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Kleine Einschränkung, große Wirkung

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Gießen (red). »Eine verfehlte Energiepolitik hat dazu geführt, dass Deutschland in starke Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland gekommen ist«, konstatiert der Mieterverein Gießen in einer Pressemitteilung. Das sei vor allem beim Gas der Fall. Eine knappe Mehrheit der Deutschen (55 Prozent) meine, man müsse den Gas- und Ölimport aus Russland beenden, um Putin die Kriegsfinanzierung zu erschweren.

Das funktioniere aber nur, wenn Deutschland Ersatz für das russische Gas und Öl findet und der Verbrauch deutlich zurückgeht. In jedem Falle würden für den Verbraucher die Preise stark steigen. Jeder Einzelne könne aber etwas tun, weniger Energie zu verbrauchen und anders zu konsumieren, führt der Vorsitzende Stefan Kaisers aus und verweist auf den Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), der Verbraucher ermuntert, die Thermostate um nur ein Grad niedriger einzustellen. Allein das würde jährlich zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas ersparen, rechnet er vor, immerhin sechs Prozent der russischen Gasimporte. Die Raumtemperatur in der EU liege bei durchschnittlich 22 Grad. »Ein oder zwei Grad weniger: Da zieht man vielleicht einen Pullover an, abgefrorene Zehen muss niemand befürchten.« Es handele sich um eine kleine Einschränkung des Komforts mit vergleichsweise großer Wirkung. Und zudem spare es Geld, denn ein Grad weniger spart sechs Prozent der Energie und damit der Heizkosten.

Viele würden den Weg bereits beschreiten oder seien offen dafür, davon künden die vielen Plakate »Pullis gegen Putin« oder »Freeze for Peace«. Umso unverständlicher sei, dass die Bundesregierung das nicht schon längst aufgenommen hat, kritisiert Kaisers. Wie die Erfahrung beim Klimaschutz zeige, seien Verhaltensänderungen im großen Stil erst dann zu erwarten, »wenn der Staat sie flankiert und unterstützt - und auch notfalls einfordert«.

Der Mieterbund empfehle der Ampelregierung, eine große Werbekampagne zu starten, Spots im Fernsehen zu schalten, Webseiten aufzusetzen, wie sich im Alltag Energie einsparen lässt. Dabei sollte es nicht bleiben, schon allein deshalb, weil die Bürger vieles selber gar nicht in der Hand hätten. »Wenn der Wind durch die Wohnung zieht, weil sie miserabel gedämmt ist, helfen Sparappelle von Heizkosten wenig. Dann muss der Staat Vermietern Druck zur Sanierung machen - im Interesse der Mieter und der Allgemeinheit«, so Kaisers. Wenn die Zahl der Wärmepumpen zum Heizen schneller ansteigen solle als bislang, müsse die Regierung sowohl für die notwendigen Fördermittel sorgen, denn die Investition in die neue Technologie ist teuer, als auch für mehr Fachkräfte sorgen, die dieses Heizungssystem einbauen können.

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