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Klares Bekenntnis gegen Hass

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Zwei Schilder und eine Urkunde erhält die Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten: Sophie Rohnke (11g1), Aron Heinhold (11g2), Jona Schütze (11g2), Jorma John (11g1), Nicola Beer, Annette Greilich und Sabrina Becker (v.l.). Foto: Smat © Smat

Mit musikalischen und multilingualen Darbietungen feierte die Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten (WSO) ihren Beitritt zum bundesweiten Netzwerk »Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage«.

Gießen . Mit musikalischen und multilingualen Darbietungen feierten die Schülerinnen und Schüler der Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten (WSO) ihren Beitritt zum bundesweiten Netzwerk »Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage«.

Verpflichtung zur Auseinandersetzung

Als größtes Netzwerk Deutschlands mit über 3800 Schulen und somit über zwei Millionen teilnehmenden Schülern setzt sich die Vereinigung für Projekte und Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Dies begrüßt die WSO, die Schüler aus über 35 Ländern unterrichtet und seit 2013 das Bildungsangebot Integration durch Anschluss und Abschluss anbietet. »Dies ist keine Auszeichnung für getane Leistungen, sondern der Beginn eurer Anstrengungen. Hiermit verpflichtet ihr euch, euch mit Rassismus auseinanderzusetzen und euch dagegen zu stellen«, ermahnte Sabrina Becker, Koordinatorin des Netzwerks für Hessen, die Schulgemeinschaft bei der Übergabe einer Urkunde und zwei Schildern mit dem Namen des Netzwerks.

»Die Schilder werden an den Schulgebäuden angebracht, damit jeder weiß, wofür wir stehen«, verkündete Schulleiterin Annette Greilich in ihrer Ansprache. »Wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen, sondern müssen weiter daran arbeiten, damit jeder sich wohlfühlt.«

Jede Schule, die Teil des Netzwerks »Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage« ist, benötigt einen offiziellen Paten oder Patin. Für die WSO übernimmt Nicola Beer, Vizepräsidentin und Mitglied des Europäischen Parlaments und Sonderbeauftragte für die Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund der Religion, einschließlich Antisemitismus, die Patenschaft. »Ich bin sehr dankbar und stolz gefragt worden zu sein, diese zu übernehmen«, verriet Beer. In ihrer Rolle im Europäischen Parlament habe sie gelernt, was die größte Gefahr für das Zusammenleben sei: Hass. »Hass gegenüber jemandem, weil er oder sie anders ist. Es ist wichtig, Unterschiede zwischen den Menschen wahrzunehmen, zu respektieren und aus ihnen zu lernen.« Im gleichen Zug erinnerte sie die Schülerschaft daran, dass bereits aus kleinen Momenten wie einer Beleidigung Angst oder ein größerer Konflikt erwachsen kann.

Deutliches Votum

Die Idee, Teil des Netzwerks zu werden, sei aus der Lehrerschaft als Reaktion auf ein »deutliches Missfallen« mancher Schüler auf diskriminierende Vorfälle gekommen. »Wir haben gesehen, dass wir aktiv werden müssen«, sagt Greilich. Vor den Sommerferien hat eine schulweite Abstimmung zum Beitritt stattgefunden, in der alle an der Schule Beteiligten, Hausmeister miteingeschlossen, einbezogen wurden. »Wir hätten 70 Prozent erreichen müssen. Schlussendlich haben sich 83 Prozent der Schulgemeinde dafür ausgesprochen«, erklärt die Schulleiterin.

Nicola Beer zeigt sich von der hohen Zustimmung beeindruckt: »Es ist ein klares Statement gegen Hass, gegen Diskriminierung, gegen Rassismus. Das Ergebnis zeigt, dass diese Entscheidung aus der Gemeinschaft heraus kommt.«

Dass der Eintritt in das Netzwerk in das hundertjährige Bestehen der Schule fällt, sei ein glücklicher Zufall. »Mit der Aufnahme in das Netzwerk schließt sich der Kreis der Aufarbeitung der Vergangenheit der Schule«, erzählte die Schulleiterin. 2016 wurde, nach einer Untersuchung des ehemaligen Schulnamengebers Friedrich Feld und der Feststellung, dass dieser überzeugter Nationalsozialist war, die Bildungseinrichtung in Wirtschaftsschule am Oswaldsgarten umbenannt. »Wir gehen initiativ gegen Nazismus und Antisemitismus vor«, sagte Greilich.

Als Teil dieses Vorgehens organisierte die Schule einen Schüleraustausch nach Israel, der vom Bundesfamilienministerium bezuschusst und von »ConAct«, dem Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischen Jugendaustauschs, unterstützt wurde. Die Schulleiterin habe von Kultusministerium bis hin zu Bundestagsmitgliedern angerufen, um nach finanzieller Unterstützung für den Schüleraustausch zu bitten. Jedoch ohne Erfolg. »Ich finde es peinlich, dass es keine ausreichenden Zuschüsse für Klassen gibt, um nach Israel zu fahren und dort zum Beispiel die Holocaustgedenkstätten zu besuchen«, beklagte Greilich.

Emotionaler Besuch

Ein Besuch der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem war ein Programmpunkt der acht Austausch-Teilnehmer. Unter ihnen war Sophie Rohne, die sich gut an den Besuch erinnern kann: »Es war sehr emotional. Mir wurde bewusst, dass wir die Verantwortung tragen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.«

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