Kommentar zu üblen Ausfälle gegen "Omas gegen Rechts": Emotionalisierung statt Anstand

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Der starke Mann der Gießener AfD, Arno Enners, hat einmal geklagt, dass die einen an einem Tag kaputtmachen, was andere in einem Jahr aufbauen. Gerade die Gießener AfD betont ja immer wieder ihre Verankerung im bürgerlichen Milieu und fiel in der vergangenen Legislaturperiode im Stadtparlament weder durch Schaufenster-Anträge noch durch populistische Tiraden unangenehm auf.

Konterkariert wird dieses Bemühen jedoch immer wieder durch schrille Töne, gerade auf der reichweitenstarken Facebook-Seite der Kreistagsfraktion. Hier wird permanent Wahlkampf betrieben und das "Wir gegen die Systemparteien" zelebriert. Das gibt viele Likes bei der Kernwählerschaft, provoziert aber auch immer wieder widerliche Entgleisungen, die oft erst dann gelöscht werden, wenn die Empörung gar zu groß geworden ist. Dass dahinter mehr Kalkül als ehrliche Überzeugung stehen mag, macht die Sache nicht besser, im Gegenteil. In ihrem Bestreben, bloß keinen Wähler am rechten Rand zu verlieren, wird die AfD nie zum Hafen für all die von Merkel verstoßenen Kohl-Konservativen werden, die der alten Bundesrepublik nachtrauern. Mit ihrer ständigen Emotionalisierung hat die AfD zudem ihren Teil zur Verrohung des politischen Diskurses beigetragen, bei dem nicht mehr rational und respektvoll um die beste Lösung der Probleme gestritten wird, sondern die Welt nur noch in Gut und Böse aufgeteilt und der Gegner je nach Couleur zum Gutmensch oder Unmensch dämonisiert wird. Zu den bürgerlichen Werten gehört der Anstand. Wie wichtig ihr dieser Anstand ist, kann die AfD jeden Tag im Stil der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, aber eben auch bei ihrem Umgang mit primitiven sexistischen und menschenverachtenden Kommentaren auf ihren Webseiten unter Beweis stellen. Ingo Berghöfer

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