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Kleine Budgets, großer Enthusiasmus

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Ein Hauch von Hollywood: Vor der Preisverleihung im Hotel-Restaurant Heyligenstaedt wurde den Machern und Darstellern der rote Teppich ausgerollt. Foto: Schultz © Schultz

Gießen. Mit der in feierlichem Rahmen gefeierten Preisverleihung ging am Sonntag die internationale Seriale 8 zu Ende. Auf diesem sechstägigen Festival mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen wurden digitale Serien vorgestellt und intensiver Austausch gepflegt. Zudem wuchs dabei das Netzwerk der Filmer untereinander, ob sie nun aus Argentinien, Südkorea oder Europa kommen.

Aufgeschlossenheit und Neugierde prägten die Stimmung.

»Die Seriale ist wieder da«, freute sich Oberbürgermeister und Kulturdezernent Frank Tilo Becher in seiner Begrüßung des Festivalpublikums. »Es ist einfach großartig, dass man nach zwei Pandemie-bedingten Onlineausgaben wieder zusammensitzen und die Serien gemeinsam auf der großen Leinwand genießen kann.« Das sahen die Teilnehmer genauso: heftiger Beifall. Becher dankte dem Kinocenter und Theaterleiter Martin Otto für seine Gastfreundschaft. Er würdigte auch das umfangreiche Begleitprogramm um die Serien, das zum wesentlichen Bestandteil geworden sei.

Aus 18 Ländern

Aus 18 Ländern kamen die Teilnehmer, 51 Serien und 12 Pilotfolgen wurden begutachtet, darunter vier Weltpremieren. Hauptsponsor ist die Hessenfilm, die Filmförderung des Landes, die Film- und Medienakademie unterstützte ebenfalls, nicht zuletzt das Gießener Amt für Wirtschaftsförderung; das Ministerium für Wirtschaft und Energie ermöglichte die Seriale pro. Größter Dank gebühre jedoch Festivalleiter Csongor Dobrotka, der laut Becher »das Festival gemeinsam mit Beate Bambauer etabliert« und zu einem der bedeutendsten seiner Art entwickelt habe.

Webserienfestivals gibt es in diversen Teilen der Welt, einige Macher dieser Plattformen für unabhängige Filmkunst waren auch in Gießen anwesend und in Jurys vertreten, um die besten Arbeiten zu prämieren. Dobrotka freute sich ebenfalls: »Es ist wirklich wunderbar, Euch alle nach zwei Jahren wieder hier zu sehen.«

Filmemacher, Produzenten und Teilnehmer waren zusammengekommen, um Erfahrungen auszutauschen, die Arbeit der Kollegen kennenzulernen und nicht zuletzt über Rechte und Produktionsvereinbarungen zu sprechen. Der größte Saal im Kinocenter war fast komplett voll, als das Seriale-Logo aufleuchtete und ein kleiner Querschnitt aus den Produktionen die Vorführung einleitete.

Den Auftakt machte die bemerkenswerte deutsche Dokuserie »Bastard2 Bad Company« (zweite Staffel) von Marc Boutter und Marco Eisenbarth. Sie porträtiert vier deutsche Wrestlingprofis in persönlichen Bildern und Aussagen (siehe Interview auf dieser Seite). In weiteren Screenings wurde das enorme kreative Spektrum der Seriale deutlich: ob Animation, Horror oder Dokumentation, es war alles dabei. Und ein paar Mal auch etwas völlig anderes.

Einen großen Teil der Zeit nahmen die diversen Workshops und Podiumsdiskussionen ein, in denen die Macher ihre Serien oder Pilotfolgen den Fachjurys kurz vorstellten (»Pitch«) oder über Entwicklungen, Probleme und Perspektiven ihrer facettenreichen Arbeit diskutierten - angesichts der vielen internationalen Besucher alles auf Englisch.

Der glänzende Abschluss begann am Sonntag mit einem stilechten Aufmarsch auf dem roten Teppich vor dem Restaurant Heyligenstaedt. Darauf wurden alle Filmer und Fachkräfte fürs Festival fotografiert. Man sah bei den Herren schicke Klamotten, die Damen trugen stilvolle Kleider, nicht selten auch gewagte Modelle - keine einzige Jeans war zu sehen. Die Serienprofis nahmen die Veranstaltung durchaus ernst, wenn auch immer wieder ein paar alberne Momente zu beobachten waren. Dabei wurden fast ununterbrochen informelle Fachgespräche geführt und Juroren tauschten sich mit Machern und Darstellern aus. Die sind in diesem Low-Budget-Bereich nicht selten alles in einem: Regisseurin, Hauptdarstellerin, Autorin und zuweilen auch noch Produzentin. Nun war eine arbeitsreiche Woche zu Ende, und es gab zahlreiche Preise zu gewinnen. Die bestanden ausschließlich in Ehrungen, nur der erste Preis für die beste Serie war mit 1000 Euro dotiert.

Später fanden sich die Gäste im festlich gedeckten Saal zusammen, um die Preisverleihung wahrzunehmen, auch OB Becher war dabei. Von den Moderatorinnen Kaira Masuhr und Anne Failing geleitet, lief das Programm formal genauso ab, wie man es aus den Oscarverleihungen oder Golden Globe Awards kennt. Rund 20 Ehrungen wurden vergeben, dazu gab es ein paar einführende Worte zum geehrten Projekt und die Kandidaten sagten unter meist starkem Beifall ein paar Dankesworte.

Filmmusik live

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Streichquartett La Finesse, das neben knackigen Filmmusikcovers auch stilvolle Spannungsmusik zur jeweiligen Zeremonie lieferte. Resultat des stimmungsvollen Ganzen. Die Freude der Geehrten war stets groß, schließlich gehören sie einer Branche an, in der mit riesigem Enthusiasmus und niedrigen Budgets gearbeitet wird und Anerkennung von Kollegen sehr wichtig ist.

Den ersten Preis für die beste Serie erhielten die russischen Filmemacher Anna Zaytseva (Regie) und Egor Vetokhin (Kamera) für »No, you’re stupid!« über zwei Teenagerschwestern. Sie durften sich über 1000 Euro Preisgeld und heftigen Jubel freuen.

So war die achte Auflage der Seriale eine erfolgreiche Veranstaltung, die von allen Teilnehmern als gewinnbringend und angenehm eingeschätzt wurde und international anerkannt wird. Die leicht prickelnde Atmosphäre am Abschluss und die eindrucksvolle Vielfalt rundeten sich letztlich zu einem spannenden Abend.

Die Beiträge des Festivals sollen diese Woche auf dem Seriale-Kanal auf YouTube zu sehen sein. Weitere Infos: www.die-seriale.de.

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Eine Szene aus der preisgekrönten Doku-Serie »Basterd2«, die in die Welt der Wrestler führt. Foto: Seriale © Seriale

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