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Klischees, Kindchen, Klementine

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Die Marburger Kulturwissenschaftlerin Kathrin Bonacker hat das »Mobile Reklame-Museum« eröffnet. © Coordes

Die Marburger Kulturwissenschaftlerin Kathrin Bonacker hat das »Mobile Reklame-Museum« eröffnet, mit dem sie in die Schulen kommt, um Unterrichtsthemen lebendiger zu machen.

Marburg. Für Erwachsene ist es eine Begegnung mit den Werbegesichtern und Slogans ihrer Jugend: Der süße Knabe aus der Schokoladenreklame, der »Geschmack von Freiheit und Abenteuer« oder die Klementine aus der Waschmittelwerbung. Für Kinder und Jugendliche wird es neuerdings zum spannenden Unterrichtsprojekt: Die Marburger Kulturwissenschaftlerin Kathrin Bonacker hat das »Mobile Reklame-Museum« eröffnet, mit dem sie in die Schulen kommt. Entstanden ist die Sammlung aus ihren Forschungen an der Marburger Philipps-Universität.

In der mobilen Ausstellung sind 150 illustrierte Anzeigen und Reklameobjekte aus den vergangenen 125 Jahren Werbegeschichte zu sehen, die viele Unterrichtsthemen lebendiger machen sollen: Zeigen lässt sich nicht nur, wie sich Werbung historisch entwickelt, wie Werbesprache, Werbebilder oder das Kindchenschema funktionieren. In Geschichte, Wirtschaft, Politik, Deutsch, Kunst oder Religion können auch Themen wie Rassismus, Kolonialismus, Krieg, die Gender-Debatte, Umwelt, Nachhaltigkeit, Berufsbilder, Sprach- und Farbwirkung oder bestimmte Zeitphasen illustriert und verdeutlicht werden. »Darin steckt sehr viel Alltags- und Zeitgeschichte, die man sonst nicht sieht«, sagt Bonacker.

Kindchen-Schema und Gendersprache

Ihre Lieblingsanzeige ist eine Reklame für eine Bierflasche, die unter dem Titel »Ex und hopp« damit wirbt, dass man sie nach dem Austrinken einfach in den Müll schmeißen kann und sie nicht als Leergut zweimal tragen muss. Von 1967 stammt die Werbung für die »Ex- und Hopp-Flasche«, die inzwischen wirklich aus der Zeit gefallen ist. Fast überzeichnet illustrieren lässt sich anhand der Werbung auch der Wandel der Frauenbilder. Ein Highlight ist ein Kaufmannsladen aus den 1950er Jahren mit vielen Verpackungsminiaturen. Daran lässt sich gut erkennen, dass Markenbewusstsein schon in früher Kindheit angelegt wird, berichtet Kathrin Bonacker.

Die Kulturwissenschaftlerin begann schon Mitte der 90er Jahre mit der Sammlung der historischen Anzeigen. Schließlich hat sie über »Hyperkörper in der Anzeigenwerbung« promoviert. Da ging es um Körperbilder als Abbild von zeitgenössischen Strömungen. Ihr kulturhistorisches Anzeigenarchiv weitete sie später aus.

Heute gehören rund 60 000 illustrierte Anzeigen im Original sowie etwa 100 Objekte zu der Sammlung, die nach Branchen, Marken und Jahrgängen - von Autos über Zigaretten und Berufe bis zu Nationalstereotypen und Prominenten - erfasst sind. Mit Unterstützung eines Stipendiums der hessischen Kulturstiftung wurde daraus das nun eröffnete mobile Museum. Gebucht werden kann der für zwei Schulstunden konzipierte Unterrichtsbesuch des Reklame-Museums für Schulklassen ab Jahrgangsstufe 10.

Förderung durch Kulturstiftung

Die Materialien, die in vier Koffer, fünf Taschen und einen großen Karton passen, werden dann auf Schultischen aufgebaut. Es gibt einen kurzen Einführungsvortrag zu den Ausstellungsstücken, die dann in Ruhe betrachtet werden können. Dazu gehört Informationsmaterial, ein Quiz sowie die Möglichkeit, bestimmte Themen gesondert aufzubereiten.

Weitere Informationen gibt es bei Facebook, im Internet unter https://mobilesreklame museum.wordpress.com/ sowie per Mail bei Kathrin Bonacker unter mobilesreklamemuseum@web.de.

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Zu sehen ist dort auch eine Mini-Litfasssäule. © Gesa Coordes

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