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»Keine Dinosaurier-Hörsäle« an THM in Gießen

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Die THM ist im Stadtbild nicht nur durch ihre markante Farbe gut wahrnehmbar. © Friese

Wie soll künftig das Wachstum an der THM in Gießen aussehen? Um diese Frage ging es beim dritten Teil der Ringvorlesung unter der Titel »THM als Teil der Stadt - gestern, heute und morgen«.

Gießen (fley). Wer auf dem Anlagenring unterwegs ist, dem fällt das markante Gebäude der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) ins Auge. Mit der Zeit ist aus einem einzelnen Gebäude ein ganzer Komplex geworden. Doch wie soll künftig das Wachstum der THM aussehen? Darüber diskutierten in der Ringvorlesung der Hochschule Vizepräsident Prof. Dirk Metzger, Baustadträtin Gerda Weigel-Greilich und Dr. Holger Hölscher, Leiter des Stadtplanungsamtes.

Schon der Titel »Gießen: THM als Teil der Stadt - gestern, heute und morgen«, machte darauf aufmerksam, dass die Hochschule nicht nur ein integrativer Teil der Universitätsstadt sei, sondern auch Erweiterungspotenzial mit sich führe.

»Am Anfang stand der Bau. Es wurde nämlich 1838 eine Schule für Technisches Zeichnen gegründet«, eröffnete Metzger seine Ausführungen. Handwerker seien damals weder in der Lage gewesen, Pläne zu lesen noch eigenständig zu verstehen, stellte er dar. Ab 1921 wurde aus der Handwerkerschule die »Staatliche Gewerbeschule Gießen«, die mehrere Gewerbe vereinte. »Es war eine Bauschule, eine Schreinerfachschule und zudem eine Lokomotivführer- und Eisenbahnschule«, erläuterte Metzger.

1946 wurde die Schule in »Polytechnikum Gießen« umbenannt, wodurch ein gewisser Wandel mit einherging. 1963 wurden die Neubauten in der Wiesenstraße bezogen, der Beginn der heutigen THM-Fläche. »Das hohe Gebäude hatte eine unglaubliche Prominenz in der Stadt. Die waren nicht besonders groß, aber hoch«, erzählte der Professor. Mit der Zeit wuchs die genutzte Fläche in der Stadt immer weiter und die Hochschule breitete sich innerstädtisch immer stärker aus.

»Die Zukunft der Flächennutzung liegt in der Kooperation«, unterstrich Metzger. »Der Fokus liegt auf qualitativem Wachstum. Ich möchte zum Beispiel keine Dinosaurier-Hörsäle, die irgendwann nicht mehr genutzt werden, sondern idealerweise multifunktionale Flächen, die auch für Events von anderen Einrichtungen herhalten können«. Mit dem künftigen neuen Standort am Siesmayer-Carrée, an welchem der Fachbereich Gesundheit angesiedelt werden soll und der Erweiterung des Campus Wiesenstraße rüstet sich die Hochschule für die Zukunft. »Die Hochhäuser in der Wiesenstraße werden saniert. Die sind nun 43 Jahre alt und das Thema Nachhaltigkeit ist beim Bau extrem wichtig, aber auch symbolbehaftet. Wir wollen kein neues Gebäude haben, sondern das aktuelle Gebäude im transformierten Zustand«, ergänzte Metzger.

Der neue Campus am ehemaligen Siesmeyer-Carrée hingegen werde vermutlich Ende der 2020er, Anfang der 2030er Jahre fertiggestellt sein. Wichtig sei zudem die Frage, inwieweit hybride Lehrkonzepte langfristig ausgebaut werden könnten. Eine Frage, die auch die Justus-Liebig-Universität derzeit intensiv umtreibt.

Dass die THM in der Vergangenheit oft unkonventionelle Wege beschritten hatte, um Möglichkeiten angesichts wachsender Studierendenzahlen umzusetzen, dem pflichtete auch Stadträtin Weigel-Greilich bei. »So eine herausragende Bildungseinrichtung gehört in die Innenstadt«, bekräftigte die Dezernentin. Nicht nur die damalige Einmietung in die Säle des hiesigen Kinopolis oder der Umbau des ehemaligen Roxy-Kinos hätten gezeigt, dass die Pfiffigkeit der THM dafür sorge, dass neue Möglichkeiten entstünden.

Amtsleiter Hölscher unterstrich in seinem Vortrag, dass die neuen Campusteile eng mit der Stadt verzahnt seien. »Sie sind nicht abgekapselt, sondern mittendrin. Studierende prägen diese Bereiche im Stadtbild«. Gerade die THM sei mit vielen Bushaltestellen und engen Taktungen gut an den ÖPNV angebunden. Eine Thematik, die die JLU an ihren Standorten noch ausbauen möchte, beispielsweise durch die Expressbuslinie.

Mobilität und Verkehr blieben die dominierenden Themen in der anschließenden Diskussion. Gießen, als Stadt der kurzen Wege, habe eine prädestinierte Topografie für Fußgänger und Radfahrer entgegnete der studierte Geograph Hölscher, gab aber zu, dass hier die Stadtplanung noch Aufgaben vor sich habe. Weigel-Greilich unterstrich hingegen, dass die Neuverteilung des Verkehrsraums noch zu »harten Auseinandersetzungen« führen werde. Gleichzeitig bat die Stadträtin darum, Wohnen, Arbeit, Freizeit und Kultur stärker miteinander zu verknüpfen. Das würde Zeitaufwand und Stress deutlich reduzieren. »Es ist ganz wichtig, die Dinge positiv zu sehen, um Innovationskraft zu entfalten«, bekräftigte auch Metzger, der betonte, dass weniger Autoverkehr und mehr Grünanlagen zu einer höheren Lebensqualität führen. Die Hochschule von morgen, so der einhellige Tenor der Teilnehmer, wird sich in das Stadtbild weiter integrieren und es prägen, ob mit oder ohne Verkehrswende.

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