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Klimaneutralität erklimmen

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Klaus Ehgart ist passionierter Bergwanderer und Klettersteiggeher. Der 3. Vorsitzende des heimischen Alpenvereins will sich auch als Klimaschutzbeauftragter engagieren. © privat

Bis zum Jahr 2030 will der Deutsche Alpenverein klimaneutral werden. Dieses ehrgeizige Ziel verfolgt auch die Sektion Gießen-Oberhessen. Wie das gehen soll, erklärt Vorstandsmitglied Klaus Ehgart.

Gießen (gt). Der Deutsche Alpenverein hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. Dieses ehrgeiziges Ziel will auch die Sektion Gießen-Oberhessen verfolgen, die dafür heute eine spezielle Arbeitsgruppe gründet. Innerhalb des Vorstands hat sich Klaus Ehgart der schwierigen Aufgabe angenommen. Im Interview skizziert er Wege, Chancen, Nutzen und Hindernisse auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Herr Ehgart, waren Sie dabei, als der wegweisende Beschluss des Hauptvereins gefasst wurde?

Ja, ich habe zusammen mit der 2. Vorsitzenden Ute Wächter-Pahl an der Hauptversammlung in Friedrichshafen teilgenommen und für den Kurswechsel gestimmt.

Spielte denn bisher der Klimaschutz keine Rolle? Immerhin ist der DAV auch ein Naturschutzverein.

Der Weg in Richtung Klimaschutz wurde 2019 bei der Hauptversammlung begonnen, als von der Politik eine konsequente Klimapolitik gefordert und eine Selbstverpflichtung beschlossen wurde. Die ist nun konkretisiert worden.

Die meisten der 1,3 Millionen DAV-Mitglieder wohnen nicht im Alpenvorland, müssen also mitunter lange Fahrten in die Berge in Kauf nehmen. Wie passt das zum Klimaschutz?

Unternehmungen in den Alpen sind und bleiben die Hauptattraktion des Alpenvereins; wir sind nun einmal kein Sportverein mit engem Heimatbezug. Die Umsetzung des Einsparungsziels wird deshalb große Schwierigkeiten verursachen. Aber es soll die Regel werden, dass nur noch mit dem Zug oder in Kleinbussen in die Alpen gefahren wird. Und wenn Hin- und Rückreise zusammen über 1000 Kilometer lang sind, darf es keine Kurztrips übers Wochenende mehr geben, sondern nur noch Wochenreisen.

Mit der Bahn kommt man aber oft nicht gut an die eigentlichen Ziele heran.

Richtig. Deshalb will der Hauptverein im Alpenvorland Stützpunkte einrichten, von denen aus die Mitglieder mit Kleinbussen oder in Sammeltaxis weiterfahren können.

Die bundesweit 357 Sektionen des Alpenvereins sind nun aufgerufen, die Klimaziele umzusetzen. Wie genau soll das gehen?

Zunächst sollen alle Sektionen ihren »ökologischen Fußabdruck« ermitteln. In diese Bilanzierung fließen die CO2-Emissionen etwa im Hinblick auf Kletterhallen, Hütten und die Mobilität ein, also die Fahrten zu Wander- und Klettertouren. Der Dachverband wird den Sektionen dafür in Kürze einen umfangreichen Erfassungsbogen übermitteln.

Schauen wir mal auf die heimische Sektion. Wie sieht es aus mit der Kletterhalle?

Da sind wir schon ganz gut aufgestellt. Wir beziehen 100 Prozent Ökostrom und sind ans Gießener Fernwärmenetz angeschlossen. Der Stromverbrauch muss aber auf den Prüfstand.

Wäre nicht eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu empfehlen?

Das ist sicher ein richtig großes Projekt für die Sektion, das wir in Kooperation mit den Stadtwerken und dem Klimaschutzbeauftragten der Stadt angehen werden.

Wie klimafreundlich ist die Gießener Hütte in den Hohe Tauern?

Die ist unproblematisch. Wir haben kein Dieselaggregat, sondern erzeugen unseren Strom über eine Wasserturbine. Auch das Brauchwasser kommt aus dem Gletscher. Die Beheizung erfolgt über die Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Wie sieht es bei der Mobilität aus? Was müsste im Tourenprogramm geändert werden?

Was die Alpen angeht, werden wir uns den genannten Regeln anpassen müssen. Unsere Wandergruppen, die vorwiegend im heimischen Raum unterwegs sind, müssen aber nicht viel ändern; die nutzen immer schon Fahrgemeinschaften oder den ÖPNV. Das gilt auch für mehrtägige Touren in Mittelgebirgen.

Was werden die ersten Aufgaben der künftigen Arbeitsgruppe sein?

Die Bilanzierung des CO2-Ausstoßes der Sektion ist die umfangreiche Hauptaufgabe. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass wir beim Sommerfest die Gäste fragen, wie sie angereist sind. So kommt automatisch der Klimaschutz ins Gespräch. Auf den Prüfstand kommen auch die Vorstandssitzungen. Die Tendenz geht zu Videokonferenzen, mit denen wir ja in den strengen Corona-Monaten schon gute Erfahrungen gemacht haben. Und erste konkrete Umsetzungsschritte wird die AG rasch vorlegen.

Was passiert eigentlich, wenn der unvermeidbare CO2-Verbrauch der Sektion bilanziert ist?

Dafür werden 90 Euro pro Tonne berechnet. Dieses Geld soll dann in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden. Der Alpenverein kann einen kleinen, aber wichtigen Betrag zum Klimaschutz leisten.

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