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Kinder werden Künstler

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Von: Klaus Frahm

Drei Jahre fand mit Förderung des Landes Hessen das Projekt »Kulturkoffer« überwiegend in der Gießener Nordstadt statt. Im »Prototyp« war jetzt Endstation.

Gießen. »Es ging bei diesem Projekt immer ums Reisen, zum Beispiel aus der Nordstadt in ein anderes Viertel Gießens«, erläuterte Astrid Eibelshäuser. Die Gießener Schuldezernentin stellte zusammen mit einer großen Schar begeisterter Kinder und dem Projektteam den Abschluss des »Kulturkoffers« im »Prototyp« vor.

Drei Jahre fand mit Förderung des Landes Hessen das Projekt überwiegend in der Gießener Nordstadt statt. Kooperationspartner waren dabei die Kunst- und Malschule Gießen, das Stadttheater Gießen, die Gießen@Schule GmbH und die Stadt Gießen. Unterstützt wurde der »Kulturkoffer« außerdem von der Georg-Büchner-Schule, der Korczak-Schule und der Gesamtschule Gießen-Ost.

Wohin fährst du? Was siehst du auf deiner Reise? Warum bist du unterwegs, warum die anderen Fahrgäste? Wie weit könntest du fahren? Wie weit fährst du tatsächlich? Das waren Fragen, die zum Aufbruch riefen und dem im Laufe der drei Jahre mehr als 90 Kinder folgten. Kinder machten sich auf, stiegen in die Buslinie ein, die direkt vor der Haustür abfuhr und erkundeten, was es vor Ort gab. Sie entdeckten die Möglichkeiten der eigenen Mobilität und traten in Kontakt mit Orten des kulturellen Austauschs und Lebens in Gießen.

»Wir haben in den drei Jahren jeweils mit den Viertklässlern angefangen und ihnen sowohl einzelne Tage, als auch Wochenendveranstaltungen angeboten«, so Claudia Jirka. Der Teamerin des Projektes ging es um die Kinder, die sich mit dem Wechsel zu einer weiter führenden Schule außerhalb des Viertels erstmals eigenständig auf die Reise begeben mussten. Mit diesen Kindern wurden Theaterstücke, Kunstobjekte, soziologische Erhebungen und vieles mehr durchgeführt. Ein Highlight war der Besuch der Documenta in Kassel, bei der die Mädchen und Jungen lernten, was »Ausstellung« sein kann und wie Kunst in den Alltag kommt. Die Ergebnisse präsentierten die Teilnehmer und Teamer im Veranstaltungssaal »Prototyp« in der Georg-Philipp-Gail-Straße.

Das zentrale Objekt des dreijährigen Projektes, die Bushaltestelle, hatten die Kinder sozusagen in Lebensgröße vor der Wand gegenüber dem Eingang aufgebaut. Geschmückt mit vielen exotischen Accesssoires lud die Haltestelle dazu ein, auf die Reise ins Abenteuer zu warten.

»Kinder, die nicht so einfach mit der Kultur in Kontakt kommen, lernten in dem Projekt, sich der Kultur zu nähern und Mitmacher der Kultur zu werden«, erläuterte Teamer Maximilian Schmidt, der zusammen mit einigen Kindern eine »Höhle« aus Umzugskartons baute. Der zehnjährige Gesar hatte auf der Documenta die Idee, das Altkleiderbauwerk aus der Fuldaaue für die Ausstellung nachzubauen.

Wie im großen Vorbild der Documenta wurden in der Höhle Videos von den Aktionen der drei Jahre gezeigt. Verschiedene »Linien« führten durch die Ausstellung: Die Buslinie zu Bildern der Aktionen an Bushaltestellen, die Lebenslinie zum Kiosk, an dem man sich stärken konnte und zu Sitzgruppen zum Ausruhen auf der Reise. Die Wunschlinie führt zu einem Briefkasten, in den die Besucherinnen und Besucher einen Brief mit Wünschen einwerfen und direkt einen Wunschbrief mitnehmen konnten.

Mit der Veranstaltung »Endstation Kuturkoffer« endete das ambitionierte Projekt »Wohin fährst du heute/morgen/in deinem Leben?« mit Kindern zwischen neun und elf Jahren - überwiegend aus der Gießener Nordstadt -, die sich mit neuen Wegen nach der Grundschulzeit sowie mit ihren Zukunftsvorstellungen auf kreative Weise auseinandersetzten.

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