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Keiner muss alleine trauern

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Für jeden Verstorbenen zündeten die Angehörigen eine Kerze in der Petruskirche an. © Kremer

Gießen (red). »Zeit zum Erinnern - Trost und Segen erfahren« ist der überkonfessionelle Gottesdienst überschrieben, der in Gedenken an die Verstorbenen der Palliativstation Gießen stattfand. Das SAPV-Team um Prof. Ulf Sibelius, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Palliativstation, die Klinikseelsorge im UKGM und die örtlichen Hospizdienste laden einmal im Jahr alle Angehörigen und Freunde der Menschen ein, die den letzten Abschnitt ihres Lebens auf der Palliativstation verbracht haben.

Sibelius wies darauf hin, dass im Vergleich zu Großbritannien und den USA die Palliativmedizin in Deutschland noch eine sehr junge Disziplin sei, die aber schnelle Fortschritte macht.

Alle, die an diesem Tag in der Petruskirche sitzen, haben in der letzten Zeit jemanden verloren. Die Trauer über diesen Verlust äußert sich ganz individuell, weil auch jedes Menschenleben einzigartig sei, stellt die evangelische Pfarrerin Dr. Esther Schulz fest. »Und dennoch ist es gut und kann tröstlich sein, dass wir gemeinsam trauern und wissen: Ich bin damit nicht allein«, fügt sie hinzu. Auch weil alle Anwesenden der Gedenkfeier zumindest ähnliche Erfahrungen gemacht haben, sei es wichtig, in dieser schweren Zeit zusammenzuhalten.

Man könne den Schmerz nur verstehen, wenn man ihn selbst erlebt hat, erkennt Christoph Schäufler von der evangelischen Krankenhausseelsorge, und eigentlich könne man gar nicht getröstet werden: »Es ist eine Erfahrung vieler, dass die gutgemeinten Trostworte nur das Ohr, nicht aber das Herz finden.« Manchmal sei es deshalb auch hilfreich, einfach nur zusammen zu schweigen.

Neben den Reden und Predigten wird der Gottesdienst durch Live-Musik begleitet. Schließlich werden Kerzen angezündet und die Namen derjenigen Verstorbenen verlesen, deren Angehörige bei der Gedenkfeier anwesend sind. Eine Kerze brennt auch für die Menschen, für die an diesem Abend niemand kommen konnte. Der Gottesdienst endet mit dem Beitrag einer Angehörigen, die zwei Lieder für ihren verstorbenen Vater singt. Natalie Malik drückt mit ihrem Gesang ihre Gefühle aus und fasst auch den Zusammenhalt der Gemeinde, in der doch jeder individuell trauert, gut zusammen: Die Lieder sind »für meinen Papa, den ich sehr liebe. Und für Sie alle.

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