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Keine Spur von »Bunny«

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Am Morgen war der Stall plötzlich leer und das Gehege verwüstet: Der zehnjährigen Anne fehlt ihr Kaninchen »Bunny« sehr. © Pfeiffer

Der Stall ist leer, das Kaninchen weg: Eine Familie aus Lützellinden vermisst ihr Haustier. Verschwunden ist es wohl durch Menschenhand.

Lützellinden . Es geschieht in der Nacht vom 20. auf den 21. März: Als Tom sein Kaninchen gegen 6 Uhr füttern will, findet er im Garten in der Straße »Am Steckelchen« nur einen leeren Stall und einen verwüsteten Auslauf vor. Von »Bunny« keine Spur. Gut eineinhalb Wochen später sieht das Gehege noch immer so aus. Das Gitter, das »Bunny« vor Fuchs, Marder und Co. schützen sollte, ist beiseite geschoben, die Plastikabdeckung liegt auf der Wiese. »An Tiere hatten wir immer gedacht, nur an Menschen nicht«, sagt Toms Mutter Anja. Für die Familie ist klar: »Bunny« wurde gestohlen. Ein Tier hätte ihrer Ansicht nach nicht die beschwerten Abdeckungen entfernen und den Riegel zum Stall öffnen können.

Suchanzeigen geschaltet

Die Familie erstattet Anzeige bei der Polizei und fragt nach, ob in der gleichen Nacht auch andere Tiere entwendet wurden - aber außer »Bunny« wird kein Vierbeiner vermisst. Auch Skateboard und Fahrräder, die Tom und seine drei Geschwister im Garten haben liegen lassen, wurden nicht gestohlen. Die Familie informiert Nachbarn, hängt Zettel beim Bäcker, in der Kita und am Gartenzaun auf, schaltet Suchanzeigen im Internet und lobt einen Finderlohn in Höhe von 100 Euro aus. Aber niemand hat etwas gesehen, Meister Lampe bleibt verschwunden.

»Warum macht man das? Kaninchen sind nicht teuer, ›Bunny‹ hat nur 15 Euro gekostet«, sagt die zehnjährige Anne sichtlich geknickt. Sie habe viel geweint, seit ihr Haustier verschwunden ist. Gemeinsam mit ihrem Bruder Tom hat sie den Großteil der Arbeit übernommen, die die Kaninchenhaltung mit sich bringt. Ein Kind brachte den Hasen für gewöhnlich abends vom Freigehege in den Stall, das andere übernahm den »Frühdienst«. Es sei komisch, dass diese Aufgaben nun wegfallen, sagt die Mutter. »Es war ein Schock aus heiterem Himmel.«

Als die Familie »Bunny« am 16. Juni 2019 zu sich holte, war das Langohr erst knapp zwei Monate alt. Anne erinnert sich noch gut an den Tag: »Als wir ihn geholt haben, ist er direkt auf uns zugekommen. Er ist sehr zutraulich. So etwas findet man nicht oft.« Für Anne ist klar, dass sie ihr Haustier erkennen würde, wenn ein herrenloses Kaninchen gefunden werden sollte. Und auch »Bunny«, da ist sie sich sicher, würde sich an sie erinnern.

Auch ihre Freunde seien von dem Tier begeistert gewesen - denn selbst bei Besuch sei das Kaninchen stets neugierig und immer mittendrin gewesen. Die Zehnjährige hat übrigens noch eine besondere Verbindung zu ihrem Haustier: Beide haben am gleichen Tag Geburtstag.

»Bunny« ist ein Klein-Rex-Kaninchen, sein Fell ist überwiegend schwarz. Im Sommer habe es aber eine leichte Braunfärbung, erzählt Anne. Aus dem kleinen Babykaninchen sei mittlerweile ein richtig kräftiges Tier geworden. »Er leckt gerne Klamotten ab und will immer mitspielen.« Wenn die Familie im Garten war, ließ sie ihn auch außerhalb des Freigeheges hoppeln. »Die Kinder haben sich toll um ihn gekümmert. Wir als Eltern mussten gar nichts tun«, lobt Annes Mutter und ergänzt: »Man denkt, es ist nur ein Kaninchen. Aber ›Bunny‹ fehlt uns sehr.«

Mit Kreide haben die Geschwister sowohl ihre Namen als auch das Einzugsdatum ihres tierischen Mitbewohners auf dem Stall festgehalten. Mit der Zeit wurde das Kaninchen-Zuhause vergrößert, die Kinder haben mehrfach von ihrem Taschengeld neues Zubehör gekauft. Jetzt herrscht in dem liebevoll eingerichteten Gehege Durcheinander. Einiges wurde verschoben, offenbar habe jemand versucht, das Kaninchen einzufangen, um es mitzunehmen, vermutet die Mutter..

Der sogenannte Entwendungsschaden ist gering, aber der Familie geht es ohnehin nicht um die Bestrafung eines möglichen Diebes. Sie will nur ihr Haustier zurück: »Für uns wäre es auch in Ordnung, wenn man ihn nachts wiederbringt.«

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