1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Klänge aus der Traumwelt

Erstellt:

Der Licher Multiinstrumentalist Markus Wach legt eine neue CD vor. Eingespielt hat er sie gemeinsam mit Musikern aus aller Welt.

Gießen. Markus Wach gehen die kreativen Ideen nicht aus. Kein Wunder: Der Multiinstrumentalist aus Lich schöpft aus einem schier unendlichen Klangkosmos, der von Europa über den arabischen Raum bis in den Fernen Osten reicht. Nach »Timbres« im März dieses Jahres legt er nun ein weiteres Album vor, auf dem zumeist melodiöse Instrumentalstücke aus seiner Feder zu hören sind. Eingespielt hat er sie gemeinsam mit Musikern aus aller Welt. »Eine neue Erfahrung, bei der ich ungemein viel gelernt habe«, erzählt er.

Dabei stammt das Ausgangsmaterial aus einer Zeit, als Wach noch vorrangig im Jazzbereich unterwegs war. »Ich hatte damals, so vor zehn, zwölf Jahren, einige Klänge im Kopf, die sich aber elektronisch nicht umsetzen ließen«, erzählt er. So blieb das Material lange unbeachtet in der Schublade. Mittlerweile ist Wach künstlerisch in ganz anderen Gefilden unterwegs, sucht und spielt vor allem traditionelle Saiteninstrumente aus aller Welt, die kaum mehr ein Mensch kennt - manchmal nicht einmal die lokale Bevölkerung.

Alte Stücke neu arrangiert

Da kamen ihm nun die alten Stücke wieder in den Kopf. Er überlegte sich, welche Instrumente aus fernen Ländern dazu passen könnten. Dann wurde mit Kollegen aus seinem Netzwerk telefoniert, um deren Meinung einzuholen. Die Daumen gingen nach oben, »also machte ich etwas Ganzes daraus.« Und so entstand das musikalische Gerüst für die CD, auf der insgesamt zehn Titel zu hören sind.

Inhaltliche Ausgangsidee ist die Geschichte einer schlafwandelnden Frau, die sich in einem Wald verirrt und deren Erlebnisse zwischen Traumwelt und Realität verschwimmen. Wach ist ein großer Stummfilm-Fan. Und gerade in vielen der Werke aus den 1920er Jahren gebe es Momente des Irrealen. »Auch der Schlafwandel ist da ein großes Thema, das fasziniert mich sehr.« Da gleichzeitig die Musik zu diesen Stummfilmen häufig nicht erhalten geblieben ist, wurde die Fantasie des Musikers angeregt. »Welche Klänge könnten dazu passen?« Ein Verweis: Das Auftaktstück des Albums trägt den Titel »Meshes of the Afternoon«, so wie ein experimenteller US-Stummfilm aus dem Jahr 1943 von der Regisseurin Maya Deren. Diesen nur 15-minütigen Streifen »habe ich mir ewig oft angeschaut, weil da so unglaublich viele Details drin versteckt sind«. Das passte zu Wachs Idee, unterschiedliche Töne und Klänge in die Stücke einzubauen.

Zu hören sind nun etwa orientalische Zithern, Streichinstrumente, die auch vierteltönig klingen können, oder ein belarussisches Hackbrett. Er selbst ist auf dem Album etwa mit iranischen und afghanischen Zupf- und Streichinstrumenten zu hören, ebenso wie mit einem Kontrabass. Seine Mitstreiter fand er dabei in aller Herren Länder: von Griechenland und Belarus bis Taiwan und Indonesien. Einen jungen Iraner kennt Wach aus anderen musikalischen Projekten in Frankfurt. Zwei deutsche Trommler zählen zu seinem Bekanntenkreis. »Andere habe ich über meine Leidenschaft für Instrumente im Internet entdeckt.«

Digitale Tonspuren aus aller Welt

Natürlich konnte er die Titel nicht mit allen beteiligten Musikern gemeinsam einspielen. »Das hätte das Budget gesprengt.« So wurde ihm manches Material auf digitalem Weg zugeschickt. Damit ging er ins Aufnahmestudio nach Staufenberg, wo er die einzelnen Tonspuren miteinander verband. So sind nun viele kaum je gehörte Instrumente auf dem Album zu entdecken, manche davon auch nur ganz kurz. »Das sind diese Details, die ich sehr mag.«

Veröffentlicht wird das von einem Kulturstipendium finanzierte Werk nun live am 14. Oktober in der Orientalischen Musikakademie in Mannheim. Am Tag darauf stellt Wach das Album zusammen mit vier Begleitern in der Licher Bezalel-Synagoge (20 Uhr) vor. Zu hören sein werden dann etwa eine Streichgeige aus China, eine persische Hackbrettzither und eine Hirtenflöte aus Bulgarien. Anfang kommenden Jahres wird das Album dann auch auf Vinyl veröffentlicht.

»Auf dem Album finden sich schöne Melodien, die in den Live-Momenten freier, ausgebauter gespielt werden. Im weitesten ein Jazzkonzept«, erzählt der Licher. Es ist seine so unvoreingenommene wie faszinierende Methode, im Austausch mit anderen Musikern traditionelle Klänge aus allen Erdteilen zu interpretieren und der Musik damit neues Leben einzuhauchen.

Das am 14. Oktober erscheinende Album »A somnambule Beauty’s Serpentine Traces« kann über die Homepage von Markus Wach (www.markuswach.de) oder über die gängigen Streaming-Portale bezogen werden.

Auch interessant