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»Keine Entsiegelung«

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Noch liegt das Firmengelände von Bieber+Marburg im Grünen. Zur Erweiterung ist die Rodung von vier Hektar Wald beantragt. Dazu stellte die Agenda21-Gruppe Natur und Umweltschutz Fragen an das Stadtplanungsamt. © Schäfer

Im Zusammenhang mit der Rodung von vier Hektar Wald zur beantragten Erweiterung von Bieber+Marburg in Gießen hatte die Lokale Agenda21-Gruppe Fragen an das Stadtplanungsamt gerichtet.

Gießen. Die Firma Stahlgroßhandel Bieber+Marburg liegt mitten im Gießener Stadtwald - westlich des Steinberger Weges, unmittelbar unterhalb des Gießener Ringes und direkt an der Bahntrasse Erdkauter Weg. Im Zusammenhang mit der Rodung von vier Hektar Wald zur beantragten Erweiterung des Unternehmensareals im Waldgebiet hatte die Lokale Agenda21-Gruppe Natur und Umweltschutz an das Stadtplanungsamt mehrere Fragen gerichtet.

Ob die vorgesehene Ersatzaufforstung in Grünberg nur die forstrechtliche Anforderung betreffe oder auf derselben Fläche auch die notwendigen naturschutzrechtlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen durchgeführt werden?

Im Antwortschreiben heißt es, dass grundsätzlich Ersatzaufforstung auch naturschutzrechtlich anerkannt würde, was bedeute: sie würden in die Eingriffs- und Ausgleichsbilanz miteinbezogen. »Es werden sicherlich weitere Maßnahmen auch in Bezug auf den Artenschutz notwendig.

Diese sind aber dann vor Ort umzusetzen und nicht in Grünberg.« Aufbauend auf die Bestandserfassung zu Flora und Fauna werde eine Ausgleichskonzeption erstellt.

Eine weitere Frage war auf den Ort der Entsiegelung nach der Kompensationsverordnung (KV) zum Ausgleich der geplanten Versiegelung gerichtet. Hessen hat als erstes Bundesland mit einer KV ein entsprechendes Regelwerk festgelegt.

In dem wird darauf abgezielt, Naturschutzmaßnahmen sinnvoll zu bündeln, indem Kompensationsmaßnahmen vorrangig in »Natura 2000-Gebiete« - in Hessen sind 583 FFH-Gebiete und 60 Vogelschutzgebiete darin ausgewiesen -, gelenkt werden sollen. Landwirtschaftlich hochwertige Nutzflächen sollen bei der Planung von Kompensationsmaßnahmen geschont und die landwirtschaftlichen Betriebe dadurch entlastet werden.

Laut Stadtplanungsamt sei eine Veränderung der Funktion des Bodens bezüglich seines Ertragspotenzials mit der Ertragsmesszahl zu bewerten. Eine solche gebe es eigentlich nur für landwirtschaftliche Flächen. »Natürlich werden wir im Rahmen des Umweltberichtes den nachsorgenden Bodenschutz betrachten.«

Doch da die KV nicht maßgebend für die Bauleitplanung sei, werde »eine rechtliche Verpflichtung zur Entsiegelung von vier Hektar« nicht anerkannt. Wissen wollte die Agenda21-Gruppe, ob die kleinklimatische Auswirkung der dunklen Fotovoltaik-Fläche simuliert werde. Denn die dort im Sommer erhitzte Luft würde bei Ostwind in Richtung Stadt transportiert und dort für zusätzliche Aufheizung sorgen. Dies nahm das Stadtplanungsamt als »eine gute Anregung« auf, die »für die Kombination von Dachbegrünung und Fotovoltaik« spreche.

Bei dem Erweiterungsvorhaben des Großhändlers Bieber+Marburg wird es nach der Einschätzung der Agenda21-Gruppe bis Spätherbst dauern, bis nach einem Aufstellungsbeschluss und folgenden Voruntersuchungen ein Vorentwurf des Bebauungsplanes vorhanden sein wird. Erst danach will man sich - nach Konsensentscheidung in der letzten Gruppensitzung - erneut mit dem Vorhaben beschäftigen.

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