probe, aber wir haben sie gemeinsam bestanden. Danke dafür", sagt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Bereits am Montagvormittag hatte eine Firma mit der Sondierung auf dem Gelände hinter der Neuen Post in der Bahnhofstraße begonnen. Eine Flächendetektion hatte dort im Vorfeld 16 Verdachtspunkte ergeben, die die Fachfirma ab Montagmorgen aufgraben und untersuchen musste. Außer harmlosen Metallteilen wie Pfahlresten, Kabeln oder Bahnschotter haben die Arbeiter in dem Gebiet nichts gefunden.

16 Verdachtspunkte

Als die Stadt am Montagmorgen an der Geländezufahrt über die anstehenden Arbeiten informiert, ist die Situation schon angespannt. Kein Wunder eigentlich. Denn zu diesem Zeitpunkt haben die Fachleute erst wenige der 16 Verdachtspunkte geöffnet. Was, wenn doch eine Bombe gefunden worden wäre? Je nach Größe hätte das die Evakuierung im Radius zwischen 500 und 1000 Metern bedeutet. Im letztgenannten "worst case" hätte die Grenze der Evakuierungszone am Berliner Platz gelegen. Betroffen gewesen wären unter anderem auch das St. Josefs-Krankenhaus Balserische Stiftung und das Uniklinikum, das am Freitag Splitterschutze hatte montieren lassen. Doch der Bombenfund bleibt aus.

"Gemeinsam mit der Krankenhauseinsatzleitung und vielen anderen, die in den vergangenen Tagen umfangreiche Vorbereitungen für eine mögliche Evakuierung getroffen haben, freue ich mich sehr über diese gute Nachricht und bin zugleich erleichtert, dass der Ernstfall nicht eingetreten ist. Für die engagierte und professionelle Planung und Vorbereitung des Evakuierungsfalls danke ich allen Beteiligten in unserem Haus vielmals", führt Andreas Leipert, Geschäftsführer des St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung, aus. Die Zusammenarbeit mit den Behörden der Stadt Gießen und des Landkreises sowie mit den Kollegen des UKGM und der anderen Krankenhäuser habe ausgezeichnet funktioniert, wofür er ebenfalls dankbar sei. "Die Mühe und Arbeit, die wir alle investiert haben, ist nicht umsonst gewesen und hat dazu geführt, dass wir für den Ernstfall noch besser vorbereitet sind", erklärt der Geschäftsführer. Patienten und ihren Angehörigen danke das Haus für ihre Geduld und ihr Verständnis für die ein oder andere Verschiebung von OP-Terminen, die im Rahmen der terminierten Bombensondierung der Stadt Gießen notwendig geworden sei. "Unser Krankenhausbetrieb läuft ab sofort wieder ganz regulär und uneingeschränkt. Alle OP-Termine und Sprechstunden finden statt. Auch die Zentrale Notaufnahme (ZNA) und die Geburtshilfe sind offen. Unsere Patienten und ihre Besucher haben keine weiteren Einschränkungen zu erwarten", resümiert Leipert. Steibli lobt die Stadt für die "sehr gute Informationen" über Livestreams auf der Internetseite. "Wenn man eine Bombe gefunden hätte, dann wäre eine Menge Arbeit auf uns zugekommen. Denn auch die interne Verlegung der Patienten hätte großen Aufwand bedeutet", erläutert der Sprecher.

"Keine Alternative"

"Es gab keine Alternative dazu, das Gebiet abzusuchen. Nun können wir doppelt erleichtert sein: dass keine Entschärfung stattfinden muss und dass dieses Gebiet dauerhaft sicher ist", verdeutlicht Grabe-Bolz. Es bleibe jedoch die bittere Erkenntnis, dass das Thema Bomben Gießen als Folge des Zweiten Weltkriegs bei Baumaßnahmen noch viele Jahre weiter begleite. Allen Beteiligten dankt die OB für die "engagierte Vorbereitung von möglichen Evakuierungen", insbesondere auch Ordnungskräften, Polizei und Rettungskräften. Sie seien im Hintergrund einsatzbereit gewesen. Ihr Dank gelte auch Kliniken, Betrieben und den Bürgern für ihr Verständnis. Dass die Kampfmittelsondierung nicht zu umgehen sei, hatte die Oberbürgermeisterin schon vor einiger Zeit betont. Sie hatte ausgeführt, dass in Hessen ein Dutzend alter Bomben bereits ohne Einwirkung von außen explodiert sei. "Selbst wenn wir auf die Baumaßnahme verzichten würden, möchte ich nicht dafür verantwortlich sein, wenn eine alte Bombe ohne unser Zutun explodiert und Menschenleben gefährdet. Am besten ist: Wir wissen, da schlummert nichts im Untergrund, und es kann auch in Zukunft niemand gefährdet werden. Jede entschärfte Gefahrenlage ist wichtig und gut", resümierte die Oberbürgermeisterin.

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